Großbritannien schließt Huawei vom 5G-Netzausbau aus

Der Kauf von Huawei-Komponenten für Netzwerkanbieter ist ab Jahresende verboten. Die Tür in Österreich ist - noch - offen.

Der Kauf von Huawei-Komponenten für Netzwerkanbieter in Großbritannien soll heuer ab Jahresende verboten sein.
© AFP

London – Der chinesische Technologiekonzern Huawei soll nun endgültig nicht am Ausbau des superschnellen 5G-Mobilfunknetzes in Großbritannien beteiligt werden. Das teilte der zuständige britische Minister Oliver Dowden am Dienstag im Parlament in London mit.

Der Kauf von Huawei-Komponenten für Netzwerkanbieter in Großbritannien soll demnach heuer ab Jahresende verboten sein. Bereits verbaute Teile sollen bis 2027 entfernt werden, so Dowden. Noch Anfang des Jahres hatte die Regierung von Premierminister Boris Johnson eine Beteiligung Huaweis zumindest teilweise erlaubt. Erwartet wird, dass der Ausbau des 5G-Netzes in Großbritannien durch die Kehrtwende nun um Jahre zurückgeworfen wird.

▶️ Huaweis 5G-Technik rund um den Globus

USA: Am 30. Juni hat die US-Aufsichtsbehörde FCC Huawei wie auch den kleineren Konkurrenten ZTE als Gefahr für die nationale Sicherheit eingestuft. Damit müssen Huawei-Kunden in ländlichen Gebieten Ausrüstung der beiden Firmen aus bestehenden US-Netzen entfernen und ersetzen. Zugleich dürfen sie keine Subventionen aus einem Staatstopf in Höhe von 8,3 Milliarden Dollar (aktuell 7,3 Milliarden Euro) zum Kauf von Ausrüstung mehr in Anspruch nehmen. Bereits im Mai hatte die Regierung entschieden, dass keine Halbleitertechnologie mehr an Huawei geliefert werden darf, sofern diese auf Software oder Produkten aus den USA beruht.

➤ ÖSTERREICH: Bisher ist in Österreich die Tür für Huawei noch offen geblieben. Das Unternehmen begrüßte das zuletzt. "Die österreichische Bundesregierung hat sich zuletzt für eine Technologieneutralität bei 5G ausgesprochen.

Um mehr Klarheit bezüglich der Sicherheitskriterien für Unternehmen, die am 5G-Ausbau beteiligt sind bzw. sein wollen, zu schaffen, hat die Regulierungsbehörde (RTR) kürzlich die Telekom-Netzsicherheitsverordnung erlassen. Mit dieser wurde zum einen der von der EU im Jänner präsentierte Werkzeugkasten umgesetzt, zum anderen wurden Meldepflichten – beispielsweise im Falle eines Netzausfalls – genauer geregelt, sagte Klaus Steinmaurer, Geschäftsführer der RTR für den Fachbereich Telekommunikation und Post.

➤ DEUTSCHLAND: Bisher hat die Regierung noch nicht entschieden, wie sie mit Huawei beim 5G-Aufbau verfährt. Eine Entscheidung wird erst nach der Sommerpause erwartet. Marktführer Deutsche Telekom hat wiederholt vor einem Verbot gegen individuelle Anbieter gewarnt.

➤ FRANKREICH: Laut dem Chef der Agentur für Cybersicherheit (ANSSI), Guillaume Poupard, will Frankreich auf ein Komplettverbot verzichten. Trotzdem will das Land Telekomkonzerne, die derzeit keine Technik von Huawei nutzen, animieren, dies auch weiterhin nicht zu tun.

➤ ITALIEN: Insidern zufolge hat Telecom Italia die Chinesen wegen Sicherheitsbedenken von einem Vergabeverfahren für 5G-Netzwerke in Italien ausgeschlossen.

➤ AUSTRALIEN: Bereits 2018 schloss Australien die Chinesen aus, Ausrüstung für den Bau des 5G-Netzes zu liefern. Ursprünglich sollte Huawei auch ein Tiefseekabel zu den Salomonen sowie Papua-Neuguinea für schnelles Internet verlegen. Letztlich entschied Australien jedoch, dies selbst zu übernehmen.

➤ NEUSEELAND: 2018 verbot Neuseeland dem Provider Spark, 5G-Technik von Huawei zu nutzen. Spark hält trotzdem neben Nokia und Samsung Electronics an Huawei als Lieferanten fest.

➤ KANADA: Zwei der größten kanadischen Telekomfirmen entschieden im Juni, beim 5G-Aufbau mit Ericsson und Nokia statt Huawei zusammenzuarbeiten. Bisher hat sich die Regierung noch nicht festgelegt, ob Huawei 5G-Ausrüstung liefern darf.

➤ EUROPÄISCHE UNION: Im Jänner hat die Europäische Union erklärt, Länder könnten entweder Hochrisiko-Lieferanten vom Bau der Kernnetze ausschließen oder ihren Einsatz einschränken. Dieser Schritt zielt auf Huawei ab.

➤ SINGAPUR: Die größten Telekomfirmen des Stadtstaates wählten im Juni Nokia wie auch Ericsson für den Aufbau des 5G-Netzes.

USA üben Druck aus

Grund für den Schritt sind nach Angaben der Regierung neben Sicherheitsbedenken auch die Folgen der kürzlich verhängten US-Sanktionen gegen Huwawei. Washington versucht seit Monaten, Druck auf seine Partner auszuüben, Huawei vom Ausbau seiner 5G-Netze auszuschließen. Großbritannien hofft auf ein lukratives Handelsabkommen mit den USA nach dem Austritt aus der Europäischen Union. Ein Streit um Huawei hätte die Verhandlungen erheblich belasten können.

Doch auch mit China hofften die Briten nach dem Brexit auf ein erhöhtes Handelsvolumen. Doch die Beziehungen mit Peking sind derzeit durch den Streit um das von China eingeführte Sicherheitsgesetz in der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong ohnehin erheblich angespannt.

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Kurswechsel ist teuer

Der Kurswechsel der britischen Regierung kommt die Mobilfunk-Provider des Landes teuer zu stehen. Da die vierte Mobilfunkgeneration 4G (LTE) und 5G technisch aufeinander aufbauen, hätte bereits vorhandene LTE-Technik von Huawei vergleichsweise einfach auf 5G aufgerüstet werden können.

Wenn man im 5G-Netz Huawei jedoch als Anbieter ausschließt, müssen auch die 4G-Anlagen der Chinesen im Rahmen der 5G-Aufrüstung entfernt werden, obwohl die eigentlich noch voll funktionsfähig sind. Daher wehren sich auch die Provider in Deutschland dagegen, Huawei aus dem Kreis der Wettbewerber zu verbannen. Allerdings verwenden weder die Telekon noch Vodafone und Telefonica Huawei in ihren Kernnetzen. (APA, dpa)


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