Gut zu wissen: Wie man sich in einem Straßentunnel richtig verhält

Tunnelfahren ist mehr als einfach nur geradeaus zu fahren. Auch wenn sie von Haus aus sehr sicher sind, gibt es eine Vielzahl von Dingen zu beachten, um Unfälle zu vermeiden. Viele Autofahrer haben darüber hinaus mit einem mulmigen Gefühl zu kämpfen, wenn sie einen Tunnel durchfahren. Tipps für das richtige Verhalten – auch bei Pannen oder Unfällen – lesen Sie hier.

Viele Unfälle in Tunneln lassen sich durch richtiges Verhalten vermeiden.
© Asfinag

Innsbruck – Allein im Jahr 2019 waren Tunnel in Österreich mehr als 600 Mal Schauplatz von Unfällen. Dabei wurden insgesamt 185 Personen verletzt, sechs verloren ihr Leben. Die drei häufigsten Ursachen seien Unachtsamkeit, zu geringer Abstand oder zu hohes Tempo, heißt es in einer Aussendung der Asfinag vom Mittwoch. Auch das Hantieren mit Handys, Navis oder Radios trägt dazu bei, dass Hinweise oder Ampeln oft übersehen werden. Obwohl die Tunnel mit höchster Sicherheitstechnik ausgestattet sind, passiert ein Unfall dann meist schneller, als man denkt.

✅ Diese Tipps können helfen

ÜBUNGSFAHRTEN: Bei Unbehagen in Verbindung mit Tunnelfahrten ist es hilfreich, mit einer Vertrauensperson, einem Fahrlehrer oder Instruktor regelmäßige Übungsfahrten zu absolvieren. Ängste und Vorbehalte können so abgebaut und Sicherheit hinter dem Steuer erlangt werden.

AUFMERKSAM SEIN: Vor der Einfahrt in den Tunnel die Ampelsignale sowie Hinweiszeichen beachten und strikt danach handeln. Während der Fahrt auch Wandmarkierungen und Längenangaben zu den (Not-)Ausgängen beachten, damit diese im Notfall rasch gefunden werden.

LICHT & SICHT CHECKEN: Abblendlicht einschalten bzw. kontrollieren, ob dies automatisch bereits erfolgt ist; die Sonnenbrille gegebenenfalls abnehmen und die Sonnenblende hochklappen.

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ABSTAND & TEMPOLIMIT: Auf der gesamten Strecke ausreichenden Sicherheitsabstand halten und die Geschwindigkeitsbegrenzungen einhalten. In einem Tunnel mit Gegenverkehr immer am rechten Fahrbahnrand orientieren und niemals über die Mittellinie fahren. Möglicherweise irreführenden Navigationsanweisungen darf man in keinem Fall folgen.

RADIO EIN: Radio mit Verkehrsfunk einschalten bzw. aufgedreht lassen – die Tunnelwarte kann dadurch Anweisungen durchsagen. Diesen Anweisungen Folge leisten.

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Die Tunnelangst in den Griff bekommen

Zu den Gefahrenquellen kommt, dass viele Lenker allein beim Zufahren auf die Tunnel ein mulmiges Gefühl beschleicht. Ähnlich wie gegen die Flugangst kann man aber auch dagegen etwas unternehmen, weiß Verkehrspsychologe Dieter Krainz, der auch für das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) tätig ist. „In geringem Ausmaß ist dieses Angstgefühl ganz normal. Allerdings nehmen manche sogar weite Umwege in Kauf, nur um nicht durch einen Tunnel fahren zu müssen."

Tipps, um die Psyche auszutricksen

🗯️ Wiederholen Sie in Gedanken Sätze wie „Ich bin ein souveräner Autofahrer“, „Ich fühle mich sicher, wenn ich einen Tunnel durchfahre“, oder „Tunnel sind genauso wenig gefährlich wie andere Autobahnabschnitte im Freien“. Es hilft auch, diese oder ähnliche Sätze laut auszusprechen und sich so selbst Mut zuzureden.

▶️ Krainz: „Das Wiederholen positiver Gedanken beeinflusst das Unbewusste, beruhigt und führt in vielen Fällen dazu, dass Tunnel in Zukunft als praktisch, sicher und angstfrei betrachtet werden. In der Psychologie nennt man das Selbst-Affirmation beziehungsweise Autosuggestion.“

🔹 Bei einer wirklichen „Tunnelphobie“ empfiehlt sich die sogenannte Konfrontationstherapie, das heißt, man stellt sich gezielt angstauslösenden Tunnelfahrten. Dabei machen die Lenker im Laufe der Zeit die angenehme Erfahrung, dass befürchtete Situationen nicht eintreten. Eine Person des Vertrauens sollte anfangs jedenfalls mit dabei sein.

⚠️ Was bei Stau, einer Panne oder einem Unfall zu tun ist

Generell gilt: Anhalten sollte man im Tunnel nur in äußersten Notfällen. Wichtig ist daher einerseits, nur mit ausreichender Tankfüllung in den Tunnel zu fahren. Lässt sich eine Panne nicht vermeiden, sollte ausschließlich in den vorgesehenen Abstellnischen und Pannenbuchten gehalten werden. Abrupte Beschleunigungs- oder Bremsmanöver, allen voran im Ein- und Ausfahrtsbereich, sind nicht ratsam, sondern sehr gefährlich.

Ist es nicht mehr möglich, eine Pannenbucht zu erreichen, stellt man das Fahrzeug am besten so nahe wie möglich an den rechten Fahrbahnrand. In jedem Fall gilt:

  • 1️⃣ Warnblinker einschalten
  • 2️⃣ Motor abstellen
  • 3️⃣ Rettungskräfte informieren
  • 4️⃣ Nicht im Fahrzeug bleiben
  • 5️⃣ Mit Warnweste den Notgehweg nutzen
  • 6️⃣ In der Pannenbucht auf Hilfe warten

📽 Video | Richtiges Verhalten im Tunnel

Die Staugefahr ist in einem Tunnel nicht gebannt. In jedem Fall muss dann eine Rettungsgasse gebildet werden. Sobald sich eine Kolonne erkennen lässt, heißt es: Warnblinkanlage einschalten, Motor abschalten und im Fahrzeug bleiben.

🚘💥 Kommt es im Tunnel zu einem Unfall, verhält man sich wie folgt:

  • 1️⃣ Warnblinker einschalten
  • 2️⃣ Fahrzeug sicher und platzsparend abstellen
  • 3️⃣ Motor ausschalten
  • 4️⃣ Warnweste vor dem Verlassen des Fahrzeuges anziehen
  • 5️⃣ Unfallstelle absichern
  • 6️⃣ Rettungskräfte informieren
  • 7️⃣ Verletzten Personen helfen

📵🧯 Gut zu wissen: Wer zur Verständigung von Rettungskräften eines der Notruftelefone im Tunnel anstatt des Handys verwendet, erleichtert die Lokalisierung im Tunnel. An gekennzeichneten Notrufstationen findet man außerdem eine manuelle Brandmeldetaste sowie zwei Feuerlöscher. (TT.com)

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