EZB: Banken sollten bis Anfang 2021 keine Dividenden ausschütten

Auch auf Aktienrückkäufe sollten Geldhäuser bis dahin verzichten, vor allem um ausreichend Mittel für die Kreditvergabe an Privatleute und Firmen zu haben..

Das Gebäude der EZB in Frankfurt.
© dpa

Frankfurt – Banken im Euroraum sollen nach dem Willen der Aufseher bis zum 1. Jänner 2021 auf die Ausschüttung von Dividenden sowie Aktienrückkäufe verzichten. Das soll die Fähigkeit der Geldhäuser in der Coronapandemie stärken, mögliche Verluste zu verkraften und ausreichend Mittel für die Kreditvergabe an Privatleute und Firmen zu haben.

"Der Aufbau starker Kapital- und Liquiditätspuffer seit der letzten Finanzkrise hat es den Banken in dieser Krise ermöglicht, weiterhin Kredite an private Haushalte und Unternehmen zu vergeben und damit zur Stabilisierung der Realwirtschaft beizutragen", begründete der Chef der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), Andrea Enria, am Dienstag. Die heimische Finanzmarktaufsicht (FMA) unterstützt die Empfehlungen der europäischen Finanzaufseher.

Umso wichtiger ist es, die Banken zu ermutigen, ihre Kapital- und Liquiditätspuffer jetzt zu nutzen, um sich weiterhin auf diese übergeordnete Aufgabe zu konzentrieren: die Kreditvergabe.
Chef der EZB-Bankenaufsicht Andrea Enria

Möglichkeit, Dividenden in Form von eigenen Aktien auszuschütten

Die FMA appelliert an die heimische Finanzinstitute, aufgrund der Coronakrise umsichtig zu agieren: "Angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheit aufgrund der globalen COVID-19-Krise ist jetzt nicht die Zeit, um über Dividenden, Aktienrückkäufe oder umfangreiche Vergütungspakete zu diskutieren", so die FMA-Vorstände Helmut Ettl und Eduard Müller am Dienstag in einer Aussendung. Die Finanzmarktaufseher rufen die Österreichs Banken und Versicherungsunternehmen dazu auf, ihre gute Kapitalbasis zu erhalten und weiter zu stärken, um die österreichische Wirtschaft bei einem raschen Aufschwung kraftvoll unterstützen zu können.

Bisher hatte die EZB an Banken appelliert, mindestens bis zum 1. Oktober dieses Jahres keine Dividenden an ihre Aktionäre auszuzahlen. Viele Banken strichen in der Folge geplante Gewinnausschüttungen für das Geschäftsjahr 2019 oder verringerten diese zumindest. Die Finanzinstitute haben aber noch die Möglichkeit, Dividenden in Form von eigenen Aktien auszuschütten. Dies schmälert die Eigenkapital-Basis nicht. Diese Variante wurde von der EZB in ihrem aktuellen Beschluss nicht eingeschränkt.

Bankensektor kann Folgen der Corona-Krise abfedern

Europas Banken sind nach Einschätzung der EZB-Aufseher ausreichend gegen Rückschläge in der Corona-Krise gerüstet. Sollte sich das wirtschaftliche Umfeld noch deutlich verschlechtern, würden die Kapitalpuffer der Institute allerdings "erheblich" zusammenschmelzen, warnte die EZB am Dienstag. In einem solchen Fall müssten die Behörden bereit sein, weitere Maßnahmen zu ergreifen, "um einen gleichzeitigen Schuldenabbau durch Banken zu verhindern, der die Rezession vertiefen könnte", meinte Enria.

Die Aufseher analysierten anhand von zwei Szenarien, wie die Kapitalpuffer von 86 Instituten im Euroraum reagieren würden, die direkt von der EZB beaufsichtigt werden. In der ersten Berechnung, die die EZB für wahrscheinlicher hält, geht die Notenbank von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung im Währungsraum um 8,7 Prozent im laufenden Jahr aus. Im zweiten Fall wird ein tieferer Absturz um 12,6 Prozent unterstellt. In beiden Szenarien erwartet die EZB, dass die Wirtschaft 2021 wieder auf Wachstumskurs gehen wird - wenn auch unterschiedlich schnell.

Die EZB beaufsichtigt seit November 2014 die größten Banken und Bankengruppen im Euroraum direkt, derzeit sind dies 115 Institute im gemeinsamen Währungsraum, die für fast 82 Prozent des Markts im Währungsraum der 19 Länder stehen. (APA, dpa, TT.com)


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