Rote Zahlen, Jobabbau: Wie tief die Airlines in der Krise stecken

Den meisten Fluggesellschaften hat die Corona-Pandemie im abgelaufenen Quartal Rekordverluste eingebrockt. In der besonders hart von den Reisebeschränkungen getroffenen Branche stehen Zehntausende Arbeitsplätze auf der Kippe. Ein Überblick.

Die Coronavirus-Pandemie hat dem Lufthansa-Konzern im zweiten Quartal Milliardenverluste eingebrockt.
© DANIEL ROLAND

Lufthansa: Die mit milliardenhoher Staatshilfe gestützte Airline-Gruppe flog bei einem Umsatzeinbruch um 80 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro einen operativen Verlust von 1,7 Mrd. Euro ein. Unter dem Strich brockte die Pandemie der AUA-Mutter im ersten Halbjahr rund drei Mrd. Euro Verlust ein. Die Lufthansa erklärte im Mai, voraussichtlich brauche sie 26.000 ihrer knapp 138.000 Mitarbeiter auf Dauer nicht mehr. Durch Personalabbau vor allem im Ausland verließen bereits 8300 Beschäftigte das Unternehmen. Personalkostensenkungen durch weniger Lohn und mehr Teilzeit sollen die Zahl derjenigen, die gehen müssen, drücken.

AUA: Die Corona-Krise sorgte bei der Lufthansa-Tochter allein im zweiten Quartal für einen operativen Verlust von 99 Mio. Euro. Im Vorjahr hatte Austrian Airlines zwischen April und Juni noch 46 Mio. Euro Gewinn gemacht. Der Umsatz brach um 94 Prozent auf 35 Mio. Euro ein. Die Fluglinie beförderte im zweiten Quartal nicht mehr als 53.000 Passagiere. "Das haben wir in guten Zeiten normalerweise in eineinhalb Tagen", sagte eine Sprecherin. Die Zahl der Mitarbeiter sank bei der AUA bisher von 6999 auf 6756.

Die AUA startete nach der Corona-Pause am 15. Juni wieder.
© HELMUT FOHRINGER

Ryanair: Die Pandemie radierte bei Europas Marktführer im Zeitraum April bis Juni 95 Prozent des Vorjahresumsatzes aus. Der Billigflieger aus Irland machte bei einem Erlös von 125 Mio. Euro erstmals in der Firmengeschichte einen Nettoverlust, der mit rund 185 Mio. Euro aber im Branchenvergleich niedrig ausfiel. Die Airline hatte im Frühjahr 3000 von rund 19.000 Stellen zur Disposition gestellt. Die Beschäftigten können durch Lohnkürzungen um bis zu 20 Prozent und andere Zugeständnisse Arbeitsplätze retten. Bisher verloren gut 250 Büroangestellte ihre Jobs. Die Tochter Laudamotion wurde zum reinen Flugbetrieb degradiert, die Fluglizenz soll von Wien nach Malta verlagert werden.

IAG: Der britisch-spanische Konzern wies bei einer Umsatzhalbierung auf 5,3 Mrd. Euro einen Betriebsverlust von 1,37 Mrd. Euro aus. Belastungen wie das Ausmustern von Jets erhöhten den Verlust auf 2,2 Mrd. Euro netto. IAG hatte im April angekündigt, bei der britischen Tochter British Airways 12.000 Arbeitsplätze zu streichen, mehr als ein Viertel. Mit der Gewerkschaft der rund 4300 Piloten vereinbarte die Airline Lohn- und Arbeitszeitkürzungen, sodass noch etwa 270 Cockpit-Beschäftigte von Bord gehen müssen über Kündigungen. Die Flotte der spanischen Tochter Iberia wird verkleinert. Wie viele Arbeitsplätze der Krise zum Opfer fallen werden, ist noch unklar. Das gilt auch für den spanischen Billigflieger Vueling. Bei der irischen Tochter Aer Lingus sollen bis zu 500 und damit mehr als zehn Prozent der Beschäftigten gehen. Die österreichische Tochterairline Level Europe mit rund 240 Mitarbeitern wurde in die Pleite geschickt.

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Air France KLM: Die französisch-niederländische Gruppe machte bei nur 1,18 Mrd. Euro Umsatz (minus 83 Prozent zum Vorjahr) einen Betriebsverlust von 1,55 Mrd. Euro. Der Nettofehlbetrag summierte sich sogar auf 2,6 Mrd. Euro durch Abschreibungen auf stillgelegte Flugzeuge, Belastungen bei Termingeschäften gegen Ölpreisschwankungen und Rückstellungen für Personalabbau. Air France und die jüngere Schwester Hop! wollen zusammen 7.580 Arbeitsplätze streichen. Bei der Kernmarke sind das 16 Prozent der Stellen, beim Billigflieger mehr als 40 Prozent. Beschäftigte in Frankreich protestierten gegen den Stellenabbau bei der Airline, die der staatliche Eigner mit sieben Mrd. Euro stützt. Bei der niederländischen Tochter KLM sollen bis 2022 bis zu 5000 der insgesamt 33.000 auf Vollzeit umgerechneten Stellen verschwinden. Der Staat hilft mit dreieinhalb Mrd. Euro Kredit aus der Krise.

Easyjet: Der britische Billigflieger erlitt in den drei Monaten bis Ende Juni umgerechnet knapp 360 Mio. Euro Verlust. Mit nur zehn ihrer 315 Flugzeuge im Einsatz kratzte die Airline sieben Mio. Pfund (7,75 Mio. Euro) Umsatz zusammen (Vorjahresquartal: 1,76 Mrd. Pfund). Im Mai hatte Easyjet gewarnt, 4500 Jobs sollten verschwinden – das wären 30 Prozent.

Mit nur zehn der 315 Flugzeuge im Einsatz kratzte Easyjet sieben Mio. Pfund Umsatz zusammen.
© TOBIAS SCHWARZ

Norwegian: Der schon vor Corona angeschlagene Billigflieger aus Norwegen legt Ende August Zahlen vor. Im April wurden Tochterfirmen in Schweden und Dänemark geschlossen. Damit waren 4700 Stellen in Cockpit und Kabine bedroht.

SAS: Bei der schwedisch-dänischen Airline sind nach früheren Aussagen bis zu 5.000 oder etwa die Hälfte der Stellen gefährdet. Inzwischen haben die Großaktionäre Dänemark, Schweden und die Wallenberg-Stiftung ein Rettungspaket geschnürt.

Wizz: Der ungarische Billigflieger brachte schon ab Mai und damit früh sowie auch relativ mehr Angebot als alle anderen auf den Markt. Von April bis Juni erreichte Wizz damit operativ einen kleinen Gewinn von knapp neun Mio. Euro, machte unter dem Strich aber 57 Mio. Euro Verlust. Jeder fünfte der rund 5.000 Beschäftigten muss um seinen Job bangen.

Wizz Air ließ das Geschäft früher als die meisten wieder anrollen.
© GERGELY BESENYEI

Condor: Der deutsche Ferienflieger will die Coronakrise ohne Personalabbau meistern, nachdem er durch die Pleite des Mutterkonzerns Thomas Cook im vergangenen Jahr einige hundert Mitarbeiter wegschicken musste. Krisenvereinbarungen mit den Gewerkschaften und Kurzarbeit sollen die Personalkosten der zuletzt knapp 4200 Beschäftigten ausreichend senken. Geschäftszahlen gibt Condor nicht bekannt. (APA/Reuters, TT.com)


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