Immer mehr "Dauersitzer" in Österreich und Europa

In Österreich saßen zuletzt 65,4 Prozent der Männer und 61,6 Prozent der Frauen viel zu lange auf dem Sofa, Sessel oder im Auto und gefährdeten dadurch ihre Gesundheit.

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Madrid – Immer mehr Menschen sitzen in Österreich trotz Fitness-Booms jeden Tag viel zu lange auf dem Sofa, Sessel oder im Auto – und gefährden dadurch ihre Gesundheit. Der Anteil jener, die nach eigenen Angaben täglich mehr als viereinhalb Stunden sitzen, stieg zwischen 2002 und 2017 enorm an, schreiben Forscher der spanischen Universidad Rey Juan Carlos (URJC) in Madrid im Fachblatt BMC Public Health.

Nach dieser Studie gehörten in Österreich zuletzt 65,4 Prozent der Männer und 61,6 Prozent der Frauen zu den "Dauersitzern". Die URJC-Forscher analysierten die Ergebnisse von vier europäischen Umfragen mit mehr als 96.000 Teilnehmern in allen Ländern der Europäischen Union (EU). Demnach nimmt die körperliche Passivität überall zu. Zuletzt hatten 54,3 Prozent der Befragten eingeräumt, täglich länger als viereinhalb Stunden zu sitzen. In Österreich waren es gar 63,1 Prozent. Die Forscher betrachten viereinhalb Stunden als Schwellenwert, ab dem bestimmte Gesundheitsrisiken steigen.

In Europa sitzen viele jüngere Menschen zu viel

Bemerkenswert ist auch die Erkenntnis, dass in Europa verhältnismäßig weniger Senioren als jüngere Menschen zu viel sitzen: In der Gruppe der Menschen ab 65 Jahren betrug der Anteil 55,6 Prozent, bei den 18- bis 24-Jährigen dagegen 58,3 Prozent. Die Gruppe der 35- bis 44-Jährigen verzeichnete den stärksten negativen Trend: Hier kletterte der Anteil um 15,4 Prozent von 43,7 auf 50,4 Prozent.

Die Autoren machen dafür neue Technologien verantwortlich. "Wir stellen die These auf, dass die zunehmende körperliche Inaktivität in erster Linie darauf zurückgeführt werden kann, dass die Menschen bei der Arbeit und auch in der Freizeit immer mehr mit Technologien wie Smartphones und Streamingdiensten interagieren", sagt Hauptautor Xian Mayo.

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Das viele Sitzen sei ein Hauptrisikofaktor für die Entwicklung vieler chronischer Krankheiten wie Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Krebs, schreiben die Forscher und sprechen von einer großen Gesundheitsbedrohung für die moderne Gesellschaft. Vielsitzen führt zu einem niedrigeren Kalorienverbrauch, Stoffwechsel und Herz-Kreislaufsystem laufen auf Sparflamme. Außerdem werden Beinvenen, Muskeln und die Haltung belastet.

Problem beginnt in der Schule

Bernd Kladny, Chefarzt Orthopädie und Unfallchirurgie an der Fachklinik Herzogenaurach, ist überzeugt, dass das Problem schon in der Schule beginnt. "Der Sportunterricht ist dort der erste, der ausfällt", klagt der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). Schulen müssten bei Kindern die Freude an Bewegung wecken.

In einigen großen europäischen Ländern scheint sich Bewegungsmangel noch alarmierender zu entwickeln. Der Anteil der Dauersitzer kletterte der Studie zufolge von 2002 bis 2017 in Frankreich um 17,8 Prozent, in Großbritannien sogar um 22,5 Prozent.

Deshalb sei es von größter Bedeutung, dass sich die Politik der gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Belastung bewusst werde, die Bewegungsmangel in ganz Europa verursache, schreiben die Forscher. Sie raten dazu, konkrete Strategien dagegen zu entwickeln. (APA/dpa)


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