ÖBB-Aufsichtsräte beraten über Krise im Güterverkehr

Am Donnerstag findet gemeinsamer Aufsichtsrat von Rail Cargo und Holding statt. Das Güterverkehrsaufkommen liegt noch immer bis zu 20 Prozent unter dem Vorjahr. Eine Kapitalspritze und die Senkung der Schienenmaut sollen die Sparte entlasten.

Der Transport auf der Schiene leidet unter dem Konjunktureinbruch in Folge der Coronakrise.
© Böhm

Wien – Bei der Bundesbahn treten heute die Aufsichtsgremien zusammen. In einem gemeinsamen außerordentlichen Aufsichtsrat der ÖBB Holding und der ÖBB Rail Cargo wird über die Krise im Güterverkehr beraten. Der Transport auf der Schiene leidet unter dem Konjunktureinbruch in Folge der Coronakrise. Das Volumen im Güterverkehr liegt derzeit 15 bis 20 Prozent unter Vorjahr.

Für ÖBB-Chef Andreas Matthä, dessen Vertrag nächsten Sommer ausläuft und der eine Verlängerung anstreben soll, wird die Bewältigung der Krise wohl zur Nagelprobe werden. Beim heutigen außerordentlichen Aufsichtsrat seien keine Beschlüsse zu erwarten, heißt es aus den ÖBB. Im Oktober finden dann die regulären Aufsichtsräte im ÖBB-Konzern statt.

Okay auf EU-Ebene erforderlich

Das Verkehrsministerium hat bereits mit der Ankündigung einer Kapitalspritze für die Güterbahn für eine gewisse Erleichterung gesorgt. 61 Millionen Euro schießt der Bund ins Eigenkapital zu, hatte Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) Anfang August verlautbart und die Bedeutung des Bahntransports für den Umweltschutz hervorgehoben.

Weiters soll die Schienenmaut gesenkt werden, wozu noch ein Okay auf EU-Ebene erforderlich ist. Nach dem geplanten Beschluss im EU-Rat könne die Senkung Ende September bzw. Anfang Oktober, rückwirkend ab März, in Kraft treten, heißt es dazu auf APA-Anfrage aus dem Verkehrsministerium.

Beide Maßnahmen sind zwar noch nicht vollzogen, gelten aber als fix, so dass sich die Aufsichtsräte bei ihrer heutigen Debatte auf Reformkonzepte konzentrieren können. Es wird unter anderem um das Transformationsprogramm "Nordstern" gehen, das seit dem Vorjahr in Kraft und bis zum Jahr 2023 angelegt ist. Wie der Standard im August im Voraus berichtete, seien auch konzerninterne Umbauten angedacht, mit denen die Kapitalbasis der RCA zumindest kurzfristig gestärkt würde. Die Werkstättentochter ÖBB-Technische Services (TS), bis dato zu 51 Prozent von RCA kontrolliert, könnte zur Gänze zum ÖBB-Personenverkehr (hält aktuell 49 Prozent an TS) verschoben werden. Das würde der RCA den Verkaufserlös einbringen.

Plattformkonzept für Wägen in Leichtbauweise

Unterdessen setzt das staatliche Güterverkehrsunternehmen auf Innovation: Ein Joint Venture der ÖBB-Technische Services und der voestalpine Stahl wurde heute in einer Aussendung bekanntgegeben. Mit dem 50:50 Joint Venture zur Gründung der TransANT GmbH werde ein gemeinsam entwickeltes Plattformkonzept für Wägen in Leichtbauweise umgesetzt. Das modulare Plattformkonzept ermögliche dem Kunden nicht nur die Zuladung größerer Mengen, sondern auch einen flexiblen Aufbau, der sich an dessen individuellen Logistikbedarf anpasst. Seit der Produkteinführung im Herbst 2018 werde an der Serienfertigung des TransANT gearbeitet.

Die Rail Cargo Group beschäftigt 9340 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und macht mit Niederlassungen in ganz Europa einen Jahresumsatz von rund 2,3 Milliarden Euro. (APA)


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