Zangerl zu Swarovski: „Scheibchenweise zerlegen und ins Ausland transportieren“

AK-Präsident Erwin Zangerl widerspricht in einer Aussendung der Swarovski-Führung, dass die Firmenzentrale in Wattens bestehen bleiben soll. Indessen haben sich mehrere Familienmitglieder zu Wort gemeldet. Sie wollen bei der Gesellschafterversammlung gegen eine "Ausgliederung" votieren

AK-Chef Erwin Zangerl
© Andreas Rottensteiner

Wattens, Innsbruck – Swarovski kommt weiter nicht zur Ruhe. Familienmitglieder fürchteten vor einer Gesellschafterversammlung am Freitag, dass dabei das De facto-Ende von Wattens als Hauptstandort drohe und kündigten Widerstand an. Und auch Tirols AK-Präsident Erwin Zangerl kritisiert die Swarovski-Führung in einer Ausendung am Donnerstag scharf.

Die Konzernspitze dementiert umgehend und verweist auf ihre Aussendung am Mittwoch, wonach auch "das Vehikel", das die Gruppe zukünftig bündelt, weiter den Sitz in Tirol haben wird. Zudem wies die Geschäftsführung rund um Vorstandschef Robert Buchbauer erneut auf ihre Erklärung hin, wonach am Standort Wattens "trotz der geplanten Restrukturierungsmaßnahmen nicht gerüttelt" werde und eine neue Organisationsstruktur "im Herbst" von den Gesellschaftern verabschiedet werden soll.

"Scheibchenweise Demontage des Unternehmens"

„Scheibchenweise zerlegen und ins Ausland transportieren“ – das scheint die Strategie der Swarovski-Konzernführung für das Traditionsunternehmen zu sein: AK-Präsident Erwin Zangerl geht in einer Aussendung am Donnerstag hart mit Swarovski-CEO Robert Buchbauer ins Gericht. Zangerl mutmaßt, dass die Aussagen von Buchbauer, den Firmenstandort Wattens als „Herz des Konzerns“ bestehen zu lassen, nicht ganz der Wahrheit entspricht. (Die TT berichtete)

Der AK-Präsident führt einen Artikel im Wirtschaftsmagazin Trend an, in dem es unter anderem heiße: „Der neue Swarovski-Boss baut nicht nur Jobs in Tirol ab, sondern verlegt auch die Konzernzentrale in die Schweiz [...] der Schwerpunkt solle aber auf Forschung und Entwicklung liegen, nicht mehr auf der Herstellung und Bearbeitung von Glaskristallen“.

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Gemeinsame Lösung statt Alleingang

„Scheinbar hat Buchbauer ja einen klaren Plan, für den wird es in Wattens aber keine 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen", so Zangerl. Damit treibe der Konzernchef die Arbeitnehmer ebenso vor sich her, wie das Land Tirol oder Teile der Familie, die sich gegen einen Kahlschlag stellen würden.

Wir können nicht akzeptieren, dass hier auf dem Rücken der Beschäftigten eine scheibchenweise Demontage des Unternehmens erfolgt und man sich dann noch mit Sozialplänen brüstet.
AK-Präsident Erwin Zangerl

Ebenso wenig könne das Unternehmen einen von der Schweiz aus angezettelten Krieg gebrauchen, den es vermutlich gar nicht bewältigen kann. Hier gehe es um das Schicksal tausender Arbeitnehmer und ihrer Familien, deshalb braucht es eine gemeinsame Lösung und keinen Alleingang der Führung.

Denn würde das Unternehmen erst in eine AG umgewandelt und der Konzernchef bestätigt, wäre dem Ausverkauf des Standortes Wattens Tür und Tor geöffnet. „Und das gilt es gemeinsam zu verhindern“, so der AK Chef.

Eine "schleichende bzw. stille Verlagerung"

Indes schritten erneut Mitglieder der Familiendynastie vor den Vorhang und zeigten sich weiter alarmiert angesichts ebenjener geplanten Strukturreform. Sie fürchten eine De facto-Aufgabe von Wattens als Hauptstandort des Unternehmens. Auf der Tagesordnung der Gesellschafterversammlung am Freitag stehe unter anderem die "Genehmigung der Einbringung" des Wattener Betriebes des Geschäftsbereiches Kristall unter das Dach einer Schweizer Holding, erklärte Paul Swarovski, Vater von TV-Moderatorin Victoria Swarovsk.

Was nun offenbar geplant sei, sei eine "Reduktion", was den Standort in Wattens betrifft und letztlich in Zukunft eine "schleichende bzw. stille Verlagerung". Die Konzernleitung habe vor, die Komponentenfertigung für Schmucksteine "extremst auf den Eigenbedarf" zu reduzieren. Sollte dieser Plan Wirklichkeit werden, rechnete Swarovski jedenfalls mittelfristig mit "unter 3000 Beschäftigten" am Stammsitz in Wattens.

Eine Ausgliederung des Betriebes wird letztlich zu einer Verlagerung als wahrscheinliche Konsequenz führen
Paul Swarovski

"Es ist gut, wenn darüber abgestimmt wird"

Er sei jedenfalls dafür, am Freitag über die Ausgliederung sowie die ebenfalls auf der Tagesordnung stehende Änderung der Gesellschaftsverträge abzustimmen, denn: "Es ist gut, wenn darüber abgestimmt wird. Denn damit das durchgeht, braucht es Einstimmigkeit". Und diese sei unter den rund 70 Gesellschaftern in der nicht-öffentlichen Versammlung nun einmal nicht gegeben - und damit wäre der angebliche Plan der Geschäftsführung durchkreuzt. Zudem verlange er eine "Sonderprüfung" der "Misswirtschaft", die in den vergangenen Jahren Einzug gehalten habe.

Paul Swarovski gehört laut eigenen Angaben zum "Stamm Fritz", der 18,7 Prozent der Anteile hält. Sein Anteil bzw. der seiner Familie macht 1,2 Prozent aus. 3,5 Prozent dieser 18,7 Prozent entfallen indes auf Philipp Swarovski, Sohn des verstorbenen Swarco-Gründers Manfred Swarovski, und seine Brüder. Der Konzern werde derzeit seiner "Seele beraubt", meinte dieser am Donnerstag. Firmensitz und Zentrale müssten in Wattens bleiben. Die Strukturreform sei "nicht alternativlos", so Swarovski, der im Jahr 2012 vom Stammkonzern zu Swarco gewechselt war und dort vor wenigen Wochen laut eigenen Angaben auch ausschied. "Unser Fokus ist: Wir sind hier und wir bleiben hier als Zentrale".

In der Tiroler Tageszeitung (Donnerstagsausgabe) meldete sich auch Melanie Grieder-Swarovski, Tochter von Gerhard Swarovski, und selbstständig im Bereich Immobilien und Kunst tätig, zu Wort. "Wir können da nicht länger schweigen", meinte sie zu den Strukturplänen. Das Management, das Swarovski abgewirtschaftet habe, solle einem neuen Platz machen. Für Grieder-Swarovski werde ihre Cousine Nadja Swarovski bei der Gesellschafterversammlung die Pläne ablehnen. (TT.com)


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