Trans*-Themen auf Facebook: Hass und Vorurteile statt seriöser Inhalte

Diskussionen auf Facebook zu trans*-spezifischen Themen werden oft von Rechten unterwandert. Sie verbreiten Vorurteile und sorgen dafür, dass Betroffene häufiger Opfer von Cybermobbing werden.

Neben der Regenbogenfahne wird in der LGBTIQ-Community auch häufig die Trans-Pride-Flagge (im Bild) geschwungen.
© ROBYN BECK

Washington – 65 Prozent der User-Interaktionen auf Facebook zum Thema Transidentität stammen von stark rechtsgerichteten Medien. Das zeigt eine Studie des Portals Media Matters for America. Nur 15 Prozent der Interaktionen zum Thema stammen demnach von LGBTIQ-Quellen selbst.

„Wenn User im Internet nach Transgender-Themen suchen, sollten sie seriöse Informationen und vor allem Selbsthilfegruppen finden“, kritisiert Andrea Ottmer, zweite Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti.org) in einem Gespräch mit pressetext.com.

Auf Google sei das meistens bereits der Fall. Aber in sozialen Medien sei das schwer auf Einzelpersonen anzuwenden, „weil sie alle in ihrer eigenen Blase leben“. „Menschen, die hier nicht aktiv nach den richtigen Inhalten suchen, werden sie auch nicht finden“, so Ottmer. Media Matters for America hat für die Studie 225 Facebook-Inhalte (Artikel, Videos, Blog-Postings) zum Thema „Transgender“ analysiert, die in Summe etwa 66 Millionen User-Interaktionen erreichten. Ein großer Teil dieser Inhalte stammte von rechtsgerichteten Quellen, die von der Non-Profit-Organisation Southern Poverty Law Center sogar als extremistisch eingeschätzt wird.

Vor allem die Diskussion über transidente Sportler und über die medizinische Versorgung von Trans*-Personen wird auf Facebook von rechten Quellen dominiert. Media Matters for America zufolge führt das dazu, dass häufig Vorurteile und Fehlinformationen zu trans*-spezifischen Themen verbreitet werden, was dem Diskurs aktiv schade. Vor allem aber würden Trans*-Personen dadurch häufiger Opfer von Cybermobbing auf Facebook. (pte, TT.com)

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Was ist Transidentität?

Transidente Personen (umgangssprachlich auch als „Transsexuelle“ oder "Transgender"-Personen bezeichnet) sind in ihrem biologischen Geschlecht eindeutig bestimmt. Diese biologischen Männer oder Frauen fühlen sich aber dem jeweils anderen psychischen Geschlecht zugehörig und streben teils über eine chirurgische oder hormonelle Therapie die Anpassung ihres Körpers an ihr psychisches Geschlecht an.

Eine körperliche oder seelische geschlechtsbezogene Zwischenstellung nehmen Transidente in der Regel nicht ein. Es geht bei ihnen laut einer Stellungnahme des Deutschen Ethikrats aus dem Jahr 2012 um die „Zugehörigkeit zum männlichen oder weiblichen Pol, bei den Intersexuellen hingegen um eine Zwischenstufe“.


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