Lachgas könnte bei Posttraumatischen Belastungsstörungen helfen

Im Zuge einer Pilotstudie hat der österreichische Anästhesist Peter Nagele herausgefunden, dass Lachgas bei der Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen helfen könnte.

Symbolfoto.
© ROLAND SCHLAGER

Chicago – Lachgas könnte bei Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) helfen. Das zeigt eine im Journal of Clinical Psychiatry veröffentlichte Pilotstudie des österreichischen Anästhesisten Peter Nagele von der University of Chicago an US-Kriegsveteranen. "Die Studie ist zwar klein, aber sie zeigt, dass der Einsatz von Lachgas zur raschen Linderung von PTBS-Symptomen vielversprechend ist", so Nagele.

Nagele ist Vorstand der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin der Universität Chicago (USA) und erforscht seit Jahren die Auswirkungen von Distickstoffmonoxid, besser bekannt unter dem Namen Lachgas oder Stickoxydul. So hat er etwa die antidepressive Wirkung von Lachgas nachgewiesen. Er zeigte in einer Studie, dass bei zwei Drittel der Patienten mit therapieresistenter Depression nach der Behandlung mit Lachgas eine Besserung der Symptome eintrat.

Nagele: "Wirksame Behandlungen sind begrenzt"

Menschen, die an PTBS leiden, können Symptome wie Angst, Wut und Depression zeigen, die negative Auswirkungen auf ihre Gesundheit, ihren Tagesablauf, ihre Beziehungen und ihre Lebensqualität haben. "Wirksame Behandlungen dagegen sind begrenzt", so Nagele gegenüber der APA. Gemeinsam mit Kollegen von der Stanford University hat er in der Pilotstudie drei Veteranen, die an PTBS litten, mit Lachgas behandelt. Sie atmeten dazu ein einziges Mal eine Stunde lang ein Gasgemisch ein, das jeweils zur Hälfte aus Stickoxydul und Sauerstoff bestand, über eine Gesichtsmaske ein.

Innerhalb von Stunden nach der Behandlung berichteten zwei der Patienten über eine deutliche Verbesserung ihrer PTBS-Symptome. Dieser verbesserte Zustand dauerte bei einem der Patienten eine Woche lang an, während die Symptome des anderen im Laufe einer Woche allmählich zurückkehrten. Der dritte Patient berichtete zwei Stunden nach seiner Behandlung von einer Besserung, aber die Symptome traten am nächsten Tag wieder auf.

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"Wie viele andere Behandlungen scheint Distickstoffmonoxid bei einigen Patienten wirksam zu sein, bei anderen jedoch nicht", erklärte Nagele. Medikamente würden oft nur bei einem Teil der Patienten wirken, während andere nicht darauf ansprechen. Aus diesem Grund wollen die Wissenschafter nun versuchen, die Ergebnisse in einer größer angelegten kontrollierten Studie zu reproduzieren und herauszufinden, wer von einer Lachgas-Behandlung profitieren kann und wer nicht.

Sollte sich der Lachgas-Effekte bestätigen, könnte Distickstoffmonoxid für eine schnelle Reduktion von PTBS-Symptomen eingesetzt werden, während längerfristige Behandlungen wie Psychotherapie oder Medikamentengaben über einen längeren Zeitraum wirksam sein können. (APA)

Hier finden Sie Hilfe

Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Suizidgedanken betroffen sind, finden Sie hier Hilfe:

Die Telefonseelsorge ist unter 142 kostenfrei rund um die Uhr jeden Tag erreichbar. Die Beratung ist vertraulich. Mail- und Chatberatung: www.onlineberatung-telefonseelsorge.at

Rat auf Draht: kostenloser Notruf für Kinder und Jugendliche, Tel. 147 (ohne Vorwahl) rund um die Uhr, https://www.rataufdraht.at/

Pro mente: https://promente-tirol.at/de/

Psychiatrische Ambulanz der Innsbrucker Klinik: Tel. +43 (0)50 504 23648

Notaufnahme des MZA, Anichstraße 35, Innsbruck: Tel. +43 (0)50 427 057

Psychosozialer Dienst in Hall in Tirol: www.psptirol.org, Tel. +43 (0)52 2354 9 11

Kriseninterventionsdienst des Roten Kreuzes: Notruf 144


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