Explosion in Beirut: Crowdfunding soll Ausgehviertel retten

Das beliebte Beiruter Ausgehviertel Gemmayzeh liegt nach der verheerenden Explosion vor rund zwei Wochen in Trümmern. Eigentümer und Unterstützer wollen das Viertel mit Spendenkampagnen im Netz retten.

Zahlreiche Freiwillige haben sich in den Tagen nach der Explosion an den Aufräumarbeiten in Gemmayzeh beteiligt.
© JOSEPH EID

Beirut – Die verheerende Explosion in Beirut vor rund zwei Wochen hat nicht nur den Hafen schwer zerstört, sondern auch das Herz der Stadt: seine beliebtesten Ausgehviertel mit Bars, Cafés, Restaurants und Galerien, die auch viele Touristen angezogen haben. Um sie zu retten, haben Eigentümer und Unterstützer im Internet Spendenkampagnen gestartet. Crowdfunding soll auch Schulen und kleinen Geschäften das Überleben nach der Katastrophe sichern.

Niamh Fleming Farrell kann immer noch nicht glauben, mit welcher Wucht die Detonation ihr Café Aaliya‘s Bookstore im sonst so belebten Stadtteil Gemmayzeh zerstörte, nur rund 500 Meter vom Hafen entfernt. Die Frontscheiben zertrümmert, Türen herausgerissen, Mobiliar und Bücher zerstört. Der Schaden geht in die Tausende.

Bei der Crowdfunding-Kampagne, gestartet von einer Freundin, sollen 25.000 britische Pfund zusammenkommen, um die 13 Angestellten weiter bezahlen zu können. „Damit wir ihnen sagen können: Macht euch keine Sorgen“, sagt die 36 Jahre alte Irin, die seit langem in Beirut lebt. „Die Großzügigkeit der Menschen dabei ist überwältigend.“ Und notwendig, weil von Seiten der Regierung keinerlei Hilfe kommt.

Gemmayzeh wird für lange Zeit nicht das schlagende Herz Beiruts sein.
Café-Besitzerin Niamh Fleming Farrell

Wie andere Lokale hatte auch Farrells Café schon unter der Corona-Pandemie gelitten. Beiruts Szene- und Nachtleben droht seit Monaten der langsame Tod – nun kommt die Explosion hinzu und könnte viele Besitzer endgültig in den Ruin treiben. Die Katastrophe werde eine „sichtbare Wunde“ zurücklassen, sagt Farrell. „Gemmayzeh wird für lange Zeit nicht das schlagende Herz Beiruts sein.“

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Menschen vor dem Restaurant Le Chef, einem der bekanntesten Lokale der Stadt.
© JOSEPH EID

Auch andere erhalten Hilfe, wie etwa das 1967 eröffnete Restaurant Le Chef, eine der bekanntesten Lokale der Stadt am Mittelmeer. Sie kann sich über prominente Unterstützung freuen: Oscar-Preisträger Russel Crowe („Gladiator“) spendete 5000 US-Dollar – im Namen von Anthony Bourdain, wie Crowe auf Twitter schrieb. Der 2018 verstorbene US-Fernsehkoch hatte Beirut zweimal besucht und im Le Chef gegessen.

Wie andere wollen auch Farrell und ihre drei Mitstreiter trotz der schweren Schäden nicht aufgeben: „Ich will in diesem Viertel wiedereröffnen“, sagt sie. „Und nicht irgendwo anders.“ Wann das sein wird? Die Café-Besitzerin hat keine Ahnung. Das Geld ist das eine. Die notwendigen Materialien zu bekommen das andere. „Ich hoffe optimistisch, dass es noch dieses Jahr geht“, sagt die Irin. „Im Moment konzentrieren wir uns noch darauf, alles aufzufegen.“ (dpa)

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