Rassismus in den USA hat eine lange Geschichte

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der Rassismus gegenüber Afroamerikanern tief in der US-Gesellschaft verwurzelt ist.

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Am 28. August 1963 hielt der Bürgerrechtler Martin Luther King vor 250.000 Menschen am Lincoln Memorial in Washington seine berühmte "I have a dream"-Rede.
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Washington, Wien – Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz gehen landesweit in den Vereinigten Staaten Tausende Menschen auf die Straßen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass – wie es einst der erste schwarze US-Präsident Barack Obama formulierte – der Rassismus gegenüber Afroamerikanern tief in der US-Gesellschaft verwurzelt ist.

Im Zuge der großen Einwanderung nach Nordamerika wurden zwischen 1619 und 1808 rund 500.000 Afrikaner unfreiwillig als Sklaven ins Land gebracht. Die Einfuhr von Sklaven in die USA war zwar ab 1808 illegal, vor allem im landwirtschaftlichen Süden, wo viele Arbeitskräfte auf den Feldern gebraucht wurden, hielt sich aber der Besitz von Sklaven und ihrer Nachkommen.

Rund 50 Jahre später brach in den USA über die Frage der Sklaverei ein Bürgerkrieg aus. Präsident in diesen schwierigen Zeiten war Abraham Lincoln, der aus dem fortschrittlich eingestellten US-Staat Illinois stammte. Er bereitete der Sklaverei bereits 1865 mit einem Zusatz zur US-Verfassung förmlich ein Ende. Die "Rassentrennung" ("Segregation") blieb jedoch vielerorts bestehen, etwa in Gaststätten, Toiletten oder Bussen. "Separate but equal" ("getrennt, aber gleich") lautete das Motto, vor allem in den Südstaaten der USA.

Widerstand gegen "Separate but equal" erst in den 1950ern

Massiver gesellschaftlicher Widerstand regte sich erst in den 1950er- und 60er-Jahren. Im Dezember 1955 weigerte sich die Afroamerikanerin Rosa Parks in Montgomery (US-Staat Alabama), ihren Sitzplatz im Bus für einen Weißen zu räumen. Als sie festgenommen wurde, gab es Proteste und einen Boykottaufruf gegen städtische Busse.

Daran beteiligte sich auch die daraufhin gegründete Montgomery Improvement Association (MIA), angeführt vom damals 26-jährigen Baptistenpastor Martin Luther King. Die Rassendiskriminierung in Bussen in Montgomery wurde Ende 1956 vom Obersten US-Gerichtshof für verfassungswidrig erklärt. Doch bis eine landesweite antirassistische Massenbewegung entstand, vergingen noch mehrere Jahre. Am 28. August 1963 hielt der Bürgerrechtler King vor 250.000 Menschen am Lincoln Memorial in Washington seine berühmte "I have a dream"-Rede.

Ein Gesetz von 1964, der "Civil Rights Act", hob die Rassentrennung auf. Martin Luther King bekam im gleichen Jahr den Friedensnobelpreis. Als er am 4. April 1968 erschossen wurde, kam es landesweit zu Krawallen mit mehreren Dutzend Toten und vielen Verletzten. Als Attentäter verurteilt wurde der vorbestrafte Rassist James Earl Ray. Malcom X, ein prominenter Vertreter der schwarzen Bürgerrechtsbewegung neben Luther, fiel 1965 einem Attentat zum Opfer.

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Rund ein Viertel der Afroamerikaner leben unter Armutsgrenze

Rund 40 Jahre vergingen, bis Obama 2009 zum ersten – und bisher letzten – schwarzen US-Präsidenten gewählt wurde. Diese "schöne" Geschichte hat jedoch einen Haken: Noch immer stehen Debatten über Hautfarbe und Ethnie in den Vereinigten Staaten auf der Tagesordnung. Denn die schwarze Bevölkerung ist im Durchschnitt noch immer ärmer und weniger gebildet und öfter krank als Weiße, Asiaten und andere Minderheitengruppen.

Die meisten Afroamerikaner leben nach wie vor hauptsächlich in den südlichen US-Staaten. Insgesamt beträgt ihr Anteil an der US-Bevölkerung laut der für US-Bevölkerungsstatistiken zuständige Behörde (Census Bureau) 13,4 Prozent. Rund ein Viertel der Afroamerikaner leben unter der Armutsgrenze (Weiße: zehn Prozent) und ihr Haushalts-Medianeinkommen liegt mehr als 20.000 Dollar unter jenem der weißen Bevölkerung. Auch in Sachen Bildung zeigen die Zahlen ebenfalls eine Kluft: 13,5 Prozent der Afroamerikaner haben keinen High-School-Abschluss, nur 22 Prozent absolvieren einen Bachelor oder eine höhere Ausbildung. (Die zuletzt erhältlichen Zahlen stammen aus 2018) (APA)


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