Auftaktsieg für Thiem in Kitzbühel: Schwere Rückkehr auf leisen Sohlen

Für einige Tage ist Kitzbühel das Herz der Tennis-Welt – dabei zeigte der Auftakt des „Thiem’s 7“, wie steinig der Weg zurück zur Normalität noch sein wird. Dominic Thiems Sieg war nur ein kleiner Schritt.

Thiem setzte sich am Dienstag in Kitzbühel durch.
© EXPA/STEFAN ADELSBERGER

Von Roman Stelzl

Kitzbühel – Leises Klatschen ist draußen vor dem Stadion zu hören. Dann ertönen ein paar Rufe, gefolgt vom lauten Knallen der Tennisbälle auf dem Schläger. Wie ein Donnerschlag jagt der Aufprall ein ums andere Mal durch den fast leeren Kitzbüheler Center Court. Dass da drinnen Österreichs großer Tennis-Liebling Dominic Thiem spielen soll, klingt eher nach einem Treppenwitz. Aber es ist keiner. Es ist die Realität. Eine Realität in Corona-Zeiten.

Das am Dienstag gestartete Einladungsturnier des Weltranglisten-Dritten („Thiem’s 7“) zeigt, wie weit die Normalität des Tennis-Lebens noch weg ist und wie lang und steinig der Pfad noch sein kann.

Beim Finale der Generali Open 2019 mit dem ersehnten Triumph von Thiem verfolgten 5900 Fans das Match, die Stiegen waren voll, jeder Punktgewinn des Niederösterreichers glich einer Party. Am Dienstag, bei Thiems 7:5, 7:6 (4) im ersten Gruppenspiel gegen den Norweger Casper Ruud­, waren gut und gerne 300 der erhofften 500 Zuschauer da. Ein familiärer Rahmen, einer mit hohem (Eintritts-)Preis. Es gibt keine Linienrichter, nur zehn Journalisten sind zugelassen, Temperatur-Messungen an der Tagesordnung. Keine Verkaufsstände, keine Shops. Eine geschlossene Gesellschaft.

Sicherheit steht in Kitzbühel an erster Stelle.
© EXPA/STEFAN ADELSBERGER

Und im Zentrum all dessen stand am Dienstag ein stark spielender Thiem, der zeigte, wie schmerzlich seine Auftritte der heimischen Sport-Welt fehlen. Der 26-Jährige hatte gemeinsam mit seinen Sponsoren etwas Großes geschaffen, Kitzbühel selbst wird für einige Tage zum Herzen der internationalen Tennis-Welt. Etwas, nach dem man sich bei all dem Auf und Ab der Vergangenheit lange sehnte.

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„Es ist besser, vor 500 Leuten zu spielen als vor gar niemandem“, sagte Thiem im Anschluss, und als er ergänzte, „es ist nicht selbstverständlich, dass die kommen. Das ist richtig, richtig schön“, war spürbar, dass der Weltranglisten-Dritte hier nicht nur Superstar, sondern auch in der ungewohnten Rolle des Mitorganisators und damit auch Vermarkters steckt. Doch in den Worten lag viel Wahres: Das Corona-Debakel von Belgrad mit 4000 Zuschauern mal ausgenommen, war es eine Rückkehr zu einer Kulisse. Ein kleiner Schritt, der noch Großes bewirken soll.

Von gemütlichen Spielchen wollte der dreifache Grand-Slam-Sieger deshalb nichts wissen. „Das hat überhaupt keinen Schaukampf-Charakter hier. Alleine das Preisgeld ist ein Wahnsinn, da gibt jeder alles. Es sind acht Top-Spieler hier“, erinnerte Thiem an die 300.000 Euro Dotation, von denen 100.000 an den Sieger gehen. Über das Spiel selbst musste der 16-fache ATP-Turniersieger am Dienstag übrigens nicht viel reden.

Viel mehr ging es um die Zukunft, um das Ungewisse der Rückkehr der ATP-Tour Mitte August. Thiem selbst zuckte mehr die Schultern, ist der dicht gefüllte Kalender doch ebenso in der Schwebe wie die US Open. Vorerst gilt es erst einmal, langsam vorwärts zu kommen. Und das alles ohne einen Schritt zurück. Denn sonst ist selbst all das Leise wieder verstummt.

Berrettini schlug Novak, Thiem gegen Rublev

Nachdem der topgesetzte Dominic Thiem mit einem 7:5, 7:6 (4) wie erwartet mit einem Sieg in sein Einladungsturnier gestartet war, musste sich der frischgebackene Staatsmeister Dennis Novak beim „Thiem’s 7“ dem Italiener Matteo Berrettini geschlagen geben. Der 26-jährige Niederösterreicher unterlag mit 6:7 (6), 3:6 und sprach im Anschluss von einer „ganz eigenen Stimmung hier in Kitzbühel“. Am Mittwoch wartet mit dem Russen Karen Khachanov der nächste ganz harte Gegner. Thiem bekommt es indes in der Abendpartie (20.15 Uhr, live Servus TV) mit dem Russen Andrey Rublev zu tun. Der Kufsteiner Alexander Erler gewann indes bei den „Austrian Young Guns“ sein Spiel gegen Jurij Rodionov 4:3 (2), 2:4, 4:3 (2).


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