Hamilton-Pole bei nächstem Ferrari-Debakel in Monza

WM-Leader Lewis Hamilton fuhr am Samstag in Monza mit neuer Rekordrunde zur 94. Pole Position seiner Karriere, der bereits siebenten auf dem italienischen Traditionskurs.

WM-Leader Lewis Hamilton am Samstag in Monza.
© MARK THOMPSON

Monza – Mercedes braucht keinen Party-Modus, um die Formel 1 nach Lust und Laune zu dominieren. WM-Leader Lewis Hamilton fuhr am Samstag im Qualifying für den Großen Preis von Italien mit einer Allzeit-Rekordrunde zu seiner siebenten Pole Position in Monza. Sein Teamkollege Valtteri Bottas folgte mit nur 69 Tausendstelsekunden Rückstand vor Überraschungsmann Carlos Sainz Jr. im McLaren (+0,808 Sek.).

Fast schon gewohnt spiegelverkehrt dreht sich die Welt für Ferrari: Die Scuderia steuert nach den Plätzen 13 und 17 durch Charles Leclerc und Sebastian Vettel auf ein desaströses Heim-Wochenende zu. Red Bull setzte eine wenig schmeichelhafte Serie fort: Seit 2013 ist in Monza kein "Bulle" mehr in die ersten vier Quali-Plätze vorgefahren. Platz fünf für Star-Pilot Max Verstappen bedeutete zugleich nur Rang vier in der Team-Hackordnung, denn hinter Sainz platzierte sich mit Sergio Perez noch ein Pilot aus dem Racing Point Team.

Am 50. Todestag des österreichischen Sporthelden Jochen Rindt, der 1970 nahe der Parabolica-Kurve wegen einer gebrochenen Bremswelle in seinem Lotus verunglückt war und später als bisher einziger posthum Weltmeister wurde, setzte Hamilton einen weiteren Meilenstein. Der sechsfache Weltmeister legte auf dem Vollgas-Kurs in Norditalien in 1:18,887 Minuten und einem Schnitt von 264,362 km/h die schnellste Formel-1-Runde aller Zeiten (bisher Kimi Raikkönen 2018) hin.

"Es war eine fantastische Leistung des ganzen Teams, vor allem was das Timing angeht", befand Hamilton nach der 94. Poleposition seiner Karriere. Er wollte mit dem riesengroßen Vorsprung nicht gerechnet haben und zeigte sich überrascht - vor allem nach der Regeländerung. Das Verbot der Party-Modus genannten Motoreneinstellung änderte augenscheinlich nichts an der Dominanz von Mercedes. "No party. No problem", twitterte das Mercedes-Team nach getaner Arbeit.

"Es ist das erste Rennen post Party-Mode und unsere Abstände sind gleich geblieben oder sogar besser gegenüber dem einen oder anderen Kontrahenten, der dieses Thema vorangetrieben hat", sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Einmal mehr stellt sich die Frage, wer die heuer schwarz lackierten Silberpfeile eigentlich stoppen soll. Wolff beantwortete dies in seiner Vorausschau auf das Rennen (15.10/live ORF1) indirekt: "Wir sollten über die gesamte Renndistanz deutlich schneller sein. Wir können diesen Mode jetzt das ganze Rennen fahren, was wir vorher nicht konnten."

Ferrari erlebte just in der Heimat den nächsten Tiefschlag. Zum ersten Mal seit 1984 schaffte es kein Roter in Monza unter die ersten zehn in der Startaufstellung. Schon in der ersten Qualiphase patzte der Kommandostand: Vettel landete in seiner vermeintlich schnellsten Runde unverhofft im Windschattenpoker einiger Nachzügler - und blieb im Stau stecken. "Ich konnte da nicht viel machen", schüttelte der Deutsche den Kopf und sprach von schlechtem Timing.

Die Aussichten auf eine erfolgreiche Aufholjagd bei seinem letzten Monza-Auftritt für Ferrari sind trüb. "Wir sind ein bisschen schneller als die Autos um uns herum. Aber es wird schwer, Boden gut zu machen." (APA)


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