Tiroler Veranstaltungstechniker: „Der Frust in der Eventbranche ist enorm“

Trotz erster Lockerungen ist die Lage für Österreichs Eventbranche bedrohlich. Mit voller Wucht zu spüren bekommen das auch Ton- und Lichttechnik-Firmen. Zwei Tiroler Unternehmer berichten.

Statt bei Konzerten, Festivals und anderen Events zum Einsatz zu kommen, steht tonnenweise Equipment für Ton- und Lichttechnik seit Monaten ungenutzt in Tom Hoschs Lager – für das er weiter Miete zahlen muss.
© Hosch

Von Simon Hackspiel

Innsbruck – „Mir persönlich geht es gut, ich bin gesund. Aber meiner Firma geht es leider sehr schlecht“, sagt Tom Hosch. Dabei war seine Sommersaison etwa mit den Tiroler Volksschauspielen, dem Tango Festival, dem Hill Vibes Reggae Festival und vielen weiteren Events ausgebucht. Seit dem Corona-Lockdown im März befindet sich sein in Telfs ansässiges Unternehmen „Hosch tontechnik veranstaltungsservice“ aber im freien Fall.

Insgesamt sind in Österreich etwa 140.000 im Veranstaltungssektor arbeitende Personen von den Maßnahmen der Regierung betroffen. Der Frust in der gesamten Branche steigt von Tag zu Tag. Während es in Gastronomie, Hotels und einigen Kulturbetrieben wieder leicht aufwärts geht, hat sich bei der Buchungslage für Events trotz der Lockerungen kaum etwas getan. „Die neuen Bestimmungen ändern unsere Situation nicht“, so Hosch. „Wir gehen davon aus, dass bis ins Jahr 2021 hinein keine Großveranstaltungen stattfinden werden.“

Events seien mit den derzeitigen Auflagen nicht kostendeckend zu organisieren, ist der 56-Jährige überzeugt. Er fordert angemessene Entschädigungszahlungen durch die Regierung, ansonsten ist nach 23 Jahren des kontinuierlichen Wachstums seiner Firma die Krise kaum zu bewältigen.

"Riesengroßes Ökosystem vor dem Kollaps"

"Es ist ein riesengroßes Ökosystem, das hier kurz vorm Kollaps steht", warnt indes Philipp Cejnek, Geschäftsführer der Signature Group GmbH. Er vertritt die Initiative „Ohne uns“, die seit Wochen einen Runden Tisch mit Politik und Behörden fordert, um Perspektiven für die Veranstaltungsbranche zu erarbeiten – bislang ohne Erfolg. Rund 1000 heimische Unternehmen – darunter Eventagenturen, Veranstaltungstechniker, Mietmöbelfirmen, Floristen, Fotografen und Cateringfirmen – haben sich "Ohne uns" und der Partnerbewegung "Kein Event" bereits angeschlossen. Ihr Ruf nach wirksamer finanzieller Unterstützung wird immer eindringlicher.

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Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus stellt Tom Hosch nicht infrage. „Aber wir wollen, dass die Regierung Verantwortung übernimmt und uns entschädigt."
© Hosch

Dass etwa Zahlungen aus dem Härtefallfonds nur ein „Tropfen auf dem heißen Stein“ seien – wie auch viele andere Unternehmer beklagen – kann Tom Hosch bestätigen. Der seit Mitte Mai in die Wege geleitete Fixkostenzuschuss sei zudem „nicht ohne Steuerberater“ zu beantragen und auf maximal drei Monate ausgelegt. „Das hilft uns nicht."

Durch die in der Branche üblichen hohen Fixkosten etwa für Lagerflächen, aber auch durch Stundungen von Steuern und Sozialversicherungsabgaben komme es „zu einer unüberschaubaren Anhäufung von Schulden“. Überbrückungskredite seien nicht wirklich planbar und würden das Problem zudem nur vertagen.

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus stellt Hosch nicht infrage. „Aber wir wollen, dass die Regierung Verantwortung übernimmt und uns entschädigt. In der kompletten Veranstaltungsbranche ist der Frust enorm.“

Lockerungsschritte nur ein kleiner Hoffnungsschimmer

Der freischaffende Innsbrucker Tontechniker Michael Reisigl teilt diese Einschätzung. "Die meisten Dienstleister in unserer Branche sind selbstständig und die Einschränkungen treffen uns vollständig und länger als andere Wirtschaftszweige." Neben abgesagten Konzerten brechen auch zahlreiche Aufträge bei Firmenevents und im Tourismus weg. Die geschlossenen Grenzen haben zudem die Tourneen internationaler Künstler gestoppt.

"Die Lockerungsschritte sind schon ein Hoffnungsschimmer – ob allerdings der laufende Betrieb mit Publikumsbegrenzungen und Abstandsregeln rentabel sein kann, wage ich zu bezweifeln", sagt Reisigl, der mittlerweile in einer finanziell "prekären Lage" steckt. Auch für ihn sind die Entschädigungszahlungen bislang völlig unzureichend.


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