„Krisenerprobt“: Plansee trotz Minus optimistisch

Internationale Turbulenzen und die Corona-Krise treffen auch die Plansee-Gruppe. Man sei für die Zukunft aber trotzdem bestens gerüstet.

Plansee-Werk in Breitenwang.
© Plansee

Von Alois Vahrner

Reutte – Handelskonflikte, Brexit und eine durch die Corona-Pandemie ausgelöste globale tiefe Rezession, vor allem auch in Schlüsselbranchen wie der Autoindustrie und dem Maschinenbau: Das äußerst schwierige Umfeld ließ im letzten Geschäftsjahr (bis Ende Februar) den Umsatz der auf Hochleistungswerkstoffe spezialisierten Plansee-Gruppe mit Stammsitz in Breitenwang bei Reutte um 10 Prozent von 1,52 auf 1,38 Mrd. Euro schmelzen. Und im laufenden Geschäftsjahr könnte es nochmals um 10 bis 20 Prozent nach unten gehen, betonten Vorstandssprecher Karlheinz Wex und Wolfgang Köck (der Steirer ist seit 30 Jahren bei Plansee und folgte mit 1. Juli dem in Pension gegangenen Bernhard Schretter nach).

Investiert hat Plansee mit seinen weltweit über 50 Produktionen und Vertriebsstandorten trotzdem kräftig, so Wex. In Anlagen und Infrastruktur flossen 206 Mio. Euro, in die Forschung und Entwicklung 68 Mio. Euro. In vielen Bereichen sei man global nicht nur unter den Top 3, sondern Weltmarktführer. Insgesamt habe die Gruppe 75.000 verschiedene Produkte im Sortiment, der Umsatzanteil der Neuprodukte (in den letzten fünf Jahren entwickelt) sei von 29 auf 31 Prozent gestiegen. Auch finanziell steht Plansee kurz vor dem 100-Jahr-Jubiläum (gegründet am 21. Juni 1921) bärenstark da: Die Eigenkapitalquote stieg von 58 auf 61 Prozent.

Man ist jedenfalls laut Wex für die Bewältigung der Corona-Krise gut gerüstet. "Wir fahren auf Sicht." Man sei aber "krisenerprobt" und aus vorangegangenen Krisen wie den Golf-Kriegen, der Dotcom-Blase und der Finanzkrise stets gestärkt hervorgegangen. Das sollte auch nach Corona so sein. "Unsere Produktpalette, Innovationskraft und unsere Mitarbeiter sind dabei sehr wichtig."

Köck glaubt, dass es bereits heuer in der zweiten Jahreshälfte eine leichte Erholung geben wird, eine größere dann nächstes Jahr. Das alles sei aber unter dem Vorbehalt zu betrachten, dass es keine "zweite Corona-Welle" gebe. Sehr gut laufe es etwa in der Halbleiterindustrie oder dem Medizintechnik-Bereich.

Der globale Mitarbeiterstand reduziert sich trotz der Umsatzeinbußen verhältnismäßig moderat von 7979 auf 7606, in Breitenwang von etwa 2483 auf 2368. In der Corona-Krise habe man alles unternommen, um die Mitarbeiter vor Ansteckung zu schützen und trotzdem die Produktion an allen Standorten weltweit am Laufen zu halten. Zeitweise waren Produktionen zwar geschlossen, in Breitenwang ist ein Teil noch in Kurzarbeit. Die Liefertreue sei aber eingehalten worden, so Wex. "Die Bauteile und Werkzeuge von Plansee stellen sicher, dass Strom fließt, dass Röntgengeräte funktionieren, dass Lebensmittel und Medizinprodukte hygienisch einwandfrei in Glas verpackt werden können und dass Handys funktionieren." Offen ließ Wex, wie sich der Personalstand nach dem Sommer weiterentwickeln wird. "Das wird sich dann herausstellen."

Auch am Standort Breitenwang wird weiter kräftig investiert. Ceratizit baut ein riesiges Werk, das 2023/24 in Betrieb gehen soll. Gebaut wird auch eine neue Sinterei, im September soll eine elf Mio. Euro teure und 3300 Quadratmeter große Lehrwerkstatt (in Holzbauweise) eröffnet werden. Bis zu 60 Lehrlinge sollen aufgenommen werden, über vier Jahrgänge haben 240 Jugendliche Platz. Partner ist Plansee auch bei der neuen HTL. Der Bezirk Reutte habe den höchsten Industrieanteil in Tirol, bisher aber als einziger keine eigene HTL gehabt.


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