Eigene Kinder beauftragt: Politikerin hat wohl Ehemann töten lassen

Eine brasilianische Parlamentarierin ist für ihr soziales Engagement bekannt. Sie adoptiert sogar 50 Kinder aus den Armenvierteln von Rio. Aber die Nächstenliebe ist nur Fassade, denn sie lässt offenbar ihren Ehemann umbringen – von den eigenen Söhnen.

Die Pastorin Flordelis Dos Santos kommt selbst aus einem Armenviertel in Rio de Janeiro. (Symbolbild)
© dpa

Rio de Janeiro – Eine brasilianische Parlamentsabgeordnete und evangelikale Pastorin soll einige ihrer mehr als 50 Kinder zum Mord an ihrem Ehemann angestiftet haben. Die Staatsanwaltschaft in Rio de Janeiro erhob deshalb Anklage gegen Flordelis dos Santos. Der Tat waren demnach ein Familienstreit über Macht und Geld sowie zahlreiche Mordversuche vorausgegangen.

Dos Santos und ihr vergangenes Jahr durch rund 30 Kugeln getöteter Mann, der Pastor Anderson do Carmo, waren zentrale Figuren in Brasiliens mächtiger evangelikaler Bewegung. Neben ihren vier leiblichen Kindern adoptierten sie 50 Straßenkinder aus den Favelas – den Armenvierteln – von Rio. Wie die Ermittler nun erklärten, soll es Dos Santos um die Kontrolle der Finanzen des Paares gegangen sein. Demnach hatte ihr Ehemann sie daran gehindert, ihren Lieblingskindern eine „bevorzugte Behandlung" zukommen zu lassen.

Sechs gescheiterte Giftversuche

Daraufhin habe die 59-Jährige mindestens sechsmal versucht, ihren Mann zu vergiften, bevor sie einigen erwachsenen Kindern den Mord befohlen habe, erklärten die Ermittler. Einer ihrer leiblichen Söhne soll den damals 42-jährigen Do Carmo in der Garage des Paares in einem Vorort von Rio erschossen haben. Ein Adoptivsohn habe die Tatwaffe gekauft. Beide sitzen seit einem Jahr im Gefängnis.

Dos Santos habe versucht, es so aussehen lassen, als sei ihr Mann einem misslungenen Einbruch zum Opfer gefallen, erklärten die Ermittler. Sie warfen der Pastorin und Politikerin zudem vor, „dass ihr ganzes Bild von Altruismus und Moral nur ein Mittel war, um eine finanzielle und politische Position zu erreichen", wie Kommissar Allan Duarte im Fernsehen sagte.

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Zehn weitere Verdächtige angeklagt

Insgesamt klagte die Staatsanwaltschaft neben Dos Santos noch zehn weitere Verdächtige an. Bevor die Abgeordnete allerdings verhaftet werden kann, muss das brasilianische Parlament erst ihre Immunität aufheben. Dos Santos „ist sehr verärgert über alles, was geschieht, denn sie ist unschuldig", sagte ihr Anwalt laut brasilianischen Medienberichten. „Sie hat dieses grausame Verbrechen nie angeordnet."

Dos Santos wurde 2018 für die konservative Sozialdemokratische Partei in den Kongress gewählt. Sie wurde selbst in einer Favela Rios geboren und traf Do Carmo im Jahr 1994. Gemeinsam gründeten sie eine evangelikale christliche Gemeinschaft. (dpa)


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