"Grüner" Wasserstoff soll in der EU stark ausgebaut werden

Mit öffentlicher Unterstützung soll bis 2024 die Kapazitäten auf eine Million Tonnen Wasserstoff aus erneuerbaren Energien wachsen, sechs Mal so viel wie heute. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) hat die Vorschläge begrüßt.

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Brüssel – Die Nutzung klimafreundlichen Wasserstoffs soll in der Europäischen Union binnen zehn Jahren stark ausgebaut werden, um die Energiewende voranzutreiben. Die EU-Kommission legte dazu am Mittwoch ihre Strategie vor. So sollen mit öffentlicher Unterstützung bis 2024 die Kapazitäten auf eine Million Tonnen Wasserstoff aus erneuerbaren Energien wachsen - sechs Mal so viel wie heute. Bis 2030 sollen es zehn Millionen Tonnen sein.

Dies sei wichtig, um das Ziel eines klimaneutralen Europa bis zum Jahr 2050 zu erreichen, erklärte Kommissionsvize Frans Timmermans: "Mit der Entwicklung und dem Einsatz einer sauberen Wasserstoff-Wertschöpfungskette wird Europa weltweit führend werden und seine Führungsrolle bei sauberen Technologien bewahren."

📽 Video | EU-Kommission legt Wasserstoffstrategie vor

"Kein Einfallstor für fossile Energie oder Atomstrom"

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) hat die Vorschläge für die EU-Strategie zur Integration des Energiesystems und der EU-Wasserstoffstrategie begrüßt. Beide seien Bestandteile des European Green Deals, um die Abhängigkeit von Öl und Gas zu beenden. Wasserstoff dürfe aber kein Einfallstor für fossile Energie oder Atomstrom werden, betonte das Klimaschutzministerium am Mittwoch.

Das Klimaschutzministerium will bis Jahresende eine österreichische Wasserstoffstrategie erarbeiten. Für die Europäische Wasserstoffstrategie habe sich Österreich federführend mit anderen EU-Staaten des Pentalateralen Energieforums - eine Kooperation von Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Österreich und der Schweiz - der langfristigen Vision von hundertprozentigem erneuerbarem Wasserstoff zur Dekarbonisierung des Energiesystems verschrieben.

Öffentliche und private Gelder mobilisieren

Wasserstoff gilt als wichtiger Baustein für eine klimafreundliche Energieversorgung. Denn bei der Nutzung entstehen keine Treibhausgase. Allerdings muss zur Herstellung zunächst mit großem Energieaufwand Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten werden. Klimaschonend ist dies nur, wenn dazu wiederum Strom ohne oder mit nur minimalen Treibhausgas-Emissionen während der Erzeugung verwendet wird, also zum Beispiel aus Sonne oder Wind.

Die Strategie soll Investitionen in diesen "grünen" Wasserstoff voranbringen und dafür öffentliche und private Gelder mobilisieren. Dazu soll auch das Hunderte Milliarden Euro schwere Corona-Wiederaufbau-Programm genutzt werden, über das die EU-Staaten derzeit verhandeln. (dpa)


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