Der Ritt hinter den „Eisernen Vorhang“

200.000 Zuschauer pilgerten 1986 zum Ungarn-Rennen, das vor allem politisch hohe Wellen schlug.

  • Artikel
  • Diskussion
Ayrton Senna am Ungarn-Ring.
© JEAN-LOUP GAUTREAU

Budapest – Eigentlich wollte Formel-1-Boss Bernie Eccle­stone ja ein Rennen mitten in Moskau veranstalten. Aber die Gegenwehr hinter dem "Eisernen Vorhang" gegen diese Idee des britischen Strippenziehers war zu groß. Das damalige Kadar-Regime in Ungarn sah das anders. In neun Monaten stampfte man den Hungaroring aus dem Boden, um 1986 erstmals die Pforten für die Königsklasse zu öffnen.

180.000 Fans an den Trainingstagen, 200.000 am Rennsonntag – damit hatte niemand gerechnet. Das Motorsport-Interesse im Ostblock war immens. Und auch die rot-weiß-roten Fans nützten die kurze Anreise ins Nachbarland, um das Rennen hautnah zu erleben. Ein Boom, den sich das englische Finanzgenie Ecclestone in den weiteren Jahren zunutze machte. Hätte man vor 34 Jahren nicht den viel kritisierten Schritt Richtung Osten gewagt, Rennen in Russland, Aserbaidschan, China oder auch im arabischen Raum wären heute noch nicht möglich. Daher darf man Ecclestone als den eigentlichen Gewinner 1986 sehen.

Sportlich bot der zweite Große Preis von Ungarn – der erste war 1936 über die Bühne gegangen – ein Duell des damals aufstrebenden Ayrton Senna und seinem brasilianischen Landsmann Nelson Piquet. Senna, der im kultig schwarz-golden lackierten Lotus saß, lieferte sich einen intensiven Zweikampf mit Piquet im Williams.

Der heute 67-jährige Piquet war Anfang des Jahres von Brabham, das Ecclestone gehörte, gekommen. Das hatte rein finanzielle Gründe: "Bernie bot mir 1,6 Millionen Dollar, Frank (Williams, Anm.) 3,3 Millionen. Da ging ich sofort zu Williams." Beim britischen Rennstall entstand zwischen ihm und Teamkollege Nigel Mansell (GBR) ein Hass-Duell, bei dem Piquet sogar Mansells Ehefrau beschimpfte. 1987 gewann der 1952 geborene Brasilianer seinen dritten WM-Titel.

"Ice Road": 50x2 Karten für den Premieretag gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Den Ungarn-Auftritt gewann ebenso Piquet mit einem sehenswerten Überholmanöver, als sein Williams Sennas Lotus am Ende der Zielgerade außen überholte. Am Ende des Jahres war es allerdings der Franzose Alain Prost, der zusammen mit McLaren den WM-Pokal in die Höhe stemmte. (suki)


Kommentieren


Schlagworte