Forscher fordern: "Plastikwelle" durch Systemwechsel verringern

Die jährliche Plastikverschmutzung kann durch einen Systemwechsel im Vergleich zum "Weitermachen wie bisher" um 78 Prozent bis 2040 verringert werden, berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachjournal Science.

Plastik am Strand unweit von Panama City.
© LUIS ACOSTA

Innsbruck, Wien – So wie Kohleschichten ein lange vergangenes Erdzeitalter markieren, wird die aktuelle Ära durch Plastikablagerungen erkennbar sein, so Geologen. Die jährliche Plastikverschmutzung kann aber durch einen Systemwechsel im Vergleich zum "Weitermachen wie bisher" um 78 Prozent bis 2040 verringert werden, berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachjournal Science.

Die Plastikanreicherung an Land und im Wasser sind mit den aktuellen Abfall-Management-Systemen nicht verhinderbar, so die Forscher um James Palardy vom "The Pew Charitable Trust" in Washington DC (USA): Sie haben weltweit gar nicht die Kapazität, all das Plastik zu beseitigen oder zu recyceln, das hergestellt wird.

"Weitermachen" lässt "Plastikwelle" dreimal so hoch werden

Die Forscher, zu denen auch Martin Stuchtey vom Institut für Geographie der Universität Innsbruck gehört, berechneten, wie hoch die "Plastikwelle" bis zum Jahr 2040 anwachsen wird und wie sehr man ihr mit verschiedenen Maßnahmen Einhalt gebieten könnte. Ein Weitermachen wie bisher (Business as usual) ließe sie knapp dreimal so hoch werden. Dieses Szenario zeigt einen Anstieg des Plastikeintrags ins Meer von 11 Millionen auf 29 Millionen Tonnen jährlich, so Stuchtey in einer Aussendung der Uni Innsbruck: "Das würde fast 50 Kilogramm Kunststoff pro Meter Küstenlinie weltweit entsprechen", sagte er.

Durch massive Anstrengungen, Plastik weltweit zu sammeln und entsorgen, könne man im Vergleich zum Weitermachen-Szenario die Plastikverschmutzungsraten um 57 Prozent verringern, durch engagiertes Recycling um 45 Prozent. Kunststoff wo immer möglich durch beschichtetes Papier und kompostierbare Materialien zu ersetzen, würde den Umwelteintrag um 59 Prozent reduzieren. Kombiniert man alle Maßnahmen in einem "Systemwechsel-Szenario", sinkt die jährliche Verschmutzung im Vergleich zum "Weitermachen wie bisher" bis 2040 um 78 Prozent. Das wäre auch weniger als aktuelle, und zwar um rund 40 Prozent.

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Das würde aber immer noch bedeuten, dass bis ins Jahr 2040 insgesamt 710 Millionen Tonnen Plastik in die Umwelt eingetragen werden. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 wurden weltweit insgesamt 380 Millionen Tonnen Kunststoff hergestellt.

Verzögerung würde zusätzliches Plastik in die Umwelt bringen

"Diese Maßnahmen könnten aber schon mit Hilfe der heute verfügbaren Technologien und Lösungen umgesetzt werden", so Stuchtey. Es wäre auch wichtig, dass dies sofort geschieht: Eine Verzögerung um fünf Jahre würde laut Modellen zusätzliche 300 Millionen Tonnen Plastik in die Umwelt bringen.

Zusätzlich zur Verbesserung der Lebensbedingungen zu Land und in den Gewässern könnte man durch einen Systemwechsel im Plastik-Management Geld und Treibhausgase sparen, nämlich insgesamt 70 Milliarden US-Dollar (60 Milliarden Euro) und jährlich 25 Prozent weniger Treibhausgase aus der Kunststoffherstellung. Zudem würden 700.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, so Stuchtey. (APA)


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