Biden reist nicht zu Parteitag, Trump überlegt Rede aus Weißem Haus

Während der ehemalige Vizepräsident Joe Biden wegen der Corona-Pandemie aus der Ferne zu den Delegierten sprechen wird, überlegt US-Präsident Donald Trump einen Tabubruch. Er könnte seine Rede vom Weißen Haus aus halten.

Joe Biden will Donald Trump im Weißen Haus ablösen.
© OLIVIER DOULIERY

Washington – Der designierte US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden wird wegen der Corona-Pandemie nicht zum Parteitag der Demokraten nach Milwaukee (Wisconsin) reisen. Biden werde seine Rede zur Nominierung im US-Bundesstaat Delaware halten, wo er zuhause ist, erklärte die Demokratische Partei am Mittwoch.

Details sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden. Auch andere Redner bei dem Parteitag würden nicht nach Milwaukee reisen, hieß es. Unterdessen spielt Amtsinhaber Donald Trump mit der Idee, seine Nominierungsrede aus dem Weißen Haus zu halten.

Parteitag der Demokraten von 17. bis 20. August geplant

Wegen befürchteter Gesundheitsrisiken hatten die Demokraten den ursprünglich für Juli geplanten Parteitag bereits auf August verschoben und später angekündigt, die Versammlung weitgehend digital abzuhalten. Der Parteitag ist für den 17. bis 20. August geplant. Normalerweise nehmen an der mehrtägigen Veranstaltung Tausende Menschen teil, darunter Delegierte und Journalisten. Auch die Republikaner haben ihre Planungen für den Parteitag Ende August wegen der Corona-Pandemie umgeworfen.

Präsident Trump brachte wegen der Pandemie nun auch ins Spiel, die Rede nach seiner Nominierung, die für Ende August geplant ist, an seinem Amtssitz zu halten: "Wir denken darüber nach, es vom Weißen Haus aus zu tun, weil dann nichts in Bewegung gesetzt wird, es einfach ist, und ich denke, es ist eine wunderschöne Umgebung", sagte Trump am Mittwoch dem TV-Sender Fox.

Darf Weißen Haus überhaupt für Wahlkampf verwendet werden?

Dabei blieb zunächst unklar, ob die Nutzung des Amtssitzes für eine Parteiveranstaltung legal ist. Wie genau der Parteitag der Republikaner Ende August in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina ablaufen wird, ist unklar.

Trump will bei der Präsidentenwahl am 3. November gegen den designierten demokratischen Kandidaten Biden antreten. Der 77-jährige Biden gilt seit April nach dem Ausscheiden seiner Mitbewerber bereits als sicherer Kandidat der Demokraten. Anfang Juni hatte er sich nach eigenen Angaben bei Vorwahlen die nötigen Delegiertenstimmen für die Nominierung als Kandidat seiner Partei gesichert. Biden war unter Präsident Barack Obama Vizepräsident gewesen.

Trump warnte auf Fox unterdessen vor einer chaotischen Wahl im November aufgrund vieler erwarteter Briefwahlstimmen. Die Verkündung des Ergebnisses könnte sich "Monate oder Jahre" hinziehen und zum "Desaster" werden. Tatsächlich gehen Beobachter davon aus, dass das Ergebnis der Abstimmung nicht wie sonst üblich in der Wahlnacht feststeht.

Trotz Infektionsrisikos drängt Trump auf persönliche Stimmabgabe

Trump drängt trotz der Pandemie darauf, dass möglichst viele Menschen persönlich zur Abstimmung erscheinen. Auf die Frage, welche Sicherheitsmaßnahmen für Wähler getroffen würden, sagte er, die Infektionszahlen würden sinken und das Land sei bis dahin "wahrscheinlich in einer großartigen Verfassung".

In den USA mit rund 330 Millionen Einwohnern sind bisher mehr als 156.000 Menschen an einer Coronavirus-Infektion gestorben, wie aus den Daten der Universität Johns Hopkins in Baltimore hervorgeht. Bisher gibt es über 4,7 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2. Das ist in absoluten Zahlen mehr als in jedem anderen Land der Welt. Gemessen an der Gesamtbevölkerung schneiden Länder wie Italien, Spanien und Großbritannien schlechter ab. (APA, dpa)


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