US-Behörde verdonnert Deutsche Bank zu 150 Millionen Dollar Strafe

Inmitten des schwierigen Konzernumbaus verhängt die New Yorker Bankenaufsicht eine Strafe von 150 Millionen Dollar. Dabei geht es auch um Geschäfte mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.

U_kfZVVmXqS_v9KSPJivJe3aQM4.jpg
© Reuters

Frankfurt – Die New Yorker Bankenaufsicht hat die Deutsche Bank wegen mehrerer Verfehlungen zu einer Strafe von 150 Millionen Dollar (132,45 Mio. Euro) verdonnert. Zum einen gehe es um die Beziehungen der Bank zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, teilte das New Yorker Department of Financial Services (DFS) am Dienstag mit.

Zum anderen um die Korrespondenzbanken-Beziehungen der Deutschen Bank zur Danske Bank und zur FBME Bank. "Die Einigung spiegelt zwar unsere vorbehaltlose und transparente Zusammenarbeit mit unserer Regulierungsbehörde wider, zeigt aber auch, wie wichtig es ist, weiterhin in unsere Kontrollen zu investieren und unsere Fähigkeiten zur Bekämpfung von Finanzkriminalität zu verbessern", erklärte Deutschlands größtes Geldhaus.

Verdächtige Zahlungen in der Höhe von 200 Milliarden Euro

Die New Yorker Behörde erklärte, die Strafe gegen die Deutsche Bank sei die erste gegen ein Geldhaus wegen ihrer Beziehungen zu Jeffrey Epstein.
© AFP

Der 63-jährige Epstein hatte sich im vergangenen Jahr in Untersuchungshaft das Leben genommen, nachdem er wegen erneuter Vorwürfe des Kindesmissbrauchs festgenommen worden war. Bereits 2008 hatte sich der Hedgefonds-Manager wegen der erzwungenen Prostitution einer Minderjährigen schuldig bekannt und erhielt dafür eine 18-monatige Haftstrafe. Die New Yorker Behörde erklärte, die Strafe gegen die Deutsche Bank sei die erste gegen ein Geldhaus wegen ihrer Beziehungen zu Epstein. Auch andere Institute sind deswegen ins Visier der Behörden geraten.

Die Danske Bank wiederum steht im Zentrum eines der weltgrößten Geldwäscheskandale. Die Deutsche Bank war jahrelang als Korrespondenzbank für das dänische Geldhaus tätig. Über die Filiale der Danske Bank in Estland waren in den Jahren 2007 bis 2015 verdächtige Zahlungen in einem Volumen von 200 Milliarden Euro gelaufen.

TT-ePaper gratis testen und eines von drei E-Bikes gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt mitmachen
TT ePaper

Radikalumbau in schwierigen Zeiten

Nach einer Serie von Verlustjahren will die Deutsche Bank endlich wieder schwarze Zahlen schreiben. Trotz eines tiefgreifenden Konzernumbaus wird daraus 2020 aber wohl nichts. Der Vorstand sieht sich dennoch auf dem richtigen Weg.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing
© Reuters

Wenig bescheiden spricht Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing von einer "historischen Transformation". Rechtzeitig zum 150. Jubiläum in diesem Jahr schrumpft der jüngste Vorstandschef in der Geschichte der Bank den globalen Anspruch des größten deutschen Geldhauses - und will die Deutsche Bank zurück zu ihren Wurzeln führen. Sewings einfache Botschaft, als er am 7. Juli 2019 seinen radikalen Umbauplan präsentiert: "Die Bank fokussiert sich jetzt auf das, was sie wirklich gut kann." Ergo: Das Geschäft mit Mittelständlern, Familienunternehmen und multinationalen Konzernen.

Der Weg dorthin freilich ist lang und steinig. Und dann bremste auch noch die Corona-Pandemie die Euphorie in den Frankfurter Zwillingstürmen. Die Hoffnung, dass der Dax-Konzern nach fünf Verlustjahren in Folge 2020 endlich aus der Krise kommen könnte, ist dahin. Analysten rechnen für das Gesamtjahr erneut mit einem Milliardenminus.

Neue Partnerschaft mit Google

Indessen gab die Deutsche Bank bekannt, dass der Konzern sich mit Google zusammen tut. Es werde eine weltweite strategische Partnerschaft eingegangen, teilte das Finanzinstitut am Dienstag mit. Eine entsprechende Absichtserklärung sei unterzeichnet worden. In den nächsten Monaten soll dann ein mehrjähriger Vertrag die künftige Geschäftsbeziehung zwischen dem größten deutschen Finanzinstitut und dem US-Technologiekonzern besiegeln.

Google soll demnach unter anderem Cloud-Dienste der Deutschen Bank zur Verfügung stellen, und es sollen neue technologiebasierte Produkte entwickelt werden. Laut informierten Kreisen erwartet die Deutsche Bank von der Partnerschaft binnen zehn Jahren ein kumuliertes EBIT von mehr als einer Milliarde Euro.

Einer der größten Verlieren seit der Finanzkrise

Dass Sewing nach jahrelangen Verlusten, milliardenschweren Strafen wegen Rechtsverstößen der Bank und bestenfalls zaghaften Reformen früherer Vorstandschefs Entschlossenheit demonstriert, kommt am Markt gut an. Zugutegehalten wird dem Deutsche-Bank-Chef auch, dass er schon kurz nach der im Frühjahr 2019 geplatzten Fusion mit der Commerzbank einen radikalen Umbauplan für sein Institut präsentierte.

Die Deutsche-Bank-Aktie schlug sich im laufenden Jahr trotz der Corona-Krise vergleichsweise gut. Zwar stürzte der Kurs vom Jahreshoch bei 10,37 Euro Mitte Februar bis Mitte März um mehr als die Hälfte auf knapp 4,45 Euro ab. Seitdem erholte sich der Aktienkurs aber wieder auf zuletzt fast neun Euro.

Langfristig jedoch gehört das Deutsche-Bank-Papier weiterhin zu den größten Verlierern seit der Finanzkrise Ende des vergangenen Jahrzehnts - sowohl unter Banktiteln als auch unter allen Standardwerten. Seit dem unter anderem um die Effekte von Kapitalerhöhungen bereinigten Rekordhoch von etwas mehr als 90 Euro im Frühjahr 2007 ging es um rund 90 Prozent nach unten. Mehr hat in diesem Zeitraum kaum eine Aktie einer anderen Großbank verloren. (APA, Reuters)


Kommentieren


Schlagworte