Zeichen gegen Rassismus: Tausende Teilnehmer bei Demo in Innsbruck

Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd hat weltweit eine Welle der Solidarität ausgelöst. Rund 4000 setzten am Samstag auch in Innsbruck ein Zeichen gegen Rassismus.

Laut Polizei folgten rund 4000 vor allem junge Menschen dem Aufruf zur „Black Lives Matter“-Kundgebung in Innsbruck.
© Julian Warenski

Innsbruck – Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis vergangene Woche hat weltweit für Empörung gesorgt, vor allem aber eine Welle der Solidarität im Kampf gegen Rassismus ausgelöst. In zahlreichen Städten gingen Menschen auf die Straßen, um ihre Stimmen gegen Diskriminierung und Polizeigewalt zu erheben.

Nach zwei Großdemonstrationen in Wien am Donnerstag und Freitag versammelten sich am Samstag auch in Innsbruck Tausende Menschen. 500 bis 800 Teilnehmer waren von den Behörden erwartet worden – 3000 bis 5000 Menschen nahmen laut Mitorganisator Mesut Onay von der Alternativen Liste Innsbruck (ALI) schlussendlich an der Kundgebung am Landhausplatz und am anschließenden Demonstrationszug durch die Innenstadt teil. Laut Polizei versammelten sich etwa 4000 Personen am Landhausplatz.

4000 Menschen setzten am Samstag bei einer Kundgebung gegen Rassismus und 
Polizeigewalt in Innsbruck ein friedvolles Zeichen für die Vielfalt.
© Rudy De Moor

Weitere Bilder von der Kundgebung In Innsbruck:

Bilder der Anti-Rassismus-Kundgebung am Samstag in Innsbruck

1 von 39

© Fellner

© Fellner

>

"Auch bei uns müssen Menschen anderer Hautfarbe kämpfen - nicht um ihr Leben wie in den USA, aber gegen Vorurteile und für Anerkennung und Respekt", ruft Shaune Vicente am Rednerpult den Tausenden vor allem jungen Menschen zu, die zur Anti-Rassismus-Kundgebung ("Black Lives Matter") am Landhausplatz gekommen sind.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper
Bischof Hermann Glettler
: „Ich will Solidarität zeigen und sehe mich als Teil dieser Echowelle 
des Protests.“
© Rudy De Moor

Dass Rassismus nicht nur ein US-amerikanisches Problem ist, berichten Betroffene. Über Hass, verbale Gewalt, Ablehnung, Ausgrenzung und Spott erzählen ihre Lebensgeschichten. "Eiskalte Erniedrigung" musste Black-Lives-Matter-Initiator Elias Schernig in Innsbruck über sich ergehen lassen. "Die Polizei ließ mich als Jugendlicher auf der Straße in aller Öffentlichkeit alles bis auf die Unterhose ausziehen, weil sie mich verdächtigte, etwas gestohlen zu haben."

„Diskriminierung versteckt sich auch in Tirol im Alltag“

Andere mussten Vermieter kennen lernen, die in ihrer Wohnung keine Menschen dunkler Hautfarbe haben wollten, Türsteher, die keine Afroamerikaner im Club duldeten, junge Leute, die unbedingt die Brustwarze einer Afroamerikanerin sehen wollten. "Der Rassismus versteckt sich in Tirol im Alltag", sagt Tugce Sababoglu, die mit Freundin Chiara Landen zur Kundgebung gekommen ist. "Wir sind im Jahr 2020 und da ist es endlich Zeit, dass der Rassismus ein Ende hat." Auf dem Weg zum Landhausplatz wurden sie wegen ihrer Transparente von einem alten Mann beschimpft. "Die Schwarzen sind nur da, weil sie unser Essen wollen", zeigt sich Chiara bestürzt über so viel Fremdenfeindlichkeit.

Neben ihr ruft eine Gruppe "Nein zu Rassismus", es werden Transparente über die Köpfe der Menge gehoben, auf denen zu lesen ist "Menschenrechte statt rechte Menschen", "Jeder hat ein Recht auf Akzeptanz und Gleichheit" oder "Race is not a threat" ("Rasse ist keine Bedrohung").

Anti-Rassismus-Demos auch in anderen Städten

Auch in anderen Landeshauptstädten wurde demonstriert. Aus Graz wurden Zehntausend Teilnehmer gemeldet, aus Salzburg 4000. In Linz nahmen 3000 Menschen an der Aktion unter dem Motto #blacklivematters (Schwarze Leben zählen) teil, wie die Polizei mitteilte. Die Veranstalter rechneten ursprünglich mit etwa 500 Teilnehmern. Die Demonstration verlief weitgehend friedlich.

Auch in der steirischen Hauptstadt Graz kamen rund zehnmal mehr Teilnehmer – großteils Jugendliche – als ursprünglich angemeldet waren. Die Demonstration verlief ebenso wie in Salzburg weitgehend friedlich. Ähnlich wie in Wien wurde aber von nicht eingehaltenen Sicherheitsabständen berichtet. Ein Großteil der Demonstranten trug einen Mund-Nasen-Schutz.

In Klagenfurt nahmen rund 1000 Menschen an der #backlivesmatter-Demonstration teil, am Rande derer es zu einer Rangelei gekommen war, wie ORF Kärnten berichtete. Die Polizei Klagenfurt ermittle. Wie das BZÖ in einer Aussendung mitteilte, sei es im Rahmen des Protests zu einem körperlichen Angriff gegen einen der Organisatoren der Anti-Corona-Demos, der sich der Anti-Rassismus-Demonstration "friedlich" angeschlossen habe, durch die antifaschistische Gruppe Antifa gekommen.

Zehntausende protestieren in deutschen Städten

Auch in Deutschland haben am Samstag Zehntausende Menschen gegen Rassismus und Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe demonstriert. Afrodeutsche Initiativen hatten in rund 20 Städten zu den Protesten unter dem Motto "Silent Demo" aufgerufen.

📽 Video | 15.000 auf dem Alexanderplatz in Berlin

Allein in der Hamburger Innenstadt beteiligten sich an den Protesten laut Polizei etwa 14.000 Menschen, davon allein rund 6000 auf dem Rathausmarkt. "Der Alexanderplatz ist voll", schrieb die Berliner Polizei im Internetdienst Twitter. Laut Schätzungen war in Berlin von weit über 10.000 Teilnehmern die Rede. Zahlreiche Teilnehmer gab es auch bei Kundgebungen in Frankfurt, München, Köln und Stuttgart. Weitere, teils spontane Proteste gab es auch in kleineren Städten. (TT.com, TT, APA/dpa)


Kommentieren


Schlagworte