Großes Minus bei Tiroler Kristallkonzern: Swarovski streicht Hunderte Stellen

Swarovski reagiert auf kräftige Verkaufsrückgänge: In Wattens werden fürs Erste 200 Stellen gestrichen, gobal sind es 600. Als Grund wurden die Folgen der Corona-Krise genannt.

Bei Swarovski droht eine weitere Kündigungswelle.
© Thomas Böhm

Wattens – Schon vorher hatte Swarovski kräftige Kürzungen angekündigt, jetzt hat die Corona-Krise den internationalen Markt für Luxusgüter noch zusätzlich schwer getroffen. Auch der Tiroler Kristallkonzern Swarovski musste im ersten Halbjahr 2020 massive Absatzrückgänge verzeichnen - und reagiert jetzt mit einem massiven Sparprogramm und einem Umbau des Konzerns.

"125 Jahre nach der Unternehmensgründung ist es wichtiger denn je, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen, Ressourcen zu bündeln sowie uns effizienter aufzustellen. Eine Notwendigkeit, die jetzt durch die Corona-Krise noch weiter verstärkt wird", sagt Robert Buchbauer, der Anfang April CEO und Vorsitzender der Geschäftsführung und damit des operativen Geschäfts wurde (Markus Langes-Swarovski ist seither Vorsitzender des Beirats). Die geplante Transformation sei "für den erfolgreichen Weiterbestand von Swarovski essenziell. Dabei wird es auch zu schmerzhaften Einschnitten kommen", so Buchbauer.

Swarovski werde sich neu ausrichten und die bestehenden Organisationsstrukturen und das Geschäftsmodell grundlegend ändern. Aktuell werden dazu laut Buchbauer weltweit sämtliche Geschäftsprozesse und -felder überprüft.

In einem ersten Schritt sollen die bisher auf verschiedene Geschäftsbereiche verteilten Marketing- und Vertriebsaktivitäten zusammengeführt und verschlankt werden. Vom Abbau betroffen seien vorerst 200 Mitarbeiter am Standort Wattens und 600 global. In der Produktion in Wattens wurde die Kurzarbeit, wie berichtet, bis Ende September verlängert. Insgesamt sind in Wattens 4800 Mitarbeiter beschäftigt.

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"In unserer Verantwortung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen wir in den nächsten Wochen und Monaten sehr transparent den neuen Weg und die Veränderungen aufzeigen", betont der Swarovski-Chef. "Wir wollen dabei möglichst viele Menschen mitnehmen."

Im Herbst möchte Buchbauer weitere konkrete Zahlen zum geplanten Abbau nennen: "Dann lässt sich auch besser abschätzen, wie sich der Markt erholt bzw. entwickelt." Zwischen Dezember und Mai sei die Nachfrage auf den großen Absatzmärkten in Asien und den USA deutlich eingebrochen. Das Unternehmen rechnet mit einer langsamen Rückkehr aus dem tiefen Corona-bedingten Einbruch und einem deutlichen Umsatzrückgang für 2020. Im Vorjahr war der Umsatz in der Kristallsparte bei 2,7 Mrd. Euro stagniert. Ursprünglich hatte man ein Plus von 4 bis 5 Prozent eingeplant. (va)

Gewerkschaft kritisiert Stellenabbau

Die Gewerkschaft PRO-GE kritisiert den angekündigten geplanten Stellenabbau von 200 Mitarbeitern in Wattens scharf. "Es ist für uns moralisch und sozialpolitisch absolut nicht nachvollziehbar, dass auf der einen Seite Kurzarbeitsgelder bezogen werden und auf der anderen Seite Stellen abgebaut werden", sagte Robert Koschin, Geschäftsführer der Gewerkschaft PRO-GE Tirol.

"Zuerst werden Steuergelder kassiert und dann so schnell wie möglich Leute auf die Straße gesetzt", so Koschin weiter. Es gebe eine gesellschaftspolitische Verantwortung gegenüber den Arbeitnehmern. "Swarovski kommt dieser Verantwortung leider schon lange nicht mehr nach", fügte der PRO-GE-Geschäftsführer hinzu. Den betroffenen Mitarbeitern sicherte die Gewerkschaft "vollste Unterstützung" zu.


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