SPÖ-Chefin Rendi-Wagner rührt Werbetrommel für Vier-Tage-Woche

Für SPÖ-Klubobfrau Pamela Rendi-Wagner ist die Vier-Tage-Woche eine Win-Win-Win-Frage, auch Unternehmer und der Staat würden profitieren. Klar dagegen hat sich WK-Generalsekretär Karlheinz Kopf ausgesprochen.

SPÖ-Klubobfrau Pamela Rendi-Wagner
© APA

Wien – SPÖ-Klubobfrau Pamela Rendi-Wagner hat heute die Werbetrommel für die 4-Tage-Woche gerührt. Diese sei eine "Win-Win-Win-Situation" für Arbeitnehmer, Unternehmer und Staat - und koste nur ein Fünftel der jetzigen Kurzarbeit. Nun gelte es, "mutig zu denken und ideologische Scheuklappen abzulegen", so Rendi-Wagner am Freitag vor Journalisten.

Derzeit würden 50.000 offene Stellen auf 500.000 Arbeitslose kommen, wenn die Kurzarbeit auslaufe, drohe eine Kündigungswelle. "Wir wollen ein nachhaltiges Modell", betonte Rendi-Wagner und ergänzte in Richtung der Arbeitgebervertreter: "Ein reflexartiges Nein ist nicht der richtige Weg aus dieser schweren Krise."

"Teilzeit ist weiblich, Überstunden sind männlich."

Die Kritik von Wirtschaftskammer-Chef Harald Mahrer erklärt sie sich damit, dass dieser sich das SPÖ-Modell wohl nicht genau angesehen habe. Und Rendi-Wagner erinnerte an die ungleiche Verteilung der Arbeit: "Teilzeit ist weiblich, Überstunden sind männlich." Nun seien die Sozialpartner gefordert, die Gewerkschaft stehe jedenfalls hinter der Vier-Tage-Woche. Die Möglichkeit der Kurzarbeit solle weiter bestehen.

Und so sieht das SPÖ-Modell aus: Die Arbeitszeit wird für vorerst drei Jahre um 20 Prozent verringert. Ein Drittel der Kosten trägt der Betrieb, ein Drittel das AMS und der Arbeitnehmer bekommt um fünf Prozent seines Nettogehaltes weniger. Die Arbeitgeber sollen sich dadurch 15 Prozent der Lohnkosten ersparen – bei gleichzeitig steigender Produktivität.

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Der Staat wiederum hätte weniger Ausgaben für Arbeitslosigkeit und Mehreinnahmen durch eine höhere Beschäftigungsrate. Die Nettokosten für die öffentliche Hand würden pro einer Million Teilnehmer am Vier-Tage-Modell bei netto 1,14 Milliarden Euro liegen. Die Kurzarbeit koste derzeit rund sechs Milliarden Euro, rechnete die Bundesparteivorsitzende vor.

"Arbeitszeitverkürzung schafft keine neuen Jobs"

Erwartungsgemäß ablehnend zeigte sich heute die Wirtschaftskammer (WKÖ) zum erneuten SPÖ-Vorstoß für eine 4-Tage-Woche. "Es ist nicht das erste Mal, dass manche steigende Arbeitslosigkeit zum Anlass nehmen, um nach Arbeitszeitverkürzung zu rufen. Das erscheint auf den ersten Blick als einfache Lösung. In der Praxis allerdings geht diese Rechnung nicht auf", sagt WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf.

Während SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner auf der Pressekonferenz auf positive Erfahrungen in Frankreich mit der dortigen 35-Stunden-Woche verwies, ist für Kopf das französische Modell ein Beispiel, wie es nicht funktioniert. "Anstatt der Anzahl der Jobs sind vor allem die Überstunden gestiegen", betonte er am Freitag in einer Aussendung. (APA, TT.com)


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