Nach Tod von Floyd: Auch in Europa nehmen Anti-Rassismus-Proteste zu

Zehntausende Menschen erinnerten am Mittwoch in London, Rotterdam, Athen und Stockholm an den Tod des Afroamerikaners George Floyd. In Wien ist am Donnerstagnachmittag eine Kundgebung der #BlackLivesMatter-Bewegung geplant, am Samstag in Innsbruck.

Demonstranten in Stockholm.
© AFP/Nacktstrand

London, Athen, Rotterdam – Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA kommt es auch in Europa verstärkt zu Protesten. Zehntausende demonstrierten am Mittwoch in London, Rotterdam, Athen und Stockholm gegen Rassismus. Dabei brachen am Rande mitunter Krawalle aus.

Allein in London versammelten sich Zehntausende Menschen. Die Veranstaltung verlief weitgehend friedlich. Nur vor dem Amtssitz von Premierminister Boris Johnson kam es zu kurzen kleineren Handgemengen zwischen einigen Protestierenden und Polizisten.

In der niederländischen Hafenstadt Rotterdam dagegen schlug ein Protestzug in Gewalt um, als die Polizei die Tausenden Teilnehmer wegen Verstößen gegen die Corona-Abstandsregeln dazu aufrief, nach Hause zu gehen. Kleine Gruppen schlugen daraufhin Fensterscheiben ein und zerstörten Restauranteinrichtungen, wie die Polizei mitteilte.

Eine ähnliche Demonstration am Pfingstmontag in Amsterdam hatte massive Kritik auf sich gezogen, weil dabei ein großes Gedränge entstanden war. Ministerpräsident Marc Rutte sagte am Mittwoch, Demonstrieren sei selbstverständlich möglich, aber nicht in dieser Form – die Corona-Beschränkungen müssten beachtet werden.

Tränengas gegen Demonstranten in Athen, Festnahmen in Stockholm

In der griechischen Hauptstadt Athen versuchten Demonstranten Brandsätze auf die stark bewachte US-Botschaft zu werfen, wie Reuters-Augenzeugen berichteten. Die Polizei reagierte mit Tränengasbeschuss. Sie schätzte die Zahl der Demonstranten auf mehr als 3000.

In Athen versuchten Demonstranten Brandsätze auf die US-Botschaft zu werfen.
© ANGELOS TZORTZINIS

Auch in der schwedischen Hauptstadt kamen Tausende Menschen zu einer Anti-Rassismus-Demo zusammen. Dabei kam es laut schwedischen Medien zu Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und der Polizei. Laut Ex-Sozialministerin Annika Strandhäll, die Augenzeugin der Proteste war, waren zu wenig Polizisten im Einsatz und die Beamten mit Provokationen konfrontiert.

Insgesamt wurden vier Personen festgenommen, zwei davon sind in Haft, berichtete der Sender SVT am Donnerstag. Die schwedischen Behörden hatten die Demo trotz des Versammlungsverbots für über 50 Personen genehmigt. Die Opposition kritisierte diesen Entscheid.

Am Donnerstagabend soll nun eine weitere Kundgebung von "Black Lives Matter"-Sympathisanten in Malmö stattfinden. Die Behörden rechnen erneut mit Tausenden Teilnehmern.

Mit Pfefferspray ging die Polizei in Stockholm gegen Demonstranten vor.
© AFP/Nacktstrand

"Wenn Du nicht wütend bist, schaust Du einfach nicht hin"

Auf der Kundgebung im Londoner Hyde Park riefen Demonstranten "Das Leben von Schwarzen zählt" und "Keine Gerechtigkeit, kein Frieden". Viele der Teilnehmer trugen Schutzmasken und waren in Rot gekleidet. Einige hielten Plakate in die Höhe mit Aufschriften wie "Großbritannien ist nicht unschuldig: weniger rassistisch ist immer noch rassistisch" oder "Wenn Du nicht wütend bist, schaust Du einfach nicht hin". Manche Demonstranten beschimpften US-Präsident Donald Trump und den britischen Premier Johnson in Sprechgesängen.

Floyd war am 25. Mai in Minneapolis gestorben, nachdem ein Polizist minutenlang auf seinem Hals gekniet hatte. "Das hat sich über Jahre aufgebaut, über Jahre und Jahre und Jahre der weißen Vorherrschaft", sagte die 30-jährige Projektmanagerin Karen Koromah. "Wir sind mit unseren Freunden hergekommen, um Alarm zu schlagen, Krach zu machen und Strukturen der weißen Vorherrschaft zu zerstören." Wenn in Großbritannien nichts geschehe, werde es dort ähnliche Probleme wie in den USA geben. "Ich will nicht in Tränen ausbrechen", sagte sie über die Bilder aus den USA. "Es bringt mein Blut zum Kochen."

#BlackLivesMatter-Kundgebung in Wien, am Samstag in Innsbruck

Auch Österreich erreichen die Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus. Am heutigen Donnerstagnachmittag um 17 Uhr ist in Wien auf dem Platz der Menschenrechte beim Museumsquartier eine Kundgebung der #BlackLivesMatter-Bewegung geplant. Auch am Freitag soll protestiert werden.

📽 Video | ORF-Reporterin Kathrin Pollak von der Demonstration in Wien

Die Bezirksvorsteher-Stellvertreterin von Wien-Innere Stadt, Mireille Ngosso (SPÖ), ist eine der Organisatorinnen der Demonstration. "Mit dieser Kundgebung soll nicht ein 'wir' gegen 'ihr' oder ein 'schwarz' gegen 'weiß' entstehen. Wir wollen ein UNS schaffen, in dem wir alle mit gleichem Respekt behandelt werden und uns auf Augenhöhe begegnen", schrieb die aus der Demokratischen Republik Kongo stammende Politikerin und Ärztin auf Facebook.

➡️ Facebook-Post:

Von den Grünen beteiligen sich die Nationalratsabgeordnete Faika El-Nagashi, Sicherheitssprecher Georg Bürstmayr und die außenpolitische Sprecherin, Ewa Ernst-Dziedzic, an der Kundgebung. Bürstmayr und Ernst-Dziedzic betonten im Vorfeld, man brauche "gerade in der Politik eine klar antirassistische Haltung".

Am kommenden Samstag findet in Innsbruck eine Solidaritätskundgebung statt. Ab 14 Uhr soll auf dem Landhausplatz gemeinsam ein friedliches Zeichen für Zusammenhalt und Vielfalt gesetzt werden, so die Organisatoren. (APA/TT.com)


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