„Völlige Fehlentscheidung": Popbranche übt scharfe Kritik an neuen Lockerungen

Ein zentrales Problem für Veranstalter ist, dass sich die neuen Möglichkeiten nur auf Sitzplatzveranstaltungen beziehen. Auch im Herbst sind so vielen noch die Hände gebunden.

Symbolbild.
© HRDIJANG

Wien – Wenig Freude haben Veranstalter von Popkonzerten mit den für Herbst in Aussicht gestellten Veranstaltungslockerungen der Bundesregierung. „Für uns ist das eine völlige Fehlentscheidung", meinte Ewald Tatar von Barracuda Music, verantwortlich für Konzerte und Festivals wie das Nova Rock. Zentrales Problem sei, dass sich die neuen Möglichkeiten weiterhin nur auf Sitzplatzveranstaltungen beziehen.

„Das gibt für uns keinerlei Planungssicherheit her", bekräftigte Tatar im Gespräch mit der APA. „Es ist ein absoluter Schwachsinn, was man da in unsere Richtung entschieden hat", verwies er auf die Besuchergrenzen von 5000 indoor respektive 10.000 outdoor, die jeweils zugewiesene Sitzplätze vorfinden müssen. „Außerdem weiß man schon wieder nicht, wie lange das gilt, wir haben ja kein Enddatum gehört."

Auch im Herbst „100 Prozent Ausfall"

Unabhängig davon bedeute die Regelung „für uns auch im Herbst 100 Prozent Ausfall", so der Konzertveranstalter. „Wir können kein Stehplatzkonzert, das so geplant war, plötzlich zu seinem Sitzplatzkonzert mit Abstandsregeln und was auch immer machen. Offenbar war die Politik noch nie bei einem Stehplatzkonzert, denn sonst kann ich mir nicht erklären, wie man das nun entscheiden kann."

Offenbar war die Politik noch nie bei einem Stehplatzkonzert, denn sonst kann ich mir nicht erklären, wie man das nun entscheiden kann.
Ewald Tatar

Ähnlich argumentierte man bei Arcadia Live. Man habe die heutige Pressekonferenz „lange herbeigesehnt und aufmerksam verfolgt". Für manche Veranstalter mögen die präsentierten Regelungen eine Erleichterung bringen, „für uns und unser Tätigkeitsfeld ändert sich jedoch nicht wirklich etwas", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA. Die Sitzplatzregelungen „tangieren unseren eigenen Veranstaltungskalender – und vermutlich auch jenen vieler KollegInnen im Bereich der 'zeitgenössischen Unterhaltungsmusik' – deshalb kaum bis gar nicht".

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Eine wirkliche Perspektive für größere Konzerte im Herbst und Winter gebe es daher auch nicht. „Wir warten weiterhin auf konkrete Ansagen zu Stehplatzkonzerten und können dazu erst etwas sagen, sobald es entsprechende Überlegungen und Regularien seitens der zuständigen Behörden gibt", so Arcadia Live. Gleichzeitig erklärte man, bereits an allen nötigen Sicherheitskonzepten zu arbeiten. „Sobald wir eine Möglichkeit für unsere Veranstaltungen sehen, werden wir natürlich all das umsetzen." (APA)


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