Kroatien-Urlauber wundert Warnung nicht, Rückkehrer brauchen negativen PCR-Test

Tausende Österreicher befinden sich derzeit in Kroatien auf Urlaub. Verwundert über die verhängte Reisewarnung zeigt sich bei einem Lokalaugenschein so gut wie niemand. Das Außenministerium ruft dringend zur Heimkehr auf. Der ÖAMTC rechnet mit erheblichen Staus an den Grenzen und rät daher zu einer azyklischen Rückreise.

Die Reisewarnung für Kroatien tritt von Sonntag auf Montag um Mitternacht in Kraft.
© pixabay

Porec/Zadar/Wien – Nach einer Reisewarnung für Spaniens Festland vor rund einer Woche fällt ab Montag ein weiteres beliebtes Urlaubsland für Österreicher weg. Wegen der steigenden Infektionszahlen in dem Land bzw. immer mehr Coronafällen mit Kroatien-Bezug in Österreich wurde erneut eine Reisewarnung für Kroatien erteilt.

Österreichische Urlauber, die sich derzeit in kroatischen Touristenzentren aufhalten, wundern sich kaum über die Entwicklung, die nun zur ab Montag gültigen Reisewarnung des österreichischen Außenministeriums geführt hat. Von Menschenmassen in Porecs Innenstadt berichtete etwa der Urlauber Paul K., „alle ohne Maske", am Freitag im Gespräch mit der APA.

⚠️ Kroatien-Rückkehrer müssen negativen Test vorlegen

➤ Die Reisewarnung tritt um Mitternacht von Sonntag auf Montag in Kraft. Bei der Einreise nach Österreich muss dann ein ärztliches Gesundheitszeugnis vorgelegt werden. „Dieses Gesundheitszeugnis muss einen negativen PCR-Test bestätigen, der nicht länger als 72 Stunden zurückliegen darf", teilte Gesundheitsminister Rudolf Anschober in einer Aussendung mit.

➤ Wenn ein solcher Nachweis nicht erbracht werden kann, müssten die Reiserückkehrer innerhalb von 48 Stunden einen Test veranlassen, teilte Anschober weiters mit. Bis das Testergebnis vorliege, müssten sie in Quarantäne bleiben. „Damit ist Kroatien gleich eingestuft wie andere Länder des Balkans – Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien."

Ähnlich Melanie B. aus Zadar: „In der Innenstadt ist schon sehr viel los. Von Hygienemaßnahmen ist da nicht viel zu spüren, außer in Geschäften und die Kellner in den Lokalen." Sonst sei alles wie immer.

Paul K. war am Dienstag nach Porec gereist, weil ein geplanter Barcelona-Trip der Coronavirus-Entwicklung in Katalonien zum Opfer fiel. „Keine Woche zu früh", meinte er. Vor allem deutsche und österreichische Touristen bevölkern die Innenstadt, am Abend merke man nicht, dass weniger los wäre. Auch die Kellner in Lokalen nehmen es mit den Masken nicht so genau. Sie trage sie zwar, aber „nicht über der Nase oder gleich nur als Kinnwärmer". Paul K. konstatierte: „Wenn wir nach der Rückkehr aus Porec kein Corona haben, bekommen wir es auch nicht mehr."

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ÖAMTC rechnet mit massivem Grenzstau

Wer kann, wird versuchen, vor Montag aus Kroatien zurückzukehren. Das erwartete auch der ÖAMTC. „Wir rechnen mit erheblichen Staus an den Grenzen", hieß es am Freitag auf Anfrage der APA. Der Autofahrerklub empfahl, möglichst azyklisch in der Nacht zu fahren, damit man spätestens zeitig in der Früh an der Grenze ist. Spätestens ab den Vormittagsstunden sei mit langen Wartezeiten vor den Übergängen zu rechnen. Wer sie kennt, sollte außerdem Schleichwege nutzen.

⚠️ Kroatien-Rückkehrer in Tirol können sich testen lassen

➤ Alle Tiroler, die sich in den letzten 14 Tage in Kroatien aufgehalten haben, können sich kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Dies gelte auch für jene, die aktuell keine Symptome verspüren, teilte LH Günther Platter via Aussendung mit.

➤ Und weiter: „Personen, die in den letzten 14 Tagen in Kroatien waren, können sich damit direkt an die Gesundheitshotline 1450 wenden. Von dort wird dann eine Testung in einer Screeningstraße veranlasst.“

➤ Derzeit gehen in Tirol rund 30 Coronavirus-Erkrankungen direkt oder indirekt auf Personen zurück, die sich in den letzten Wochen in Kroatien aufhielten.

Das hat auch der Urlauber Martin M. vor, der ursprünglich bis Montag oder Dienstag bleiben wollte, nun aber bereits am Sonntag die Heimreise antreten wird. „Ich fürchte aber, dass Google Maps auch einige andere Urlauber auf die Schleichwege lotsen wird. Aber ein, zwei Stunden mehr Fahrzeit nimmt man in Kauf." Martin M. wollte als Eigentümer eines eigenen Appartements auf der Insel Ciovo immer azyklisch – sprich: nicht am Wochenende – reisen. Das lässt sich nun aber nicht vermeiden. Er hoffe, dass es in der Nacht auf Montag dann nicht um fünf Minuten gehe an der Grenze. „Wir fahren jedenfalls so spät wie möglich", sagte Martin M.

Ebenfalls azyklisch will Thomas K. fahren, der etwas nördlich von Zadar für ungefähr eine Woche urlaubte. Abseits des Trubels der Touristenzentren merkte man auch nichts vom Anstieg der Covid-19-Fälle in Kroatien. Aber es gebe in Kozino auch keine Partys und keine Veranstaltungen. „Das ist es auch, was unsere Vermieterin gesagt hat: ,Es gibt keine Veranstaltungen. Dieser Sommer ist nicht wie ein normaler Sommer'."

Kroatien weist auch sichere Regionen auf

Der kroatische Innenminister Davor Bozinovic sieht die österreichische Reisewarnung als „Teil der Vorgehensweise von Ländern, die sich für den Herbst eine möglichst gute epidemiologische Lage wünschen". Gleichzeitig war der Minister bemüht, im Ausland die Botschaft zu vermitteln, dass nur einzelne Regionen und nicht das ganze Land von steigenden Infektionszahlen betroffen seien.

📍 3000 reiseregistrierte Österreicher in Kroatien

➤ Wie viele heimische Touristen sind von dieser Maßnahme betroffen? Laut Außenministerium befinden sich aktuell rund 3000 reiseregistrierte Österreicher im südlichen Nachbarland.

➤ Dabei handelt es sich aber wohl nur um einen Bruchteil der Landsleute, die derzeit in Kroatien urlauben. In aller Regel reisen Österreicher mit dem eigenen Pkw an die kroatischen Strände, an eine Reiseregistrierung wird da nur in den seltensten Fällen gedacht. „Wir gehen davon aus, dass sich ein Zigfaches der offiziell Registrierten in Kroatien befindet", hieß es Freitagnachmittag.

➤ Dass die Maßnahme nicht mit sofortiger Wirkung in Kraft tritt, hat mehrere Gründe. Einerseits gewährt man den betroffenen Urlaubern eine gewisse Vorlaufzeit, um ihre Koffer packen und heimreisen zu können. Andererseits gewinnt das Gesundheitsministerium Zeit um die Rechtsnormen zur Regelung des Reiseverkehrs adaptieren zu können.

„In den Regionen, wo sich die meisten Touristen aus Österreich befinden, gibt es eine günstige epidemiologische Situation", sagte Bozinovic am Freitag bei einer Pressekonferenz des nationalen Corona-Krisenstabs. Es bestehe eine intensive Kommunikation mit den österreichischen Behörden, um auf die spezifische Situation in einzelnen Regionen hinzuweisen, so der Innenminister.

Die unter Urlaubern beliebten Halbinsel Istrien und die Kvarner-Bucht seien hinsichtlich Infektionszahlen „im grünen Bereich", betonte der Chef des Instituts für öffentliche Gesundheit, Krunoslav Capak, mit Blick auf das im Nachbarland Slowenien angewandte Ampel-System. Die beiden Regionen weisen weniger als zehn Infektionsfälle auf 100.000 Einwohner in den letzten 14 Tagen auf. Weiter südlich in Dalmatien ist die Region rund um Split (Gespanschaft Split-Dalmatien) im roten Bereich (mit über 40 Infektionen pro 100.000 Einwohner), während der Rest von Dalmatien (Zadar, Sibenik, Dubrovnik) im gelben Bereich liegt (zwischen zehn und 40 Infektionen).

Neuer Rekord an Neuinfektionen am Freitag

„Das ist eine gute und günstige Situation. Es gibt einige Regionen mit Infektionsherden, in dem Großteil der Regionen ist die Lage aber ruhig", sagte Capak. Im EU-Vergleich liege Kroatien im Durchschnitt, fügte er hinzu.

Bei der Zahl der Neuinfektionen erreichte Kroatien am Freitag einen neuen Rekordwert: In den vergangenen 24 Stunden wurden 208 Neuansteckungen mit dem Coronavirus registriert, was der höchste Tageswert seit Beginn der Pandemie in dem Land im Februar ist. Für den Anstieg werden insbesondere Versammlungen von jungen Menschen in den Nachtklubs und auf Strandpartys verantwortlich gemacht, weshalb ab sofort die Bars und Nachtlokale um Mitternacht schließen müssen. (APA)


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