Gewerkschaft: Tiroler Tourismus handelt verantwortungslos

Die Gewerkschaft vida kritisiert die Tiroler Touristiker heftig. Sie wirft den Verantwortlichen Profitgier und Verantwortungslosigkeit vor.

Über 18.000 Arbeitslose gibt es laut vida derzeit in der Branche.
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Wien, Innsbruck – Die neuesten Arbeitsmarktdaten im Tourismus zeigen: mit 46,4 Prozent verzeichnet Tirol den mit großem Abstand höchsten Rückgang an Beschäftigten im Tourismus. In keinem anderen Bundesland wurde so enorm auf Kündigungen gesetzt, schreibt die vida in einer Aussendung am Mittwoch. Die Gewerkschaft fürchtet, dass Tirol damit den anderen Bundesländern deutlich hinterherhinken wird.

„Anstatt mittels Kurzarbeit auf treue Beschäftigte zu bauen, haben die Tiroler Tourismus-Verantwortlichen offenbar nur ihre eigene Profitgier im Kopf. Das ist unverantwortlich gegenüber unserem Bundesland“, kritisiert Tirols vida-Vorsitzender Herbert Frank. Er verweist auf die aktuellen Fremdenverkehrsdaten des AMS: Tirol verzeichne derzeit 46 Prozent weniger Beschäftigte im Tourismus als im vergangenen Jahr. Jede fünfte Kündigung im österreichischen Tourismus sei in Tirol ausgesprochen worden. Über 18.000 Arbeitslose gäbe es derzeit in der Branche.

„Tirol hat sich vor Verantwortung gedrückt“

Offensichtlich seien sich außerhalb Tirols die Arbeitgeber ihrer Verantwortung gegenüber den Beschäftigten viel mehr bewusst gewesen und hätten wesentlich häufiger auf das Kurzarbeitsmodell zurückgegriffen. „Das bedeutet, dass viel mehr Beschäftigte in den Betrieben gehalten werden konnten und nicht in die Existenzbedrohung Arbeitslosigkeit abgeschoben wurden“, so vida-Sekretär Emanuel Straka. Dies führe dazu, dass jetzt, da sich die Schranken wieder öffnen würden und auch der Fremdenverkehr langsam und endlich wieder an Fahrt aufnehme, andere Bundesländer gegenüber Tirol einen entscheidenden Startvorteil hätten.

Hausgemachte Imagekrise

„Der Tiroler Tourismus schlittert durch sein Verhalten nach der Gesundheits- und Wirtschaftskrise in eine Imagekrise, die sich gewaschen hat“, meint Straka weiter. Mitarbeiter, die in den nächsten Monaten wieder dringend gebraucht werden, würden sich ganz genau überlegen, ob sie wieder in Betriebe gehen, die sie bewusst nicht fair behandelt hätten, befürchtet Straka eine Verschärfung des ohnehin schon eklatanten Personalmangels.

In vielen Beratungsgesprächen hätten Mitglieder erzählt, dass sie enttäuscht von den Arbeitgebern seien, für die sie teilweise schon lange gearbeitet haben und nun von einen Tag auf den anderen vor die Tür gesetzt wurden. Viele wollen nie wieder in diese Branche zurück. Niemand habe Schuld an der Corona-Krise, aber die Image-Krise sei hausgemacht. (TT.com)


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