TT-Leitartikel zum Unglück in Beirut: Libanon liegt voller Leben im Sterben

Zwischen Illusion und bösem Erwachen, zwischen kultureller und religiöser Vielfalt und tiefem Misstrauen, zwischen Himmel und Hölle droht dem Libanon der Kollaps. Doch das Land im Würgegriff seiner Nachbarn ist schon öfter von den Toten auferstanden.

Der zerstörte Hafen von Beirut. Hier fand die gewaltige Explosion statt.
© PATRICK BAZ

Von Christian Jentsch

In der Bar Torino wird Falco gespielt und das Leben gefeiert. Der wirtschaftliche Untergang, die zunehmende Verarmung breiter Bevölkerungsschichten, der dunkle Schatten der syrischen Tragödie, der auf dem Libanon liegt, der drohende Krieg Israels mit der schiitischen Hisbollah im Süden des Landes – all das bleibt außen vor. Zumindest für den Moment. Die Bar Torino liegt nahe dem Zentrum Beiruts, im christlichen Osten der Metropole, im Ausgehviertel Gemmayze, wo sich Bar an Bar reiht. Dort wo einst im libanesischen Bürgerkrieg (1975 bis 1990) mit seinen knapp 100.000 Toten die Front zwischen den christlichen und muslimischen Milizen verlief, tobt das Leben, trotz Krise, trotz Untergangsstimmung. Szenen aus Beirut im Frühjahr dieses Jahres knapp vor dem Corona-Lockdown.

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