Barca-Fans tief gekränkt, Verein will kämpfen: Das Messi-Beben und die Folgen

Der Superstar des FC Barcelona Lionel Messi will den Verein verlassen. Dahinter steckt wohl auch ein Streit mit der Führung des Vereins. Will Messi mit seinem Fax den Rücktritt des Vereinschefs erzwingen?

Barcelona-Fans versammelten sich vor dem Stadion.
© PAU BARRENA

Barcelona – Die katalanische Seele ist gekränkt. Etliche Fans des FC Barcelona sind am späten Dienstagabend vor das Stadion Camp Nou gezogen und haben lautstark den Rücktritt von Club-Präsident Josep Bartomeu gefordert. Die Ankündigung von Barca-Idol Lionel Messi, seinen Verein nach 20 Jahren zu verlassen, sorgte für Entsetzen in der Küstenmetropole – und der Schuldige war schnell ausgemacht.

Messis Verhältnis zu Bartomeu gilt seit Monaten als gestört. In der Corona-Krise hatte es wegen Gehaltskürzungen Zoff zwischen den Stars und dem Clubchef gegeben. Messi hatte das Vorgehen des Vereins öffentlich kritisiert, fühlte sich und seine Mitspieler als Sündenböcke. "Verdorbenes Ende einer Ära", schrieb die Zeitung "El Mundo" am Mittwoch. Medienberichten zufolge wollen einige Direktoren des FC Barcelona alsbald zurücktreten, andere schlagen einen Misstrauensantrag gegen Bartomeu vor.

Und Messi? Noch hat sich der sechsmalige Weltfußballer, der mit Barcelona so viele Titel gewonnen hat und Vorbild von Millionen ist, nicht persönlich geäußert. Dass er mittels Fax-Nachricht die Absicht zum Abschied geäußert hat, bestätigte der FC Barcelona selbst. Spekuliert wird, dass Messi auf diese Weise auch den Rücktritt von Bartomeu erzwingen will.

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Trainer stellt Sonderrolle Messis infrage

Ein anderer Grund für seinen Schritt könnte der neue Trainer Ronald Koeman sein. Nach seinem Amtsantritt soll der Niederländer im Gespräch mit dem argentinischen Superstar dessen Sonderstellung infrage gestellt haben, berichtete etwa das argentinische Online-Portal "Diario Ole". Die aktuelle Mannschaft gilt als satt und teils überaltert, als nicht mehr schnell und bissig genug für die Anforderungen des modernen Pressing.

Der 33-jährige Messi will laut Medienberichten eine Klausel in seinem Vertrag ziehen, durch die er am Ende jeder Saison einseitig kündigen könne. Ein juristisches Hickhack droht, denn es gibt ein Problem: Die Frist zur Aktivierung der Klausel ist aus Sicht des Vereins für die vergangene Saison bereits im Juni abgelaufen, schrieben "Mundo Deportivo" und auch andere Medien. Messi sei der Ansicht, die Frist müsse verlängert werden, weil auch die Saison wegen der Corona-Zwangspause länger als geplant lief.

Falls der Club auf seinem Standpunkt beharrt, müssten Interessenten tief in die Tasche greifen: die Ablösesumme beträgt laut Medien 700 Millionen Euro Ablöse. Ob diese von den angeblich interessierten europäischen Top-Clubs wie Manchester City, Juventus Turin, Paris Saint-Germain, Manchester United oder Inter Mailand bezahlt werden kann, ist fragwürdig.

Die Erfolge des Lionel Messi.
© APA

Barcelona will an Superstar festhalten

Der FC Barcelona will jedenfalls um Lionel Messi kämpfen. Der Club wolle den Neuaufbau mit dem argentinischen Superstar gestalten. "Wir wollen gemeinsam mit dem besten Spieler der Geschichte das Team für die Zukunft umbauen", sagte Sportdirektor Ramon Planes am Mittwoch. Ein Abschied Messis auf vertraglicher Ebene komme nicht infrage, "weil wir wollen, dass er bleibt".

Der Club müsse "Messi großen Respekt entgegenbringen, weil er der beste Fußballer der Welt ist", sagte Planes einen Tag, nachdem Messi (33) seinen Wechselwunsch mitgeteilt hatte. "Wir können dies nicht zu einem Streit zwischen Leo Messi und Barcelona machen, denn keiner von beiden hat es verdient", sagte Planes.

Messi hatte die Clubführung am Dienstag per Burofax-Einschreiben über seinen Wechselwunsch informiert. Laut Barca habe man auf das Schreiben geantwortet und wolle, dass Messi bleibt und seine Karriere bei Barcelona beendet. Messi selbst hat sich noch nicht öffentlich geäußert.

Manchester City könnte Fühler ausstrecken

Laut ESPN soll es in der vergangenen Woche ein Telefonat zwischen City-Trainer Pep Guardiola und Messi gegeben haben. Beide kennen sich aus der erfolgreichen Zeit mit dem FC Barcelona und schätzen sich sehr. Dem Bericht zufolge halte man es in Manchester für möglich, Messi zu finanzieren.

Zuspruch erhielt Messi auch von ehemaligen und aktiven Spielern. Barca-Legende Carles Puyol schrieb auf Twitter: "Respekt und Bewunderung, Leo. Meine ganze Unterstützung, mein Freund." Messis Freund und Teamkollege Luis Suarez reagierte auf Twitter mit klatschenden Händen. Er soll laut des katalanischen Radiosenders RAC1 als einer der ersten einen Anruf von Koeman erhalten haben, in dem ihm der neue Coach mitgeteilt haben soll, nicht mehr mit ihm zu planen. Vielleicht ist auch das ein Grund für den Wechselwunsch des Argentiniers. (APA, dpa, Reuters)

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