Mattersburg-Bank: Immer mehr Opfer bekannt, Geld von Totem behalten

Das Geld eines Verstorbenen sei in der Bank geblieben, man habe damit laut Ex-Chef Martin Pucher auch notleidende Kredite bedient.

Außenansicht der Servicestelle der Einlagensicherung (ESA) in der Commerzialbank-Filiale in Zemendorf.
© APA

Wien, Mattersburg – Beinahe jeden Tag werden neue Betroffene bzw. prominentere Kunden des Mattersburger Bankskandals bekannt. Kurz vor dem Crash der Commerzialbank habe die Pfarre Forchtenstein ihr Konto ausgerechnet in das Mattersburger Institut verlegt, Einlagen von rund 250.000 Euro sollen es gewesen sein, schrieb der Standard zuletzt. Sogar Geld eines Verstorbenen hat die Bank behalten, wurde heute bekannt.

Im Fall der Kirche in Forchtenstein sei bis auf die gesicherten 100.000 Euro alles weg, auch Spenden und Opferstockgeld. Um drei Millionen Euro soll es demnach bei der Allianz Investmentbank gehen, die bei den Mattersburgern veranlagt gewesen seien. Beide Opfer hätten sich Verfahren angeschlossen.

Rechtsanwälte: FMA-Haftungsprivileg Fall für VfGH

Im Commerzialbank-Skandal haben wegen Kontrollversagens mehrere Rechtsanwälte Amtshaftungsklagen gegen die Republik angekündigt, zum Teil schon eingebracht. Der Präsident der Finanzprokuratur, Wolfgang Peschorn, sieht aktuell keine Rechtsgrundlagen. Indes sieht der Präsident der Rechtsanwaltskammer Burgenland, Thomas Schreiner in der "Haftungsfreistellung" der FMA gegenüber Anlegern ein Thema für Verfassungsrichter.

Im Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz ist keine Haftung gegenüber Anlegern festgeschrieben.

  • ▶️ Schreiner: Die Finanzmarktaufsicht (FMA) ist gesetzlich durch eine Haftungsfreistellung privilegiert worden, die aber wahrscheinlich nicht verfassungskonform sein wird, also vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben werden könnte.

In der FMA wurde am Mittwoch gegenüber der APA erklärt, dass dies mindestens zehnmal durchjudiziert worden sei. Seit einer FMA-Gesetzesänderung aus dem Jahr 2008 gibt es keine Amtshaftung der Republik gegenüber Dritten (also Kunden, geschädigten Anlegern) mehr.

Nicht einmal vor dem Geld von Toten wurde offenbar Halt gemacht. Wie der Standard am Mittwoch schreibt, ging es in der Einvernahme von Ex-Bankchef Martin Pucher am 17. Juli auch um drei bis vier Millionen Euro, die von zahlreichen Sparbüchern eines Kunden stammten, der in der Zwischenzeit verstorben sei. Dessen legitimierte Sparbücher gingen Puchers Geständnis zufolge nach dem Tod des Kunden in die Verlassenschaft, von den anonymen Sparbüchern habe man die darauf geparkten drei bis vier Millionen "im Lauf der Zeit" abgebucht. Bewerkstelligt habe das seine Stellvertreterin, sagte Pucher aus.

Das Geld des Verstorbenen sei in der Bank geblieben, man habe damit auch notleidende Kredite bedient. Der Zeitung zufolge war der Kunde Unternehmer aus Niederösterreich und zuletzt an einem großen Metallunternehmen beteiligt, in dessen Vorstand er auch gewesen sei. Gestorben sei er 2015 im Alter von 67 Jahren.

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Auch Kärntner Bank betroffen

Unter anderen Banken findet sich unter den Geschädigten der Commerzialbank Mattersburg auch eine Kärntner Raiffeisenbank: Die Raika Althofen-Guttaring bestätigte jüngst der Kleinen Zeitung, dass sie "eine Eigenveranlagung (im Wesentlichen Festgeldveranlagung) bei der Commerzialbank Mattersburg" hatte.

In einer schriftlichen Stellungnahme beteuerte die Geschäftsleitung: "Selbst bei gänzlichem Ausfall dieser Eigenveranlagung hat dies keinerlei Auswirkungen auf den Geschäfts- beziehungsweise Bankbetrieb der Raiffeisenbank Althofen-Guttaring." Zur genauen Verlusthöhe gab es keine Angaben, die Zeitung schrieb von einem niedrigen einstelligen Millionenbetrag. (APA, TT.com)


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