Corona-Krise löste "kleines systemisches Erdbeben" bei Hausärzten aus

190 Hausärzte in Österreich wurden zu ihren Erfahrungen in der Coronavirus-Pandemie befragt. Für 65 Prozent war die Zeit "eine große Herausforderung". Die Telemedizin bewertet der Großteil als positiv.

Insgesamt positiv sieht eine Mehrheit der befragten Ärzte verschiedene erst mit der Sars-CoV-2-Pandemie sehr schnell implementierte Verfahren, zum Beispiel der Telemedizin: 84 Prozent bezeichneten die Lockerung der Bewilligungspflichten für Medikamente etc. durch die Krankenkassen als vorteilhaft.
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Wien – Covid-19 hat – vorübergehend – die Abläufe in der Allgemeinmedizin in Österreich massiv verändert. Dies stellte für rund zwei Drittel der Hausärzte eine große Herausforderung dar. Auf der anderen Seite könnten die vermehrte Verwendung von Telemedizin und andere Neuerungen positiv sein. Dies erklärten 190 Ende Mai befragte österreichische Hausärzte in einer Umfrage.

Die Umfrage wurde von der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM) und dem Austrian Health Forum (AHF) mit dem Partner Demox Research zwischen 15. Mai und 24. Mai mit Teilnehmern aus ganz Österreich durchgeführt. Sie hätte gezeigt, "dass die Coronavirus-Pandemie ein kleines systemisches Erdbeben ausgelöst hat, das den Einsatz von Telemedizin zur Krisenbewältigung möglich gemacht hat. Die Ärzte sehen diese Entwicklung durchaus positiv", teilten die Beteiligten Institutionen am Sonntag mit.

Zwei Drittel mit Problemen bei Schutzausrüstungserwerb

Demnach war für 65 Prozent der befragten Hausärzte Covid-19 "eine große Herausforderung", für weitere 25 Prozent immerhin noch eine Herausforderung. Nur acht Prozent verneinten Schwierigkeiten. Ebenfalls 65 Prozent fanden es besonders schwierig, an die notwendige Schutzausrüstung heranzukommen (25 Prozent "eine Herausforderung", acht Prozent "keine Herausforderung").

Die Umstellung des Praxisbetriebes (z.B. auf Terminvergabe, besondere Vorsichtsmaßnahmen in Sachen Hygiene und Social Distancing) stellte für 41 Prozent eine große Herausforderung dar (45 Prozent "eine Herausforderung", 15 Prozent verneinten). Auf der anderen Seite zeigten 60 Prozent der Patienten ein gutes Verständnis für die ergriffenen Maßnahmen, 29 Prozent gaben dies als Herausforderung an, neun Prozent als große Herausforderung.

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Deutliche wirtschaftliche Konsequenzen

Für 36 Prozent der Allgemeinmediziner mit Praxis war die Nichtinanspruchnahme von ärztlichen Leistungen ein großes Problem, für 34 Prozent immerhin noch eine "Herausforderung". Dies hatte offenbar auch deutliche wirtschaftliche Konsequenzen. Die "wirtschaftlichen Einbußen" durch weniger Patientenfrequenz in den Ordinationen und weniger erbrachte verrechenbare Leistungen stellen für 42 der Befragten eine "große Herausforderung", für 34 ein Problem, 18 Prozent sehen dadurch keine Herausforderung.

Insgesamt positiv sieht eine Mehrheit der befragten Ärzte verschiedene erst mit der Sars-CoV-2-Pandemie sehr schnell implementierte Verfahren, zum Beispiel der Telemedizin: 84 Prozent bezeichneten die Lockerung der Bewilligungspflichten für Medikamente etc. durch die Krankenkassen als vorteilhaft. 77 Prozent entdeckten, dass "vieles" in den Ordinationen plötzlich auch anders als traditionellerweise funktionieren könne.

73 Prozent bezeichneten die Abrechenbarkeit telemedizinischer Betreuung als positiv, 70 Prozent die schnelle Einführung des E-Rezepts. 60 Prozent der Hausärzte wollen Patienten - wenn möglich - telemedizinisch versorgen. Zwölf Prozent hatten das auch schon vor Covid-19 getan. 24 Prozent bezeichneten die Telemedizin als "sehr positiv", 62 Prozent "eher positiv", neun Prozent schließlich "eher negativ". (APA)


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