In Spa droht nächstes Debakel: Ferrari lahmt dem 1000. Rennen entgegen

In den vergangenen beiden Jahren triumphierte die Scuderia noch in den belgischen Ardennen. Am kommenden Sonntag den Italienern der nächste Rückschlag.

Sebastian Vettel und die Scuderia Ferrari quälen sich durch die laufende Saison.
© imago

Spa-Francorchamps – Zumindest die Dramaturgie der Corona-Notsaison meint es gut mit Ferrari. Zwei Heimrennen stehen bald an, das zweite ist sogar das 1000. der Scuderia in der Formel 1. Ein Fest für die Tifosi - eigentlich. Denn auf ein großes Schauspiel auf der Strecke dürfen sich die Fans der Marke mit dem "cavallino rampante", dem springenden Pferd, nicht unbedingt einstellen.

Angefangen mit dem Grand Prix von Belgien am Sonntag (Start 15.10 Uhr/live TT.com-Ticker) und gefolgt von den Heimspielen in Monza und Mugello drohen den Italienern die nächsten PS-Debakel. Vor zwei Jahren hatte Sebastian Vettel im Ferrari noch in den Ardennen gewonnen. Vor einem Jahr schaffte Charles Leclerc im Ferrari seinen ersten Grand-Prix-Sieg überhaupt. Doch jetzt lahmt die Scuderia.

Vor 13 Jahren der letzte Titel

Das Traditionsteam kann sein großes Jubiläum dennoch kaum erwarten. Das Auto tauften sie Anfang des Jahres, das dann so anders verlief, als alle erwartet hatten, SF1000. Es sollte der Bolide zum Glück werden. Endlich wieder. Schluss mit der titellosen Zeit. 2007 ist lange her, vor 13 Jahren gewann Kimi Räikkönen die Weltmeisterschaft in einem Ferrari. Seitdem wurde die Marke mit dem noch immer größten Mythos-Faktor Jahr um Jahr im Kampf um die Fahrer-WM geschlagen.

"Und wären wir damals nicht doof genug gewesen, um Lewis Hamilton nicht rechtzeitig im Grand Prix von China an die Box zu holen, wäre er in der Boxeneinfahrt sicher nicht im Kiesbett gelandet und hätte den am Ende zum WM-Titel fehlenden einzigen Punkt auch im Schongang geholt", erinnerte sich jüngst der damalige Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug in einem Interview bei "sport1.de" an die Saison 2007, in der Hamilton im McLaren-Mercedes gleich in seinem Premierenjahr in der Motorsport-Königsklasse fast triumphiert hätte.

Haug: "Nur zu Schumacher- und Lauda-Zeiten erfolgreich"

Haug kam dabei zu einer weiteren Feststellung: "Es ist nicht vermessen zu behaupten, dass Ferrari außerhalb der Schumacher-Ära und nach der Niki-Lauda-Ära in den 70er Jahren nicht so wahnsinnig viel gerissen hat." Bevor der deutsche Rekordmann Michael Schumacher von 2000 bis 2004 mit Ferrari durchgehend dominierte, hatte die Scuderia 21 Jahre keinen Fahrertitel geholt - 1979 war dies vor Schumacher zuletzt dem Südafrikaner Jody Scheckter gelungen. Die Bilanz in den 40 Jahren danach: Sechs Fahrertitel.

Nur zum Vergleich: Mercedes gewann die Fahrer-Weltmeisterschaft sechsmal in den vergangenen sechs Jahren. Der siebente Streich dürfte in diesem Jahr durch Superstar Lewis Hamilton folgen. Angesichts seiner Topform ist der vierfache Saisonsieger, der schon dreimal in Spa gewonnen hat und in der WM 37 Punkte vor Red-Bull-Hoffnung Max Verstappen an der Spitze liegt, auch in Spa erster Sieganwärter. Und auch die kräftige Power Unit seines Mercedes sollte den 88-maligen Grand-Prix-Gewinner und sechsfachen Weltmeister auf dem 7,004 Kilometer Ardennenkurs begünstigen.

"Das erste 1000."

Ferrari bleibt damit wohl erneut nur rote Nostalgie. "Das erste 1000.", schrieb die Scuderia vor dem Klassiker in Spa-Francorchamps. Auch wenn es eigentlich erst der 998. Grand Prix von Ferrari sei, gebe es ja zwei Rennen in der Formel-1-Historie, bei denen zwar nicht die Scuderia, dafür aber ein Ferrari-Motor mit dabei gewesen sei.

Zum einen 1960 beim USA-Rennen, als die WM schon entschieden war und Ferrari den Blick auf 1961 gerichtet hatte. Der Cooper 751 von Pete Lovely sei aber von einem Ferrari-Motor angetrieben worden. Das zweite Mal 1966, als Ferrari wegen eines Streiks der Metallarbeiter in Italien keinen Wagen zum Rennen nach Großbritannien habe schicken können. Damals stand der Cooper T73 von Chris Lawrence mit Ferrari-Motor am Start. (APA/dpa)


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