Horror-Show statt Showturnier: Auch Djokovic mit Coronavirus infiziert

Der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic wurde als vierter Spieler der Adria-Tour positiv auf das Coronavirus getestet. Andy Murray spart nicht mit Kritik am Serben.

Am 12. Juni war bei der Adria-Tour noch gute Laune angesagt: Inzwischen sind Djokovic (2.v.l.) und Dimitrov (2.v.r.) positiv getestet worden, Zverev und Thiem (r.) lieferten negative Tests ab.
© Predrag Milosavljevic via www.imago-images.de

Wien/Belgrad - Novak Djokovic ist nicht mit dem blauen Auge davongekommen. Im Gegenteil: Der Weltranglistenerste hat sich wie (bisher) drei weitere Spieler bei der von ihm mitorganisierten Adria-Tour der Tennisprofis mit dem Coronavirus infiziert. Fehlende Hygienebestimmungen und ein scheinbar sorgloser Umgang mit der Corona-Pandemie hatte den Serben in den vergangenen Tagen viel und harsche Kritik eingebracht.

Nach seiner Rückkehr in Belgrad habe er sich testen lassen, berichtete Djokovic am Dienstag in einer Erklärung. Er hatte vergangene Woche in Zadar auch das zweite Turnier der Adria-Tour gespielt. "Mein Ergebnis ist positiv, genau wie das von Jelena (Ehefrau/Anm.), während die Ergebnisse unserer Kinder negativ sind", gab Djokovic bekannt, der schrieb, keine Symptome zu haben. "Jeder einzelne Infektionsfall tut mir sehr leid. Ich hoffe, dass dies von niemanden die gesundheitliche Situation verkompliziert, und es jedem wieder gut gehen wird. Ich werde die nächsten 14 Tage in Selbstisolation bleiben und den Test in fünf Tagen wiederholen."

Die Einsicht von Djokovic kommt zu spät: Zuvor waren auf Spielerseite bereits der Bulgare Grigor Dimitrow und der Kroate Borna Coric positiv getestet worden, ebenso wie der Serbe Viktor Troicki. Dieser hatte am Montagabend über eine serbische Nachrichtenagentur erklärt, dass zunächst bei seiner Frau und dann bei ihm das Virus entdeckt worden waren. Der 34-Jährige hatte auf der ersten Station in Belgrad gespielt, beim Event im kroatischen Zadar war er nicht mehr dabei. Dominic Thiem, der ebenfalls bei dem mit 4.000 Zuschauern ausverkauften Charity-Event in Belgrad gespielt und dieses gewonnen hatte, gab mittlerweile drei negative Covid-19-Tests ab.

Dimitrow-Manager Georgi Stoimenow hat derweil Versäumnisse eingeräumt. "Wir waren nicht so diszipliniert, wie es sein musste", sagte er dem bulgarischen Fernsehsender bTV. Dem 29-jährigen Bulgaren gehe es nun gut und er erhole sich allmählich. "Gestern hatte er keine der Symptome mehr, die er zuvor hatte." Dimitrow hatte nach dem Turnier Bulgarien besucht, in seiner Geburtsstadt Haskowo werden nun alle Kontaktpersonen auf das Coronavirus getestet - auch viele Kinder, mit denen er sich dort fotografieren ließ. 19 Menschen wurden nach einem Bericht des bulgarischen Staatsradios unter Quarantäne gestellt.

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Djordje Djokovic, Bruder von Novak und Eventdirektor des Belgrader Turniers, sprach gegenüber dem serbischen Prva Televison von einem "worst case scenario". "Rund 100 Menschen sind getestet worden und es hat mich schwer getroffen, dass einige positiv zurückgekommen sind", sagte Djordje Djokovic. Darunter auch jene von Djokovic-Trainer Marco Panichi und Dimitrow-Coach Christian Groh. Die weiteren Stationen der Tour wurden abgesagt. Was anfangs als Show und als lebensfroher Neu-Neubeginn gedacht war, wurde wegen Missachtung von Abstandsregeln und wegen fehlender Hygienemaßnahmen längst zur Horrorshow.

Murray-Kritik an Djokovic

Angesichts der laxen Hygienemaßnahmen und Fotos feiernder Tennisprofis mit freiem Oberkörper erinnerte Wimbledonsieger Andy Murray seine Kollegen an ihre Vorbildfunktion. Die einstige Nummer eins der Welt aus Großbritannien sagte der britischen Tageszeitung "The Times": "Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu Novak. In der Nachbetrachtung macht das, was da passiert ist, aber keinen guten Eindruck." Er hoffe, dass man daraus lerne. "Weil letztendlich wird die ATP-Tour nicht zurückkommen, wenn wir jede Woche Probleme haben und die Spieler machen, was sie wollen." Der zweifache Olympiasieger wird in dieser Woche bei einem Showkampf-Turnier in England erstmals seit sieben Monaten wieder ein Match bestreiten.

Seine Teilnahme an den vom 31. August in New York geplanten US Open machte Murray auch von den dortigen Hygienemaßnahmen abhängig. "Für mich ist eines der wichtigsten Themen, wie sie die "Blase" rund um das Turnier kontrollieren", schrieb der 33-Jährige in einer Kolumne für den britischen Sender BBC. Alle Spieler sollen in einem Flughafen-Hotel oder in Häusern in dessen Nähe untergebracht und ständig auf das Virus getestet werden. Zudem soll der Betreuerstab der Profis deutlich reduziert werden. Djokovic hatte diese Maßnahmen als extrem bezeichnet und seine Teilnahme offen gelassen.

"Enorme Unverantwortlichkeit und große Unreife"

Der ATP-Vorsitzende Andrea Gaudenzi aus Italien hofft auf einen Lerneffekt aus den Vorkommnissen und einer größeren Akzeptanz dieser Blase. Der 46-Jährige erinnerte in der "New York Times" zwar daran, dass auch trotz extremer Maßnahmen Coronafälle auftreten könnten. Gaudenzi erklärte aber auch, allen Teilnehmern privater Turniere sei die Einhaltung angemessener Maßnahmen und der Abstandsregeln empfohlen worden.

Als "Horror-Show" fasste der brasilianische Profi Bruno Soares das Geschehen zusammen. Der Doppel-Spezialist ist Mitglied im ATP-Spielerrat, dessen Präsident Djokovic ist. "Enorme Unverantwortlichkeit und große Unreife. Sie waren total sorglos, und es ist schwer für mich, dafür Worte zu finden", sagte Soares im brasilianischen Sender GloboEsporte. (APA/dpa/Reuters)


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