Neue Vorfälle von Rassismus und Polizeigewalt: USA vor weiteren Massenprotesten

Der Fall des getöten Afroamerikaners George Floyd hatte Massenproteste angestoßen, nun werden diese durch neue Vorfälle wohl erneut angefacht. In Videos ist wieder Polizeigewalt zu sehen – und wieder leugnete die Polizei diese, bis das Bildmaterial auftauchte.

Demonstranten in Washington.
© OLIVIER DOULIERY

Washington – Nachdem weitere Videos von brutalen Polizeieinsätzen in den USA aufgetaucht sind, stellt sich das Land auf neue Massenproteste gegen Rassismus am Samstag ein. Allein in Washington wurden Zehntausende Demonstranten erwartet.

In Washington war am Samstag eine Mahnwache für George Floyd am Lincoln-Denkmal nahe des Weißen Hauses geplant. Auch am Geburtsort von Floyd in Raeford im US-Bundesstaat North Carolina war eine Gedenkveranstaltung angekündigt. Der Afroamerikaner war bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis getötet worden. Seither reißen die Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus in den USA, aber auch weltweit, nicht ab. Die Demonstrationen verliefen bisher überwiegend friedlich, doch kam es dabei immer wieder auch zu schweren Ausschreitungen, Brandstiftungen und Plünderungen.

📽 Video | Proteste in USA: Worum es im Fall Floyd geht

Weitere "verstörende" Videos zeigen Polizeigewalt

Für zusätzliche Empörung sorgt eine Reihe von Videos in den sozialen Medien, die US-Polizisten zeigen, die brutal gegen Demonstranten vorgehen. In Buffalo im Bundesstaat New York wurden zwei Beamte vom Dienst suspendiert, wie Bürgermeister Byron Brown am Freitag im Onlinedienst Twitter mitteilte. In einem Video stoßen die Polizisten einen 75-jährigen Demonstranten um, der daraufhin bewusstlos liegen bleibt und stark am Kopf blutet. Die Polizei hatte zunächst angegeben, der Mann sei gestolpert.

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In Indianapolis leitete die Polizei Ermittlungen zu einem Video ein, in dem mindestens vier Beamte eine Frau mit Schlagstöcken und Pfefferspray-Geschossen angreifen. In New York tauchten Videos von mehreren Vorfällen auf. So sollen Polizisten laut Medienberichten mit Schlagstöcken am Donnerstag gegen dutzende friedliche Demonstranten vorgegangen sein. Ein Polizist soll einem Demonstranten die Maske heruntergezogen und dann Pfeffer-Spray auf ihn gerichtet haben. Zwei Beamte wurden nach Polizeiangaben suspendiert.

Die Vorfälle seien "verstörend", sagte Polizeichef Dermot Shea in einer Mitteilung in der Nacht auf Samstag (Ortszeit). Zuvor hatte sich Shea bereits für mögliches Fehlverhalten seiner Polizisten entschuldigt – aber auch betont, dass seine Polizisten während der Begleitung der Proteste immer wieder beleidigt und angegriffen würden und dass auch dies aufhören müsse. (APA, AFP, dpa)


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