Neue TU Linz soll laut Kurz noch in dieser Legislaturperiode entstehen

Die Grünen sehen die Pläne skeptisch, zuerst sollten die bestehenden 22 Unis in Österreich gut finanziert werden. Die NEOS halten die Pläne für "unfassbar kleinkariert" und bringen sie in Zusammenhang mit den bevorstehenden Landtagswahlen in Oberösterreich.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).
© APA/Hochmuth

Wien, Linz – Nach den Plänen von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) soll die neue Technische Universität (TU) in Linz mit dem Schwerpunkt Digitalisierung noch in dieser Legislaturperiode entstehen. Das kündigte Kurz am Freitag in seiner Rede an. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) will mit dem oö. Landeshauptmann Thomas Stelzer (beide ÖVP) mit den konkreten Vorarbeiten beginnen, hieß es in einer Aussendung.

Dabei wollen sie intensiv mit dem Rektor der Universität Linz (JKU), Meinhard Lukas, zusammenarbeiten. "In Oberösterreich existiert bereits ein gutes Fundament, auf dem aufgebaut werden kann. Das Bundesland ist nicht nur traditionell technik-affin, es gibt auch äußert vielversprechende Ansatzpunkte im Bereich der Digitalisierung – von der Ars Electronica über die FH Hagenberg bis hin zum Linz Institut of Technology an der JKU Linz", so Faßmann.

Skeptischer sieht die Grüne Wissenschaftssprecherin Eva Blimlinger die TU-Pläne. Diese müssten angesichts der bevorstehenden Verhandlungen zum Uni-Budget für die nächsten Jahre diskutiert werden. "Es geht darum, die 22 österreichischen Universitäten ausreichend und vor allem gut zu finanzieren. Erst dann sollten wir über die allfällige Neugründung einer Universität nachdenken", so die ehemalige Präsidentin der Universitätenkonferenz (uniko) in einer Aussendung.

Gerade in Oberösterreich sei "mit der JKU und der FH Oberösterreich – und hier insbesondere dem Campus Hagenberg - eine wunderbare Grundlage für den Ausbau in Richtung Digitalisierung gegeben". Aber auch an den Universitäten Salzburg und Innsbruck gebe es "ausbaufähige Strukturen, die jedenfalls genutzt werden sollen", meinte Blimlinger.

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Österreichkarte mit Zahl der Unis nach Städten, Tabelle mit Unis.
© APA

Muss laut uniko im neuen Uni-Budget abgebildet sein

Ähnlich äußerte sich die aktuelle uniko-Präsidentin Sabine Seidler zur APA. "Die Realisierung in dieser Legislaturperiode bedeutet, dass die TU Linz im Prinzip im neuen Universitätsbudget mitgedacht werden muss, das bis 31. Oktober fixiert sein muss". Die neuen Leistungsvereinbarungen für die Unis umfassen den Zeitraum 2022 bis 2024 – im letzten Jahr endet auch die Legislaturperiode.

Erfreut vernommen hat Seidler die Aussage von Kurz, dass es mehr Mittel für Wissenschaft und Forschung geben soll. "Die optimistische Interpretation wäre jetzt, dass unsere Forderung nach zusätzlichen 2,1 Mrd. Euro für die kommende Leistungsvereinbarungsperiode umgesetzt wird." Den Plan zur Einrichtung einer zusätzlichen TU in Linz hält die Rektorin der TU Wien nach wie vor für nicht sinnvoll - auch nicht gegenüber der Universität Linz (JKU) mit ihrer Technik-Fakultät. "Als Rektor der JKU würde ich mich fragen, was ich falsch gemacht habe, wenn mir eine zusätzliche TU vor die Nase gesetzt wird."

Die NEOS halten die neuen Uni-Pläne für "unfassbar kleinkariert" und bringen sie in Zusammenhang mit den bevorstehenden Landtagswahlen in Oberösterreich. "Es braucht endlich einen Gesamthochschulplan für Österreich und kein Klein-Klein", so Wissenschaftssprecherin Martina Künsberg Sarre in einer Aussendung. "Österreich hat nicht das Problem, dass es zu wenig Unis hat, sondern dass die nicht gut abgestimmt sind."

Linzer Bürgermeister und Wirtschafts-Landesrat erfreut

In Oberösterreich haben sich ÖVP und Grüne sowie der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) erfreut über die Pläne gezeigt. Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner (ÖVP) freute sich über ein "Jahrhundertprojekt für den Standort Oberösterreich", mit dem die Hochschullandschaft "nun dem Level als Wirtschafts- und Industriebundesland Nummer eins gerecht" werde. Für die Konzeption der neuen Universität werde man internationales Know-how einholen.

Von den oberösterreichischen Grünen kam zwar ein klares "Ja" zu dem Projekt, allerdings solle die Trägerschaft bei der JKU liegen. Denn an einem neuen Standort eine konkurrierende Universität hochzuziehen wäre hochgradig ineffizient, so Klubobmann Gottfried Hirz. Zudem solle neben Digitalisierung auch Klimaschutz im Fokus stehen.

Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) zeigte sich zwar hoch erfreut, verlangte aber, dass man nun die Stadt und die JKU rasch in die Planungen einbeziehe. Er sieht die TU als Chance für die künftige Stadtentwicklung. Als mögliche Standorte brachte er Tabakfabrik und die Post City - zuletzt Austragungsort der Ars Electronica - ins Spiel. "Es spricht jedoch auch viel dafür, die neue TU möglichst in räumlicher Nähe zur JKU zu errichten." (APA)


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