Tödlicher Unfall bei Eisriesenwelt im Pongau: Dauer der Sperre offen

Nach dem tödlichen Steinschlag, bei dem ein 14-jähriger Bub in der Eisriesenwelt von einem Steinbrocken getroffen wurde, läuft die Ursachenerforschung auf Hochtouren. Zuletzt häuften sich derartige Zwischenfälle, etwa in Kärnten und der Steiermark.

Beim Zustieg zur Eisriesenwelt im Tennengebirge bei Werfen wurde ein 14-Jähriger durch einen Steinschlag getötet worden.
© APA/Neumayr

Werfen – Einen Tag nach dem tödlichen Steinschlag am Zugangsweg zur Eisriesenwelt bei Werfen (Pongau) ist derzeit nicht abschätzbar, wie lange die Sperre des beliebten Ausflugsziels dauern wird. Die Eishöhle und der Zustieg dürfen seit dem Unfall nicht betreten werden. Die Alpinpolizei hat die Ermittlungen zum genauen Unfallhergang aufgenommen, außerdem werden die Sicherungseinrichtungen überprüft.

Wie der Bürgermeister von Werfen, Hubert Stock, am Montag zur APA sagte, sollen Geologen und Fachleute noch heute damit beginnen, die Unfallstelle genau zu begutachten und möglicherweise weitere Gefahrenstellen zu finden. Zugleich werde erhoben, ob – und wenn ja, welche – zusätzlichen Maßnahmen notwendig sind, um die Sicherheit der Besucher in Zukunft zu gewährleisten. "Die Eisriesenwelt wird aufgefordert, ein entsprechendes Konzept zu erstellen", sagte Stock. "Erst dann kann der Betrieb wieder aufgenommen werden."

Tödliche Steinschläge: Starkregenfälle ausschlaggebend

Nach den jüngsten Steinschlägen mit vier Todesopfern in der steirischen Bärenschützklamm und in der Eisriesenwelt bei Werfen stellt sich die Frage, ob die Häufung ein Zufall ist. Am Sonntag wurde auch eine Wandererin in der Kärntner Tscheppaschlucht von einem Stein getroffen und schwer verletzt.

Für Robert Supper, Vizerektor der Geologischen Bundesanstalt in Wien, steht fest, dass die vorangegangenen Starkregenfälle ausschlaggebend für die Unglücke waren. "Der Regen löst die Steine in den Fugen", erläuterte der Experte am Montag im Gespräch mit der APA. Dass in weiterer Folge Steinbrocken oder Felsen in die Tiefe krachen, sei vorhersehbar. Für Wanderer und Bergsteiger bedeutete das, dass im alpinen Gelände, speziell in hochgefährdeten Zonen nach anhaltenden Niederschlägen "immer ein gewisses Risiko besteht, dass etwas abgeht".

Dieses Risiko lasse sich mich baulichen Maßnahmen, die vor Lawinen, Muren oder Steinschlag schützen, minimieren. Aber selbst bei umfangreichen Verbauungen wie beim Zustieg zur Eisriesenwelt im Tennengebirge – die größte Eishöhle der Welt – bleibe ein Gefährdungspotenzial bestehen. Dessen müsse sich jeder, der im Gebirge unterwegs ist, bewusst sein – auch, wenn es sich dabei um einen vermeintlich sicheren touristischen Hotspot handelt, betonte Supper.

Man könne mit mathematischen Modellen berechnen bzw. simulieren, wo im Gelände sich Gestein lösen könnte und entsprechende Verbauungen errichten. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass dort dann tatsächlich etwas passiert, sei schwer abschätzbar. Ein ganzer Berg verbauen lasse sich aber nicht. "Hundertprozentige Sicherheit lässt sich nicht herstellen", gab Supper zu bedenken. Und weiter: "Auch Touristen müssen akzeptieren können, dass es ein Restrisiko gibt." Wer nicht bereit sei, dieses Risiko einzugehen, könne alpine Attraktionen in der heutigen Zeit auch virtuell besichtigen.

Derzeit ist der Weg von der Bergstation der Seilbahn zum Höhleneingang teilweise mit Schutzgalerien aus Beton gesichert. Der Geschäftsführer der Eisriesenwelt, Friedrich Oedl, war zum Unglückszeitpunkt auf Urlaub in Griechenland. "Wir stehen derzeit in ständigem Kontakt mit ihm", sagte Seilbahn-Betriebsleiter Michael Rieder zur APA. Er ging am Montag davon aus, dass vorbeugende Felsräumarbeiten im Gestein über dem Weg als Schutzmaßnahme angesichts der großen Kalkwände nicht sinnvoll sind.

Nur ein Teil des Zustiegs ist durch Galerien überdacht. Der Jugendliche wurde in einem unüberdachten Bereich von einem Felsbrocken getroffen.
© APA/Neumayr

Schutzgalerien sollen erweitert werden

"Es wird möglicherweise darauf hinauslaufen, dass wir die Schutzgalerie erweitern oder Schutznetze installieren müssen, um einem tragischen Vorkommnis wie gestern vorbeugen zu können", sagte Rieder. Wie er erklärte, seien die Schutzgalerien früher aus Holz, später aus Stahl und schließlich aus Beton errichtet worden und immer wieder ausgebaut worden. "Mir ist aber nicht bekannt, dass es während der Touristensaison je einen Unfall durch Steinschlag gegeben hat."

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Zu dem Unglück war es am Sonntag gegen 11.30 Uhr gekommen. Rund 400 Höhenmeter oberhalb des Einganges zur Eishöhle in knapp über 1600 Metern hatte sich ein etwa ein bis zwei Kubikmeter großer Felsblock gelöst. Der Block stürzte in die Tiefe und zersprang in viele kleinere Teile. Dabei wurde der Zubringerweg auf einer Breite von 100 Metern von Steinen getroffen. Der Weg ist dort zwar größtenteils durch die Steinschlaggalerien überdacht, einige Brocken stürzten aber auf den ungeschützten Bereich.

Die Polizei ermittelt, wie es zu dem tödlichen Steinschlag kommen konnte.
© APA/Neumayr

Dabei wurde ein 14-jähriger Bub aus dem Irak von einem etwa 25 Kilogramm schweren Stein am Oberkörper getroffen und so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle verstarb. Trotz Reanimation durch die sofort anwesenden Höhlenführer und später durch das Notarztteam eines Rettungshubschraubers konnte der Jugendliche nicht mehr gerettet werden. Der 14-Jährige war mit seinen Eltern Teil einer 24-köpfigen Reisegruppe aus dem Salzburger Flachgau. Auch ein 19-jähriger Pongauer wurde bei dem Felssturz von einem Stein am Bein getroffen und verletzt. Nach dem Abtransport des Verletzten und des Verstorbenen wurden die rund 300 Besucher der Eisriesenwelt in Kleingruppen aus dem Gefahrenbereich gebracht.

Starker Regen dürfte Untergrund aufgeweicht haben

Wie der Geologe des Landes, Gerald Valentin, nach einer ersten Begutachtung der Unfallstelle aus der Luft erklärte, dürfte der starke Regen am Samstag den Untergrund aufgeweicht haben. Der Gesteinsbrocken lag dabei auf einer mit Erde gefüllten Kluft. Der Regen machte das Erdreich rutschig, dazu kam der Druck des Wassers. Dadurch habe sich am Sonntagvormittag der Block letztlich gelöst.

Obwohl ein Höhlenführer sofort Erste Hilfe leistete, konnte der Bub nicht mehr gerettet werden.
© APA/Neumayr

Die Eisriesenwelt gilt mit einer Länge von 42 Kilometer als größte Eishöhle der Welt. Zu Spitzenzeiten besuchen pro Tag bis zu 2500 Menschen die Schauhöhle, die etwa einen Kilometer in den Berg hineinführt. Dazu noch ein Hinweis für Bergsteiger und Kletterer: Von der behördlichen Sperre betroffen ist auch "Hochkogel-Steig", der hinauf ins Tennengebirge und zum Leopold-Happisch-Haus führt.

Kärntner Tscheppaschlucht nach Steinschlag wieder offen

Die Tscheppaschlucht – ein Ausflugsziel südlich von Klagenfurt – ist nach einem Steinschlag am Montag wieder normal geöffnet worden. Der Einsatz und die Aufräumarbeiten nach dem Unfall am Sonntag seien noch am Abend beendet worden, hieß es beim Tourismusverband Ferlach (Bezirk Klagenfurt-Land) auf APA-Anfrage.

Eine 32 Jahre alte Wandererin war am Sonntag von einem kopfgroßen Felsbrocken am Bein getroffen und schwer verletzt worden. Die Bergrettung barg sie, danach wurde sie per Helikopter ins Unfallkrankenhaus Klagenfurt geflogen.


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