Swarovski-Kahlschlag: Stiftung des Landes Tirol wird aufgestockt

Nach dem Job-Abbau beim Kristallkonzern werden der Sozialplan bis Ende 2021 verlängert und die bestehende Arbeitsstiftung auf 500 Plätze erweitert.

Es soll kein Mitarbeiter, der fünf Jahre vor der Regel- oder Korridorpension steht, seinen Arbeitsplatz verlieren, wurde garantiert.
© TT

Von Max Strozzi

Wattens – Um den massiven Stellenabbau bei Swarovski aufzufangen, sollen der seit Jahren bestehende Sozialplan verlängert und die im Sozialplan ebenfalls seit Langem verankerte Arbeitsstiftung aufgestockt werden. Swarovski-Mitarbeiter, die kurz vor der Pension stehen, werden ihren Job nicht verlieren, außerdem erfolgt der Stellenabbau gestaffelt, was sich allerdings ohnehin aus den Umständen und Fristen – offene Urlaubsansprüche, Kündigungsfristen – ergibt.

Das sind die Kernergebniss­e der vor zwei Wochen vom Land Tirol gemeinsam mit AMS, Swarovski-Betriebsrat und Konzernspitze eingesetzten „Task-Force“, die den massiven Mitarbeiterabbau bei Swarovski in Wattens manage­n soll. Der Kristallkonzern hatte ja bekannt gegeben, heuer 1200 Beschäftigte bzw. bis 2022 insgesamt 1800 der zuletzt 4800 Stellen zu kündigen.

Nachdem in Wattens bereits in der Vergangenheit immer wieder zahlreich­e Jobs abgebaut wurden – am Stammsitz waren einst bis zu 6800 Menschen beschäftigt –, gibt es entsprechend auch seit Jahren einen Swarovski-Sozial­plan, der ursprünglich mit Ende 2020 auslaufen sollte und beispielsweise zusätzliche Abfertigungen, Kindergelder und eine Arbeitsstiftung für 200 Leute umfasst. Dieser mit – laut Swarovski – aktuell 60 Millionen Euro dotierte Sozialplan wird nun bis Ende 2021 verlängert, wofür der Konzern weitere 25 Millionen Euro veranschlagt. Die bestehende Swarovski-Arbeitsstiftung wird auf 500 Plätze aufgestockt, erklärte LH Günther Platter (ÖVP). Laut Swarovski zahlt der Konzern wie schon bisher 10.000 Euro für jeden Arbeitsstiftungsplatz, also insgesamt 5 Millionen Euro. Das Land Tirol steuert je 1000 Euro pro Stiftungsplatz bei, also insgesamt 500.000 Euro. Wenn weitere Plätze benötigt werden, übernehme Swarovski zusätzlich zu den 10.000 Euro auch den Landesbeitrag.

Der Eintritt in die Swarovski-­Arbeitsstiftung erfolge zu unterschiedlichen Zeiten, weil die Dienstverhältnisse der betroffenen Mitarbeiter je nach offenem Urlaubsanspruch und Kündigungsfrist häufig erst im Laufe des Jahres 2021 enden.

Alternativ sah bereits der bestehende und nun auch der verlängerte Sozialplan auf Basis einer einvernehmlichen Trennung eine zusätzliche Abfertigung für die Mitarbeiter vor. Sie umfasst je nach Betriebszugehörigkeit bis zu sieben Monatsgehälter bzw. ist als „Abfertigung alt“ für Anspruchsberechtigte ausgestaltet.

Kündigungsschutz wird es für angehende Pensionisten geben: Wer fünf Jahre vor der Regel- oder Korridorpension steht, werde seinen Job nicht verlieren.

Massiver Stellenabbau

➤ Der Kristallkonzern hatte im Juli angekündigt, im Herbst in Wattens von den derzeit noch bestehenden 4600 Stellen weitere 1000 abzubauen. Mittelfristig würden am Hauptsitz rund 3000 Menschen beschäftigt sein. Denn bis 2022 soll sich der Mitarbeiterstand noch einmal um 600 Stellen verringern.

➤ Bereits Ende Juni hatte Swarovski bekanntgegeben, rund 200 Arbeitsplätze in den Bereichen Marketing und Vertrieb zu streichen. Die betroffenen Mitarbeiter sollen per E-Mail von ihrer Kündigung informiert worden sein. Diese Vorgangsweise sowie die Kündigungen an sich führten zu massiver Kritik.

➤ Kritik an der Vorgangsweise der Geschäftsführung rund um CEO Robert Buchbauer übte zuletzt auch ein Mitglied der Familie Swarovski. Die Familie sei „bestürzt über kolportierte Pläne für unseren Stammsitz", meinte Paul Swarovski, Vater von Victoria und Paulina Swarovski. Er sprach von einer „allfälligen Verlagerung des Standortes Wattens", was von der Unternehmensspitze aber dementiert wurde.

Mehr zum Thema

➡️ Empörungswelle nach Job-Kahlschlag bei Swarovski

➡️ Gedrückte Stimmung in Wattens: „Müssen weiter um unsere Jobs bangen“

➡️ 1800 Arbeitsplätze werden gestrichen: Swarovski-Totalumbau „Existenzfrage“


Kommentieren


Schlagworte