Diskussion um Herkunftskennzeichnung von Fleisch in Tirol entbrannt

Grüne und Landwirtschaftskammer sprachen sich für eine rasche Umsetzung der Kennzeichnungspflicht von Fleisch in der Gastronomie aus, die Wirtschaftskammer hielt sich zurück.

Frisch geschlachtete Schweine hängen in einem Kühlhaus des deutschen Fleischunternehmens Tönnies.
© dpa/Thissen

Innsbruck – Nachdem bekannt wurde, dass die Supermarktkette MPreis mit Sitz in Völs in Tirol in seiner Alpenmetzgerei Fleisch des deutschen Konzerns Tönnies für die Wurstproduktion verwendet hat, ist nun in Tirol eine Diskussion um die Kennzeichnungspflicht von Fleisch in der Gastronomie entbrannt. Grüne und Landwirtschaftskammer sprachen sich dafür aus, die Wirtschaftskammer hielt sich zurück.

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Während Josef Hackl, Obmann der Sparte Tourismus, sich aufgrund „unzumutbaren bürokratischen Aufwandes" vehement gegen eine Kennzeichnungspflicht in der Gastronomie stark machte, zeigte sich Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser gesprächsbereit. Wenn im Gegenzug die Ausweisungspflicht für Allergene wegfallen würde, könne man über die Herkunftskennzeichnung diskutieren. „mutige Schritte"

Grüne und Landwirtschaftskammer wollen die Kennzeichnungspflicht so schnell wie möglich umgesetzt wissen. „Alle reden in der Krise von Regionalität. Wir sollten nicht nur darüber reden, sondern mutige Schritte setzen und geschlossen auf die Bundesregierung einwirken", appellierte Landwirtschaftssprecher Georg Kaltschmid (Grüne) am Freitag in einer Aussendung. Dieser Schritt in der Gastronomie würde die heimischen Landwirte und das Bewusstsein für heimische Kost stärken. „Und auch der Verkehr wird in Summe reduziert, wenn das Fleisch von LandwirtInnen oder der Metzgerei aus der Umgebung kommt, statt das Fleisch aus Ungarn oder Holland herzukarren", argumentierte er.

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Der in Tirol zuständige Agrarlandesrat Josef Geisler (ÖVP) meinte, dass die Einführung dieser Pflicht „von heute auf morgen zu verordnen ohne die Betroffenen mitzunehmen" der falsche Weg sei. „Machen wir den ersten Schritt und führen wir die Herkunftskennzeichnung erst einmal in der öffentlichen Verpflegung ein", sagte Geisler.

Hechenberger (ÖVP) will mehr „Klarheit beim Lebensmittelkauf"

Auch Tirols Landwirtschaftskammerpräsident und Nationalratsabgeordneter Josef Hechenberger (ÖVP) will mehr „Klarheit beim Lebensmittelkauf" und zeigte prinzipielles Unverständnis über den Zukauf von Fleisch aus dem Ausland: „Wir haben in Österreich eine hundertprozentige Eigenversorgung mit Schweinefleisch. Trotzdem kommt es zu Importen", klagte er. Zudem sind Hechenberger EU-weite Regeln ein Dorn im Auge, die zu viel Spielraum lassen: „Produktnamen und Verpackungen suggerieren oft eine regionale Herkunft der Zutaten. Diese Täuschungen dürfen künftig nicht mehr möglich sein". (APA)


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