TikTok-Chef Mayer nimmt nach nur drei Monaten den Hut

Nachdem Kevin Mayer im Rennen um den Chefposten bei Disney übergangen wurde, wechselte er in den Spitzenjob bei der aufstrebenden Video-App Tiktok. Noch vor wenigen Monaten wirkte das als großer Karriereschritt - dann mischte sich Donald Trump ein.

Nach jüngsten Angaben hat Tiktok weltweit knapp 690 Millionen mindestens einmal im Monat aktive Nutzer.
© CHRIS DELMAS

Washington – Tiktok-Chef Kevin Mayer wirft nach nur wenigen Monaten das Handtuch bei der populären Video-App, die unter politischen Druck aus dem Weißen Haus geraten ist. Die jüngste Entwicklung habe dazu geführt, dass der Chefposten eine andere Bedeutung haben würde als bei Mayers Verpflichtung geplant gewesen sei, teilte Tiktok am Donnerstag mit. Derzeit verhandelt der Software-Riese Microsoft über einen Kauf des Geschäfts von Tiktok in den USA und mehreren anderen Ländern.

Kevin Mayer.
© DREW ANGERER

Die Video-App gehört zum chinesischen Bytedance-Konzern. US-Präsident Donald Trump hatte amerikanischen Firmen und Bürgern Geschäfte mit Tiktok untersagt, das Verbot soll Mitte September greifen. Ohne einen Verkauf droht Tiktok damit das Aus in den USA. Trump bezeichnet Tiktok als Sicherheitsrisiko, weil über die App chinesische Behörden Zugriff auf Daten von Amerikanern bekommen könnten.

Tiktok und Bytedance weisen den Vorwurf zurück und zogen diese Woche vor Gericht. Dass Mayer ein in den USA arbeitender Amerikaner ist, betonten sie oft als Beweis dafür, dass Tiktok unabhängig von China agiere.

Als „Kronprinz" gehandelt

Mayer trat den Chefposten bei Tiktok erst vor wenigen Monaten an. Er kam vom Unterhaltungsriesen Disney. Dort war er als für das Streaming-Geschäft verantwortlich – und galt insbesondere nach dem erfolgreichen Start des Dienstes Disney+ als Kronprinz. Doch zum neuen Konzernchef wurde überraschend für viele Branchenbeobachter der zuvor für die Freizeitparks zuständige Manager Bob Chapek berufen. Mayer wechselte daraufhin im Mai zu Tiktok, wo er die globale Expansion anführen sollte.

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TikTok bestätigte den Abgang Mayers, der zudem bei ByteDance für das operative Geschäft zuständig war. Vorübergehend sollen die TikTok-Geschäfte nun von Vanessa Pappas geleitet werden, die seit Jänner 2019 für TikTok arbeitet und zuvor bei der Google-Tochter YouTube tätig war.

ByteDance-Gründer und -Chef Zhang Yiming versicherte in einem Schreiben an Mitarbeiter, an einer Lösung für die Probleme - vor allem in den USA wie auch in Indien - werde gearbeitet. Mayer habe bei TikTok mitten "in unserer größten Herausforderung" angefangen. Dies habe es ihm nicht einfach gemacht, zumal die Umstände sehr komplex gewesen seien.

Rund 700 Millionen User

Tiktok ist die erste global erfolgreiche Online-Plattform eines chinesischen Konzerns, die in der Liga von Facebook und Co spielt. Nach jüngsten Angaben hat Tiktok weltweit knapp 690 Millionen mindestens einmal im Monat aktive Nutzer. In den USA seien es rund 100 Millionen – von denen rund 50 Millionen täglich auf Tiktok zugreifen.

Donald Trump sieht in den TikTok-Aktivitäten ein Risiko für die nationale Sicherheit. Er sorgt sich, dass Nutzerinformationen mit der chinesischen Regierung geteilt werden könnten. Am 6. August verbot Trump US-Unternehmen Geschäfte mit TikTok wie auch der Tencent-Tochter WeChat. Die Verfügung soll Mitte September in Kraft treten. In einer separaten Anordnung forderte er ByteDance auf, innerhalb von 90 Tagen die US-Sparte abzuspalten. An einem Kauf sollen Insidern zufolge neben Microsoft und Oracle auch ByteDance-Eigner interessiert sein. Die Aktivitäten des rasant wachsenden Dienstes, der vor allem mit Tanzeinlagen seiner Mitglieder bekannt geworden ist, sollen zwischen 25 und 30 Milliarden Dollar wert sein. (APA, TT.com, dpa)


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