Bluttat in Gerasdorf: Kadyrow sieht westliche Verschwörung

Der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow streitet die Verantwortung für die Todesschüsse bei Wien ab. Er erachtet westliche Geheimdienste als Drahtzieher im Hintergrund.

Der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow.
© Nikolsky/Sputnik/AFP

Grosny/Gerasdorf bei Wien – Nach tagelangem Schweigen hat der tschetschenische Regionalpräsident Ramsan Kadyrow in der Nacht auf Donnerstag eine verklausulierte Stellungnahme zur Ermordung des gebürtigen Tschetschenen Martin B. alias "Ansor aus Wien" veröffentlicht. Er beklagte darin eine Instrumentalisierung tschetschenischer Exilblogger durch westliche Geheimdienste, die gegen Russland und ihn arbeiten würden.

"Ich habe gewartet und beobachtet, wie sich die Gerüchte rund um die Ereignisse in Wien entwickeln. In Folge habe ich mich noch einmal von einer voreingenommenen Informationsmaschine überzeugen können. Sie hat die These einer Beteiligung von mir verbreitet, ohne dass es offizielle Erklärungen der (österreichischen, Anm.) Ermittlungsorgane geben würde", schrieb er auf Russisch im Onlinedienst Telegram.

"Ansor aus Wien", der im Februar in Frankreich ermordete Blogger "Alter Mansur" und andere Blogger, die mit Pseudopatriotismus Geld verdienten, seien Opfer von gegen Russland sowie gegen ihn agierenden Geheimdiensten geworden. Letzteren würde missfallen, dass "er und seine treue Mannschaft" die Kaukasusgrenze Russlands schützten.

Kadyrow spricht von Manipulationsmethoden des Westens

Er habe bereits oft von den Manipulationsmethoden des Westens erzählt. Diese "Marionetten" würden ihr Leben genau so beenden. "Sobald sich Menschenrechtsaktivisten 'Sorgen' um ein konkretes Menschenleben machen, geht dieses Leben bald zu Ende", erläuterte Kadyrow.

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Der Regionalpolitiker verwies auf eine tschetschenische Tradition, laut der man für Gesagtes zur Verantwortung gezogen werde. Doch aufgrund eines "Paradoxons" sei es dazu gar nicht gekommen: "Bevor diese Hunde in Schande für jedes Wort zur Verantwortung gezogen werden können, werden sie von Mördern gerettet, die von (westlichen, Anm.) Geheimdiensten bezahlt werden", formulierte er und spielte damit sichtlich auf Martin B. und seine traditionswidrigen Beschimpfungen, etwa von Kadyrows Mutter, an.

Abschließend warnte der Politiker "vernünftige Menschen" davor, sich in Geheimdienstprojekten als "Verbrauchsmaterial" verwenden zu lassen. "Werdet keine Marionetten, kümmert Euch um Eure Familien. Sonst erwartet auch Euch ebenso dieses Schicksal. Beschuldigen wird man dann erneut Kadyrow und seine Mannschaft." (APA)


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