Erdogan steuert im Gasstreit mit Athen weiter auf Konfrontationskurs

Griechenland und die Türkei erheben beide Ansprüche auf Seegebiete im Mittelmeer, in denen Öl- und Gasvorkommen vermutet werden. Der türkische Präsident warnt vor einer Konfrontation. Die NATO ruft zum Dialog auf.

Griechenland bereitet eine Ausweitung der Hoheitsgewässer im westlichen Ionischen Meer vor.
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Ankara – Im Gasstreit mit Griechenland hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Ton verschärft. Er warnte am Mittwoch vor einer Konfrontation mit der Türkei: „Falls jemand den Preis dafür zahlen will, kann er sich gern mit uns anlegen.“ Sein Land sei nicht bereit, Kompromisse darüber einzugehen, was ihm gehöre. Die Türkei sei entschlossen, alles Notwendige zu tun, um ihre Rechte im Schwarzen Meer, in der Ägäis und im Mittelmeerraum zu erlangen.

Die NATO-Mitglieder Griechenland und Türkei erheben beide Ansprüche auf Seegebiete im östlichen Mittelmeer, in denen Öl- und Gasvorkommen vermutet werden. Die EU hat die Türkei aufgefordert, Bohrungen in den umstrittenen Gewässern zu stoppen. Der deutsche Außenminister Heiko Maas hatte am Dienstag bei Besuchen in Athen und Ankara zu vermitteln versucht. Beide Regierungen hätten in seinen Gesprächen betont, dass sie den Konflikt ohne Waffengewalt lösen wollten, sagte Maas.

NATO ruft zum Dialog auf

Die NATO rief ihre Mitglieder Griechenland und Türkei zum Dialog auf. Das Bündnis sei „besorgt über die Situation“, sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch in Berlin. „Was wir brauchen, ist Deeskalation, ist Dialog.“ Er begrüßte dabei die Versuche der deutschen Regierung zu vermitteln und erklärte, er sei selbst „regelmäßig in Kontakt mit Ankara und Athen“.

Erdogan verschärfte den Ton gegenüber Athen auf einer symbolträchtigen Veranstaltung, bei der an den Sieg der türkischen Seldschuken über byzantinische Truppen in der Schlacht bei Manzikert im 11. Jahrhundert erinnert wurde.

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Athen dehnt seine Hoheitsgewässer aus

Griechenland bereitete unterdessen einen Gesetzesentwurf vor, der eine Ausweitung der Hoheitsgewässer im westlichen, von der Türkei abgewandten Ionischen Meer vorsieht. Der konservative Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis kündigte im Parlament an, sie sollten von sechs auf zwölf Seemeilen erweitert werden.

Zwischen Griechenland und der Türkei knistert es seit langem. Ein akutes Problem ist, dass sich die Türkei und Libyen auf die Aufteilung ihrer Wirtschaftszonen im Mittelmeer geeinigt hatten, dies aber im Widerspruch zu einem ähnlichen Abkommen zwischen Griechenland und Ägypten steht. Darüber werden die Parlamentarier in Athen voraussichtlich am Donnerstag abstimmen, was für neuen Zündstoff im Verhältnis zur Türkei sorgen dürfte.

Frankreich beteiligt sich an Manöver im östlichen Mittelmeer

Inmitten der Spannungen zwischen den NATO-Partnern wird sich Frankreich an einem geplanten Manöver im östlichen Mittelmeer beteiligen. Man werde dazu drei Kampfjets und eine Fregatte bereitstellen, teilte das Verteidigungsministerium in Paris mit. Das Manöver sei bis Freitag geplant, auch Italien, Griechenland und Zypern nähmen teil. (APA/Reuters/AFP)


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