Brände im Amazonas-Gebiet wirkten sich auf Gesundheit aus

Nach einem Report des Amazonas-Umweltforschungsinstituts IPAM sind 2195 Fälle, in denen aufgrund von Atemwegserkrankungen ein Krankenhaus aufgesucht wurde, auf die Brände 2019 zurückzuführen. Die Dunkelziffer mag noch viel höher sein.

Auch 2020 gab es im Amazonas rund 30.000 Brände.
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Brasilia – Wegen der verheerenden Brände im brasilianischen Amazonas-Gebiet im vergangenen Jahr haben einer neuen Studie zufolge mehr als 2000 Menschen mit Atemwegsproblemen Krankenhäuser aufgesucht. Nach dem Report "The Air is Unbearable" (Die Luft ist unerträglich), den das Amazonas-Umweltforschungsinstitut IPAM, das Institut für gesundheitspolitische Studien IEPS und die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch am Mittwoch veröffentlichten, sind 2195 Fälle, in denen aufgrund von Atemwegserkrankungen ein Krankenhaus aufgesucht wurde, auf die Brände im Jahr 2019 zurückzuführen.

Für den Report wurden offizielle Gesundheits- und Umweltdaten genutzt sowie Interviews geführt. Aber die Studien-Autoren weisen auch darauf hin, dass viele Bewohner des Amazonas-Gebiet nur sehr begrenzten Zugang zu Gesundheitseinrichtungen haben, weshalb die tatsächlichen Zahlen weit höher liegen dürften. Fast drei Millionen Menschen in 90 Gemeinden des Amazonas-Gebiets waren im August 2019 jedoch einer schädlichen Luftverschmutzung ausgesetzt, die über dem von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen Grenzwert lag, wie es hieß. Die Zahl stieg im September auf 4,5 Millionen in 168 Gemeinden. Indigene bekommen die Auswirkungen der Brände auf die Gesundheit besonders zu spüren, wie eine weitere Studie des Instituto Socioambiental ISA zeigte.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro steht wegen der Brände im Amazonas-Gebiet in der Kritik. Umweltschützer werfen dem seit dem 1. Jänner 2019 amtierenden rechten Staatschef, der ein Befürworter der wirtschaftlichen Ausbeutung Amazoniens ist, vor, die Brände in Kauf zu nehmen, um neue Flächen für die Landwirtschaft zu erschließen. Nach einer Schätzung des Nationalen Instituts für Weltraumforschung Inpe, das Satellitendaten auswertet und auf das die Studie sich beruft, nahm die Entwaldung im ersten Amtsjahr Bolsonaros um 85 Prozent zu. Maria Laura Canineu, Brasilien-Direktorin bei Human Rights Watch, sagt: "Solange Brasilien die Entwaldung nicht wirksam eindämmt, ist damit zu rechnen, dass die Brände jedes Jahr weitergehen." (APA/dpa)


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