Staatsanwaltschaft bestätigt weitere Anklagen im Audi-Abgasskandal

Vier weitere Manager sollen sich in einem separatem Strafverfahren vor Gericht verantworten. Im Zusammenhang mit dem Skandal um manipulierte Dieselabgaswerte laufen bereits Verfahren gegen den früheren Audi-Chef Rupert Stadler und drei weitere Beschuldigte

Das Audi-Hauptquartier in Ingolstadt war in der Vergangenheit mehrmals Ziel einer Razzia der Staatsanwaltschaft. (Archivfoto)
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München, Ingolstadt – Im Skandal um massenhafte Abgasmanipulationen bei Audi erhebt die Staatsanwaltschaft gegen weitere Ex-Manager Anklage. Nach dem früheren Vorstandschef Rupert Stadler und drei weiteren Angeklagten sollen sich in einem separaten Strafverfahren nun vier zusätzliche Ex-Audi-Manager vor Gericht verantworten, wie die Staatsanwaltschaft München am Donnerstag mitteilte.

Das Handelsblatt und Reuters hatten bereits zuvor unter Berufung auf Insider von den Anklagen berichtet. Den Verantwortlichen werden Betrug, mittelbare Falschbeurkundung und strafbare Werbung vorgeworfen.

Fahrzeuge mit dieser sogenannten Abschalteinrichtung

Die Anklage gegen drei frühere Vorstandsmitglieder und einen im Ruhestand befindlichen Hauptabteilungsleiter wurde am Mittwoch bei der Wirtschaftskammer des Landgerichts München II eingereicht, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Den vier Beschuldigten würden Betrug, mittelbare Falschbeurkundung sowie strafbare Werbung vorgeworfen. Die Anklage umfasse insgesamt 434.420 Fahrzeuge der Marken Audi, VW und Porsche, die vor allem in den USA und Europa verkauft worden seien.

Dem früheren Hauptabteilungsleiter wird laut Staatsanwaltschaft zur Last gelegt, für Fahrzeuge der Marken Audi, VW und Porsche die Entwicklung von Motoren veranlasst zu haben, deren Steuerung mit einer unzulässigen Softwarefunktion ausgestattet war. Diese Softwarefunktion bewirke, dass die Abgasminderung auf dem Prüfstand besser funktioniere als auf der Straße. Fahrzeuge mit dieser sogenannten Abschalteinrichtung seien in der Folge in großer Zahl abgesetzt und in den Verkehr gebracht worden.

Mehrjährige Haftstrafen drohen

Den ehemaligen Vorständen werde ab jeweils unterschiedlichen Zeitpunkten zwischen Oktober 2013 und September 2015 vorgeworfen, in Kenntnis der Manipulationen den weiteren Absatz von betroffenen Fahrzeugen von Audi und VW veranlasst beziehungsweise nicht verhindert zu haben. Einem der früheren Vorstände werde darüber hinaus vorgeworfen, Audi im Vorfeld seiner Berufung in den Vorstand im Jahr 2016 über seine Beteiligung an den Manipulationen getäuscht und so in betrügerischer Weise Vorstandsvergütungen erhalten zu haben.

Im Zusammenhang mit dem Skandal um manipulierte Dieselabgaswerte laufen bereits Verfahren gegen den früheren Audi-Chef Rupert Stadler und drei weitere Beschuldigte. Der Betrugsprozess soll am 30. September vor dem Landgericht München II beginnen.

Stadler und drei weitere Beschuldigte müssen sich neben Betrug auch wegen mittelbarer Falschbeurkundung und strafbarer Werbung vor Gericht verantworten. Ihnen drohen mehrjährige Haftstrafen. (APA, Reuters)


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