Zehntausende bei Marsch gegen Polizeigewalt in Washington

Der durch Polizeischüsse schwer verletzte Afroamerikaner Jacob Blake war offenbar im Krankenhaus an sein Bett gefesselt gewesen. Unter dem Motto "Nehmt euer Knie aus unseren Nacken" versammelten sich die Zehntausende Demonstranten am Freitag vor dem Lincoln Memorial in Washington.

Der Vorfall löste neue Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus aus.
© AFP

Washington – Zehntausende Menschen haben bei einem Protestmarsch in der US-Hauptstadt Washington gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze demonstriert. Unter dem Motto "Nehmt euer Knie aus unseren Nacken" versammelten sich die Demonstranten am Freitag vor dem Lincoln Memorial - dort, wo vor genau 57 Jahren der Bürgerrechtler Martin Luther King seine berühmte Rede "I Have a Dream" ("Ich habe einen Traum") gehalten hatte.

📽 Video | Protest vor Lincoln-Memorial

"Ein Knie drückt auf den Nacken der Demokratie, und unsere Nation kann nicht länger ohne den Sauerstoff der Freiheit leben", sagte Kings Sohn Martin Luther King III auf den Stufen des Lincoln Memorial an der National Mall. Er rief zu einem Wandel in der US-Gesellschaft auf. "Rhetorik und Märsche" allein seien nicht ausreichend.

Der Marsch wurde nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis Ende Mai organisiert, als Datum wurde der 57. Jahrestag der King-Rede gewählt. Ein weißer Polizist hatte Floyd mehr als acht Minuten lang sein Knie in den Nacken gedrückt, obwohl der 46-Jährige mehr als 20 Mal klagte, er bekomme keine Luft.

Mit Handschellen ans Bett gefesselt

Der nach sieben Polizeischüssen in den Rücken gelähmte Afroamerikaner Jacob Blake wird nach Angaben seines Anwalts nicht länger an sein Krankenhausbett gefesselt. Polizisten hätten Blake die Handschellen abgenommen, sagte sein Anwalt Patrick Cafferty am Freitag. Auch sei die polizeiliche Bewachnung des 29-Jährigen eingestellt worden.

Berichte darüber, dass Blake trotz seiner schweren Verletzung an sein Bett gefesselt worden war, hatten zusätzliche Empörung über den Fall ausgelöst.

Laut Cafferty hatte die Polizei die Maßnahmen wegen eines offenen Haftbefehls im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt im Juli ergriffen. Er habe bei der Staatsanwaltschaft erreicht, dass dieser Haftbefehl nun fallengelassen werde.

"Warum haben sie diesen kalten Stahl am Knöchel meines Sohnes?" fragte Blakes Vater am Freitag im Nachrichtensender CNN.

"Er kann nicht aufstehen, er könnte selbst dann nicht aufstehen, wenn er es wollte."

Blake ist nach Angaben seiner Familie und Anwälte derzeit gelähmt und wird womöglich nie wieder gehen können.

"Wir haben die Nase voll. Ich habe die Nase voll"

Der brutale Tod des Familienvaters löste Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt im ganzen Land aus. Floyd wurde zu einer Symbolfigur der Bewegung Black Lives Matter (Das Leben von Schwarzen zählt).

Auch der Vater durch sieben Polizeikugeln in den Rücken schwer verletzten Jacob Blake trat bei der Kundgebung auf. Er beklagte, es gebe in den USA "zwei Justizsysteme" - eines für Weiße und eines für Schwarze. "Jeder Schwarze in den USA wird sich erheben. Wir haben die Nase voll. Ich habe die Nase voll."

Polizeigewalt gegen Afroamerikaner sorgt schon seit Jahren immer wieder für Empörung in den USA. Seit Jahresbeginn gab es eine ganze Reihe von Vorfällen, die für Schlagzeilen sorgten.

Trump fordert ein hartes Vorgehen der Sicherheitskräfte

Die Black-Lives-Matter-Proteste sind längst ein zentrales Thema des diesjährigen Präsidentschaftswahlkampfes. Präsident Donald Trump fokussiert sich seit Monaten auf gewaltsame Ausschreitungen, die die Proteste immer wieder überschattet haben. Der selbsternannte "Präsident von Recht und Ordnung" spricht von Taten von "Anarchisten und Plünderern" und fordert ein hartes Vorgehen der Sicherheitskräfte.

Kritiker werfen dem Rechtspopulisten vor, das den Protesten zugrunde liegende Problem des Rassismus im Land zu ignorieren und kleinzureden. Bei seiner Nominierungsrede am Donnerstagabend verurteilte der Präsident unter anderem die Ausschreitungen in Kenosha nach den Polizeischüssen auf Jacob Blake - zu den Schüssen selbst äußerte er sich dagegen bislang mit keinem Wort..

Sein Herausforderer Joe Biden von den oppositionellen Demokraten dagegen hatte Verständnis für die Wut der Afroamerikaner im Land geäußert und bei einem Wahlsieg seinen Einsatz gegen Rassismus und Polizeigewalt versprochen. (APA, AFP, TT.com)


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