Johnny Depp und der Rosenkrieg vor Gericht: „Bin kein Frauenschläger“

Was sich in einem Londoner Gericht abspielt, erinnert an einen Hollywoodfilm: Johnny Depp, Amber Heard, Drogen, Schläge – wer sagt im Streit um Gewaltvorwürfe die Wahrheit?

Er kämpft um seinen Ruf: Johnny Depp bei seiner Ankunft zum Prozess in London.
© DANIEL LEAL-OLIVAS

London – Rosenkrieg vor Gericht: US-Schauspieler Johnny Depp hat Vorwürfe, ein „Frauenschläger“ zu sein, in einem Prozess in London scharf zurückgewiesen. Stattdessen beschuldigte der 57 Jahre alte Hollywood-Star am Dienstag seine Ex-Frau Amber Heard (34), ihm gegenüber gewalttätig gewesen zu sein. Sie habe ihn nur geheiratet, um ihre Karriere voranzubringen. Beide waren im Gericht anwesend.

Depp klagt gegen den Verlag der britischen Boulevardzeitung The Sun wegen eines Artikels, in dem behauptet wurde, er habe Heard körperlich misshandelt. „Das sind alles Lügen“, sagten seine Anwälte. Depp „ist kein Frauenschläger und ist das auch nie gewesen“.

Der Schauspieler („Pirates of the Caribbean“) und seine Anwälte drehten den Spieß um und überzogen Heard mit Vorwürfen: „Sie war es, die ihm gegenüber gewalttätig war“, sagte Anwalt David Sherborne. Berichte, Depp habe ihr Gewalt angetan, seien erfunden. Der Schauspieler nannte seine Ex-Frau eine narzisstische Soziopathin. „Sie wusste, was sie wollte und ich war ein leichtes Ziel.“ Das Fass zum Überlaufen gebracht habe ein Vorfall im Mai 2016. Er habe damals die Scheidung eingereicht, nachdem Heard oder eine ihrer Freundinnen „als Streich" ihre Notdurft im Ehebett verrichtet und dort einen Haufen Kot hinterlassen habe.

Stellungnahme von Depp

Die Gegenseite warf dem Schauspieler dagegen einen bösen Charakter vor. Er verliere die Kontrolle, zerstöre Hotelräume und werde Menschen gegenüber gewalttätig. Depp räumte auf Nachfragen ein, seit seiner Kindheit Probleme mit Alkohol und Drogen zu haben. Es habe alles damit angefangen, dass er mit elf Jahren die „Nervenpillen“ seiner Mutter ausprobiert habe. Er sei aber nicht das „schreckliche Monster“, als das er häufig dargestellt werde.

TT-ePaper gratis testen und eines von drei E-Bikes gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt mitmachen
TT ePaper

Auch Depp selbst gab zunächst eine schriftliche Stellungnahme ab. Demnach warf er seiner Ex-Frau vor, ihm mehrfach ins Gesicht geschlagen zu haben. Einmal sei ihm ein Teil eines Fingers abgetrennt worden, als sie mit einer Wodka-Flasche nach ihm geworfen habe. Auf einem Flug habe sie ihn als „Waschlappen“ und „Mann ohne Rückgrat“ beschimpft und geschlagen. „Ich habe mir ein Kissen geschnappt und mich in der Toilette eingeschlossen, wo ich während des Fluges schlief.“

Amber Heard (M.) kam auch in Begleitung ihrer Schwester (l.).
© TOLGA AKMEN

Paradis und Ryder sagen aus

Das Verfahren soll drei Wochen dauern. Im Prozess sollen britischen Medien zufolge per Video auch Depps Ex-Partnerinnen Vanessa Paradis und Winona Ryder als Zeuginnen aussagen. Beide haben den "Fluch der Karibik"-Star in der Vergangenheit bereits gegen Heards Vorwürfe verteidigt.

Depp und Heard waren getrennt zum Prozess in die britische Hauptstadt gekommen. Heard trug bei ihrer Ankunft im Gericht als Gesichtsmaske ein großes rotes Tuch. Sie wurde von Anwälten und ihrer Schwester begleitet. Depp kam im dunkelblauen Anzug. Er trug eine Sonnenbrille und ein dunkles Tuch.

Depp, der zu den bestbezahlten Schauspielern Hollywoods zählt, und die US-Amerikanerin Heard hatten sich 2011 bei den Dreharbeiten zum Film „The Rum Diary“ kennengelernt. Das Paar trennte sich 2016 nach nur 15 Monaten Ehe; es begann ein langer Rosenkrieg.

Auch in den USA läuft ein Verfahren

Eigentlich sollte der Prozess schon im vergangenen März beginnen, musste aber wegen der Corona-Pandemie verschoben werden.

Auch in den USA hat Depp wegen der Vorwürfe eine Verleumdungsklage eingereicht. Er klagt dort aber direkt gegen seine Ex-Frau. Die hatte in einem Artikel der Washington Post über ihre Gewalterfahrungen berichtet – allerdings ohne Depp beim Namen zu nennen.

Wie immer der Gerichtsprozess um das frühere Promi-Paar in London ausgehen mag, einen Gewinner dürfte es schon jetzt geben: die Sun, um deren Artikel von 2018 es eigentlich geht. Das Boulevardblatt dürfte von dem Rosenkrieg vor Gericht profitieren – die Schlagzeilen sind garantiert. (dpa, AFP)


Kommentieren


Schlagworte