Raumschiff "Solar Orbiter" schickt erste Sonnenbilder

Dieses Bild der Sonne – aufgenommen vom Solar Orbiter – veröffentlichte die ESA am 16 Juli.
© APA/AFP

Darmstadt, Graz, Wien – Das Raumschiff "Solar Orbiter" hat kein halbes Jahr nach seinem Start erste Bilder von der Sonne geschickt. Obwohl dies nur die ersten Aufnahmen seien, könne man bereits interessante neue Phänomene sehen, sagte Daniel Müller, Projektwissenschafter der europäischen Raumfahrtorganisation ESA, am Donnerstag bei der Präsentation der Bilder.

Einzigartig sei auch, dass bisher keine Mission Bilder von der Sonne aus einer derart geringen Entfernung aufnehmen konnte. Nur 77 Millionen Kilometer, quasi der halbe Weg zwischen Erde und Sonne, war der vom Europäischen Raumflugkontrollzentrum (Esoc) in Darmstadt gesteuerte Orbiter bei den Aufnahmen von unserem Heimatstern entfernt.

Sonnenbilder vom "Solar Orbiter"

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Die Raumsonde "Solar Orbiter" war im Februar vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida gestartet. Der Orbiter der ESA und der amerikanischen Raumfahrtagentur NASA soll auf seiner rund 1,5 Milliarden Euro teuren Mission neue Erkenntnisse zu unserem Heimatstern ermöglichen. Mit jedem Umlauf kommt die Sonde dem Zentralgestirn näher und soll Anfang 2022 in einem Abstand von 48 Millionen Kilometer mit dem eigentlichen wissenschaftlichen Programm beginnen. Sie soll sich der Sonne noch bis auf 42 Millionen Kilometer nähern.

Österreich an drei Instrumenten an Bord und an Sonde beteiligt

Österreich beteiligte sich an drei der zehn Instrumente an Bord sowie an der Sonde selbst. So leitete die Universität Graz die wissenschaftliche Softwareentwicklung des Röntgenteleskop STIX an Bord des "Solar Orbiter", das Einblicke in die Beschleunigung hochenergetischer Teilchen in Sonneneruptionen liefern möchte. In der Testphase hat das Gerät bereits mehr als 60 sehr kleine Sonneneruptionen beobachtet: "Das ist besonders spannend, weil die Sonnenaktivität gerade sehr gering ist und kein einziger Sonnenfleck zu sehen ist", erklärte Astrid Veronig, Sonnenphysikerin am Institut für Physik der Uni Graz. Durch den Vergleich der Mikro-Eruptionen mit normal großen Ausbrüchen erwartet man sich u.a. neue Erkenntnisse über die Aufheizung des äußeren Strahlenkranzes.

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Das Institut für Weltraumforschung Graz (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) entwickelte den Bordcomputer für das Radio- und Plasmawellen-Instrument (RPW) und kalibrierte dessen Antennen. Es soll die magnetischen und elektrischen Felder in hoher zeitlicher Auflösung messen und mithilfe mehrerer Sensoren und Antennen die elektromagnetischen und elektrostatischen Wellen im Sonnenwind charakterisieren. "Das Gerät ist einzigartig unter den Instrumenten von Solar Orbiter, da es einerseits die Plasmawellen in der Umgebung der Sonne misst, aber auch den Ort der Entstehung auf der Sonne bestimmen kann", erläuterte IWF-Gruppenleiter Manfred Steller. Darüber hinaus hat das IWF beim Magnetometer (MAG) mitgewirkt, das Messungen des Sonnenmagnetfeldes macht. Im Fokus stehen Fragen zum stabileren Magnetfeld und zu den magnetischen Wellen und zu den Auswirkungen von Schwankungen auf das Sonnensystem.

Sonnenwind kann auf der Erde Schaden anrichten

Die Sonde wird erstmals auch die Pole des Sterns überfliegen und damit die weniger bekannten Regionen der Sonne von oben erforschen: "Sie sind zentral für die Beschaffenheit des Magnetfeldes - und dieses wiederum beeinflusst die gesamte Sonnenaktivität", erklärte Veronig. Der Sonnenwind, plötzliche Strahlungsausbrüche, Auswürfe von Materie oder die Beschleunigung von hochenergetischen Teilchen können auf der Erde großen Schaden anrichten - von falschen Satellitensignalen bis zu weiträumigen Stromausfällen.

Um vor den hohen Temperaturen von mehreren Hundert Grad geschützt zu sein, verfügt die Raumsonde über ein Hitzeschild aus Titan. Für die Thermalisolation des Satelliten ist die Wiener Weltraumfirma RUAG Space zuständig. (APA/dpa)


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