Landesgeologe Thomas Figl: „Auf den Bergen ist sehr viel los“

Thomas Figl, Leiter der Landesgeologie.
© PERKANNG

In diesem Sommer wurde die Öffentlichkeit bis dato schon mehrmals mit heftigen Unglücken durch Steinschlag konfrontiert, gleichzeitig hört man von Bergführern, die wegen Gefahren andere Routen zum Gipfel nehmen. Ist das noch normal oder bröckeln die Berge infolge des Klimawandels mehr?

Thomas Figl: So pauschal kann man das nicht sagen, das wäre zu plakativ und kein­e qualitative Aussage, denn die Berge bröckeln, seit sie da sind. Sie sind immer schon in Bewegung gewesen. Dass bestimmte Wege im hochalpinen Gelände wegen Gefahren aufgegeben oder Gefahrenstellen umgangen werden müssen, ist an und für sich noch nichts Ungewöhnliches, das passiert im Hochgebirge ständig.

Dass der Klimawandel im Hochgebirge bereits Spuren hinterlässt, weil die Null-Grad-Grenze in die Höhen steigt und damit auch Permafrost auftaut, ist wissenschaftlich belegt – das löst nicht mehr Steinschlag aus?

Figl: Natürlich ist es tatsächlic­h der Fall, dass der Klimawandel bereits das Hochgebirge beeinflusst. Grundsätzlich ist damit zu rechnen, dass der Boden ab etwa 2500 Metern aufwärts tiefgefroren ist, durch steigende Temperaturen taut der Permafrost mehr und mehr auf. Das lockert das Gestein. Wenn es zu Felsstürzen und Rutschungen kommt, kann das aber mehrere Ursachen haben. Wir beobachten beispielsweise auch, dass die Hagelunwetter in den letzten Jahren vermehrt zugenommen haben und das verstärkt zu Hangrutschungen führt, überhaupt verursachen stationär heftige Gewitter häufiger Probleme.

Die ZAMG stellt seit Jahren mehr Niederschlag in kürzerer Zeit fest, macht Ihnen das als Geologe auch zu schaffen?

Figl: Wir stellen auch fest, dass die Niederschläge intensiver werden, deshalb haben wir als Geologen auch immer speziell gefährdet­e Hänge im Land nach Niederschlägen besonders im Auge.

Corona-bedingt zieht es heuer besonders viele Menschen in die Berge – werden die Gefahren von einigen unterschätzt?

Figl: Wenn man sich am Berg bewegt, muss man damit rechnen, dass es zu Steinschlag oder Ähnlichem kommen kann – teils werden diese durch Menschen ausgelöst. Es macht natürlich auch einen Unterschied, ob fünf Menschen oder 500 auf einen Gipfel gehen. Dazu kommen wir heute in Gegenden, wo vor 30, 40 Jahren keiner war. Eine Tatsache ist auch, dass das Bewusstsein für alpine Gefahren nicht bei allen gleich ausgeprägt ist. Die Berge sind und waren, wie bereits erwähnt, immer in Bewegung.

Das Interview führte
 Liane Pircher


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