"Stopp Corona"-App seit heute mit automatischem Handshake

Eine aktualisierte Version der österreichischen Corona-Warn-App kann nun auch auf Smartphones aus anderen Ländern heruntergeladen werden. Künftig werden mit dem digitalen Handshake Kontakte automatisch gespeichert. Allerdings läuft der Start der neuen Version nicht ohne Probleme ab.

Die App ist in einer aktualisierten Version erhältlich.
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Wien – Seit Freitag ist eine aktualisierte Version der "Stopp Corona"-App des Österreichischen Roten Kreuzes in den Stores verfügbar. Der automatische digitale Handshake funktioniert nach dem Update nun auf allen Geräten mit den Mobil-Betriebssystemen iOS (Apple) und Android (Google). Außerdem kann die App nunmehr auch auf Smartphones aus anderen Ländern heruntergeladen werden.

Allerdings läuft der Start der neuen Version der "Stopp Corona"-App des Österreichischen Roten Kreuzes nicht ohne Probleme ab. Auf Android-Geräten – und damit auf dem Großteil der Handys in Österreich - muss die Anwendung deinstalliert und neu installiert werden, um sie korrekt zum Laufen zu bringen. Andernfalls stürzt die aktualisierte Version laufend ab, räumten die Verantwortlichen am Freitag ein.

Die deutsche Corona-Warn-App bereits von mehr als 15 Prozent der Menschen im Nachbarland verwendet werden – die Downloadzahl lag am Mittwoch bereits bei 13 Millionen – haben die Österreicher bisher kein allzu großes Interesse an der heimischen App. 680.000 Menschen haben sie bisher heruntergeladen, als aktive Nutzer gelten laut Schätzungen des Roten Kreuzes rund die Hälfte.

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Kontakte werden automatisch gespeichert

Künftig werden mit dem digitalen Handshake Kontakte automatisch gespeichert. Die App verwendet dafür die neuen Schnittstellen, die Apple und Google kürzlich zur Verfügung gestellt haben. Österreich gehört damit zu den ersten Ländern in Europa, das über eine voll funktionsfähige App verfügt, die den Vorgaben des "Privacy-Preserving Contact-Tracing" entspricht und damit eine Unterbrechung von Infektionsketten unter strenger Wahrung der Privatsphäre ermöglicht, hieß es in einer Aussendung. Nutzer müssen ihre Kontakte nicht mehr manuell speichern - das war bisher der Fall. Nutzer erhielten automatisch Codes - bestehend aus einem Tiernamen und zwei Ziffern zugewiesen - Stier68 konnte somit Reh75 als Kontakt hinzufügen. Das Kontakttagebuch gehört nunmehr der Vergangenheit an.

Der automatische digitale Handshake zwischen Geräten mit aktivierter Stopp Corona-App funktioniert nun auf allen Smartphones mit den Betriebssystemen Android (ab Version 6 mit Bluetooth Low Energy - BLE) von Google und iOS (ab Version 13.5) von Apple. Dazu muss auf dem Smartphone Bluetooth und der Zugriff auf die Schnittstelle des Betriebssystems aktiviert sein, Standortdaten werden nicht erfasst. Die App läuft danach im Hintergrund und funktioniert auch im Energiesparmodus, muss dazu aber von der Akku-Optimierung des Herstellers ausgenommen sein. Sie protokolliert Begegnungen mit anderen Mobiltelefonen mit, diese werden jedoch aus Gründen des Datenschutzes nicht mehr angezeigt. Auch ein manueller Handshake ist nicht mehr verfügbar.

Speichert Begegnungen zwischen Personen, die App nutzen

Gespeichert werden Begegnungen zwischen Personen, die die App nutzen und deren Handys für mindestens 15 Minuten weniger als zwei Meter von einander entfernt sind. Die Kontakte werden dabei anonym lokal auf den Smartphones gespeichert und nirgends zentral erfasst. Sie sind nicht einmal auf den Geräten der einzelnen Personen einsehbar. Die Aufzeichnung von Begegnungen erfolgt nun mittels rotierender Schlüssel, die alle 15 Minuten geändert werden. Da die gespeicherten Kontakte nicht einmal mehr codiert angezeigt werden, wissen die Benutzer der App nicht, ob das Gerät in den vergangenen zwei Tagen Begegnungen registriert hat oder nicht.

Sobald bei einer Person der Verdacht auf eine Infektion besteht, berechnet die App alle infektionsgefährdeten Begegnungen der letzten 54 Stunden und erzeugt eine Warnmeldung, damit diese Kontakte sich vorsorglich selbst isolieren können. Auch diese Warnung ist anonym, die Benachrichtigten wissen nicht, welcher ihrer Kontakte erkrankt sein könnte. Sofern keine Warnung aktiv ist, werden erfasste Kontakte nach Ablauf von zwei Wochen wieder automatisch gelöscht.

Von Datenschutz-Organisationen geprüft

Die Stopp Corona-App war zuvor bereits von verschiedenen Datenschutz-Organisationen im Hinblick auf die Verschlüsselung und anonyme lokale Speicherung der Kontakte eingehend geprüft worden und gilt als Vorzeigelösung von "Privacy by design". Der Quellcode der App ist Free Open Source und kann von Github abgerufen werden. Mit dem aktuellen Update wurden alle technischen Empfehlungen der NGOs umgesetzt.

Ab sofort kann die heimische "Stopp Corona"-App auch auf Geräte aus anderen Ländern heruntergeladen werden, die Länderbeschränkung wurde weltweit aufgehoben. Damit können Gäste, die eine Reise nach Österreich planen, die App bereits von Zuhause aus installieren. Denn die bisherigen Corona-Apps der einzelnen Länder sind noch nicht miteinander kompatibel.

"Der große Vorteil der App ist der Zeitgewinn: Die zweite Person wird informiert, bevor sie selbst Symptome hat und unbemerkt Familienmitglieder, Freunde und Arbeitskollegen ansteckt", betonte Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des Roten Kreuz. Auch unbekannte Personen, die man getroffen hat, wie etwa Sitznachbarn im Zug oder Kino, können durch die App-Nutzung benachrichtigt werden. "Jede Übertragung des Virus, die mithilfe der App verhindert werden kann, ist ein Gewinn", so Foitik. Die App ist umso wirksamer, desto mehr Menschen sie auch verwenden, sagte Foitik.

Probleme auf Android-Geräten

Dass das Update auf Geräten mit dem Google-Betriebssystem "Android" allerdings eine De- und Neuinstallation der App notwendig macht, erwähnten die Zuständigen erst auf Nachfrage eines Journalisten. "Es steht leider nicht in unserer Macht, das zu verändern", hieß es seitens der Entwickler-Firma Accenture.

Foitik betonte, dass man an einer Weiterentwicklung arbeite und dafür eine möglichst breite Zivilgesellschaftsplattform ins Leben rufen wolle. Sozialpartner, Parteien oder Interessensvertreter wie etwa der Behindertenrat sollen mitreden. Die konstituierende Sitzung ist für den 7. Juli vorgesehen.

Michael Zettel von Accenture nannte auch die weltweite Interoperabilität als Ziel. Dafür brauche es aber eine Einigung auf internationale Standards. Der derzeitige Release sei immerhin eine "ganz wesentliche Zwischenlösung". Sein Kollege Christian Winkelhofer nannte die Adaption der Sensibilität der App je nach Gefährdungslage und Weiterentwicklungen mit der Open Source Community als weitere Schritte. (TT.com, APA)


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