Equal Pension Day: Seit 2015 um vier Tage verbessert

Ein OECD-Vergleich zeigt: Nur in Japan ist der Unterschied zwischen Frauen- und Männerpensionen höher. Frauen hinken auch bei den Firmenpensionen hinterher.

Bei der Verringerung der Pensionsschere zwischen Frauen und Männern geht es unter anderem um Erwerbskarrieren, die Möglichkeit Beruf und Familie in Einklang zu bringen.
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Wien – Der Anteil der betrieblichen und privaten Pensionen ist in Österreich laut OECD-Daten im internationalen Vergleich weiter niedrig, die erste staatliche Säule dominiert. Frauen erhalten in Österreich rund 40 Prozent weniger Pensionseinkommen als Männer, nur in Japan ist die Pensionsschere größer. Auch bei Firmenpensionen und privaten Pensionen hinken Frauen hinterher.

Dies geht aus dem IHS-Policy-Brief zum jüngsten OECD-Bericht "Pension Markets in Focus 2019 " hervor, der heute von IHS-Chef Martin Kocher und Martin Sardelic, Chef des Pensions- und Vorsorgekassenanbieters Valida, präsentiert wurde. Demnach ist der relative Unterschied im durchschnittlichen Pensionseinkommen aller drei Säulen - gesetzlich, betrieblich und privat - nur in Japan höher als in Österreich. Es gibt kein OECD-Land, in dem Frauen höhere Pensionseinkommen haben als Männer. Im OECD-Durchschnitt beträgt der Unterschied 26 Prozent, am geringsten ist er in Estland mit 5 Prozent.

Wie Berechnungen der Stadt Wien für den Städtebund anhand von Statistiken der Pensionsversicherung ergeben, hat sich der Equal Pension Day heuer im Vergleich zum Vorjahr zwar um einen Tag nach hinten verschoben. Diese "Verbesserung" kommt allerdings nur aufgrund des Schaltjahres zustande, de facto sind die Frauenpensionen nahezu gleich niedrig geblieben. Im Vergleich zum Jahr 2015, als erstmals diese Auswertung vorgenommen wurde, hat sich jedoch eine Verbesserung um vier Tage ergeben.

Equal Pension Day

➤ Am Donnerstag ist Equal Pension Day in Österreich – das ist jener Tag, an dem der durchschnittliche Pensionist seit Beginn des Jahres jenen Betrag erhalten hat, den die durchschnittliche Pensionistin erst mit Jahresende erreichen wird. Frauen bekommen demnach um 41,9 Prozent weniger Pension als Männer.

➤ Starke Unterschiede gibt es zwischen den Bundesländern. Wien ist das einzige Bundesland, das den Equal Pension Day erst im September (2.9.) feiert, Kärnten am 4. August, alle anderen Bundesländer begehen diesen Tag zwischen 7. Juli (Vorarlberg) und 29. Juli (Salzburg).

➤ Die Pensionsversicherungs-Jahresstatistik hat für Tirol dieses Jahr den 20. Juli als Equal Pension Day errechnet (Gesamtösterreich 30. Juli). In Tirol erhalten Frauen 44,6 Prozent weniger Pension bzw. 163 Tage des Jahres kein Geld.

➤ Im Vergleich zum Vorjahr hat sich Wien um drei Tage verbessert, Burgenland und Salzburg um zwei Tage, alle anderen Länder nur um einen Tag. Im Vergleich zu 2015 ist der Equal Pension Day in Wien sogar um zwölf Tage nach hinten gerutscht, im Burgenland um acht und in Niederösterreich um sechs Tage. Schlusslicht ist Tirol mit einer Verbesserung um nur einen Tag.

Nur zwei Prozent der Frauen erreichen 45 Versicherungsjahre

Für die Pensionslücke von 41,8 Prozent machen die Autoren der Untersuchung mehrere Gründe aus. So haben Frauen im Schnitt zehn Beitragsjahre weniger als Männer, größtenteils verursacht durch betreuungsbedingte Erwerbsunterbrechungen - denn das durchschnittliche Antrittsalter zur Alterspension unterscheidet sich nur durch rund drei Jahre. Bei den 2018 neu zuerkannten Alterspensionen erreichten nur zwei Prozent der Frauen jene 45 Versicherungsjahre, die 80 Prozent des durchschnittlichen Monatseinkommens als Pension garantieren. Bei den Männern waren es 52 Prozent.

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Dazu kommt die Lohnschere, die sich auch in der Pension auswirkt: Frauen verdienen in Österreich in Vollzeit um 19,7 Prozent weniger als Männer, was deutlich über dem EU-Durchschnitt von 16,7 Prozent liegt. Und Frauen arbeiten oft in schlechter bezahlten Branchen.

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Pensionssplitting nur freiwillig und mit gemeinsamen Kindern möglich

Bei der Verringerung der Pensionsschere zwischen Frauen und Männern gehe es unter anderem um Erwerbskarrieren, die Möglichkeit Beruf und Familie in Einklang zu bringen und auch das Pensionssplitting, so Kocher. Derzeit gibt es in Österreich ein Pensionssplitting, das nur freiwillig und nur mit gemeinsamen Kindern möglich ist. Gefordert wird vielfach ein automatisches Pensionssplitting. Zuletzt hat Juliane Bogner-Strauß, Chefin der ÖVP-Frauen, an Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) appelliert, dieses "so schnell wie möglich" umzusetzen.

Kocher verwies heute auf eine verhaltensökonomische Lösung des Problems, die das IHS vor einiger Zeit genannt hatte. Im Moment müsse man sich aktiv um ein Splitting bemühen. Man könnte das umdrehen, dass ein Antrag gestellt werden müsse, damit kein Pensionssplitting erfolge. Das würde einen starken Effekt haben. Man müsste sich das genauer anschauen, nicht in allen aber in den meisten Fällen würde das den Frauen zugutekommen.

AK fordert Maßnahmen

Die Arbeiterkammer fordert in einer Aussendung am Mittwoch ein Maßnahmenpaket, das eine verbesserte Kinderbetreuung ebenso beinhaltet wie eine Qualifizierungsoffensive in Zukunftsberufen, Lohntransparenz und eine bessere Anrechnung der Kindererziehungszeiten.“

➤ Elementarbildung & Ausbau Ganztagsschulen: Es braucht ein Recht auf Elementarbildung ab dem ersten Geburtstag des Kindes und einen raschen Ausbau der Ganztagsschulen und Pflegeangebote. Knackpunkte sind unbezahlte Pflege und Betreuung – Frauen müssen da freigespielt werden, um gleiche Chancen am Arbeitsmarkt zu haben.

➤ Qualifizierungsoffensive: Eine Qualifizierungsoffensive soll die Ausbildung von Frauen in Zukunftsberufen unterstützen. Ausbau der Unterstützungen für Wiedereinsteigerinnen.

➤ Arbeitszeitverkürzung mit Lohnausgleich: Das erleichtert Beruf und Familie zu vereinbaren und Betreuungspflichten partnerschaftlich aufzuteilen.

➤ Lohntransparenz: Notwendig ist Lohntransparenz, damit versteckte Diskriminierungen bei der Bezahlung sichtbar bekämpft werden können.

➤ Zeitverwendungsstudie vorantreiben: Es sind bessere Datengrundlagen nötig, um die Arbeit von Frauen sichtbarer zu machen. Die Umsetzung der Zeitverwendungsstudie darf nicht länger verschleppt werden.

➤ Bessere Kindererziehungszeiten-Anrechnung: Die AK unterstützt den Plan der ÖGB-Frauen: Kindererziehungszeiten sollen bis zum achten Lebensjahr stufenweise angerechnet werden. Pensionsnachteile wegen Kinderbetreuung wären so besser ausgeglichen

Geschlechterunterschied auch im nicht-staatlichen System

Einen Geschlechterunterschied gibt es in Österreich auch im nicht-staatlichen System: So liegt etwa der Anteil der Männer im erwerbsfähigen Alter, die durch eine betriebliche und private Vorsorge abgedeckt sind, bei 26 Prozent, bei den Frauen sind es nur 18 Prozent. Über eine private Altersvorsorge verfügten 15 Prozent der Männer und 10 Prozent der Frauen. Eine betriebliche Pensionsversicherung hatten 2014 bei den Männern 13 Prozent, bei den Frauen acht Prozent. Nur drei Prozent Pensionistinnen und knapp zehn Prozent der Pensionisten verfügen über eine Zusatzpension. Firmenpensionen sind in typischen männerdominierten Berufen und Branchen stärker vertreten.

Von einer Stärkung der Firmenpensionen insgesamt würden auch Frauen profitieren, hieß es. Mit einem Generalpensionskassenvertrag könnten neben einer generellen Erhöhung der Anteile der zweiten und dritten Säule auch mehr Frauen einen Anspruch auf Firmen bekommen, so Sardelic. Eine Stärkung der betrieblichen Vorsorge würde auch das sogenannte EET-System bringen, bei dem die Besteuerung nicht in der Anfangsphase, sondern bei Pensionsauszahlungen erfolgt. Längerfristig würde sich dies auch für den Staat positiv auswirken, so Kocher unter Verweis auf eine frühere IHS-Studie. Eine Diversifikation über die Säulen hinweg müsse nicht unbedingt zu mehr Individualisierung des Pensionssystems führen.

Betriebliches Pensionsvermögen im letzten Jahrzehnt gleich geblieben

Sardelic forderte heute vor Journalisten auch eine Förderung für Bezieher von niedrigen Einkommen unter der Einkommensteuer-Grenze. Insgesamt sei das Bild im internationalen Vergleich bezüglich der betrieblichen Vorsorge unverändert. Laut IHS machte das Anlagevermögen der kapitalgedeckten Pensionsvorsorge 2018 einen BIP-Anteil von 5,5 Prozent aus, im Jahr 2008 waren es 4,3 Prozent. Österreich lag damit an viertletzter Stelle. Am höchsten ist der Anteil in Dänemark, am geringsten in Griechenland.

Entgegen dem OECD-Trend hat sich laut IHS-Policy-Brief das betriebliche Pensionsvermögen im letzten Jahrzehnt nicht erheblich erhöht. Die Beiträge der Pensionskassen in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) lagen 2018 bei 0,3 Prozent (2008: 0,4 Prozent) und damit an drittletzter Stelle. (APA)


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